Tat sorgte für Aufsehen 

Nach Überfall auf NP in Lemke: Räuber verurteilt

Nienburg/Lemke - Von Andreas Wetzel. Zu Jugendstrafen sind jetzt zwei junge Männer verurteilt worden, die im April 2019 den "NP"-Markt in Lemke überfallen hatten. Dabei war auch ein Kind anwesend

Vor dem Jugendschöffengericht Nienburg mussten sich jetzt zwei Männer im Alter von 19 Jahren verantworten. Ihnen wurde vorgeworfen, im April 2019 einen Supermarkt in Lemke überfallen und dabei Geld erbeutet zu haben. Der jüngere der beiden Angeklagten bedrohte die Verkäuferinnen mit einer täuschend echt aussehenden Waffe. Der ältere der beiden Täter wurde kurz nach der Tat von Passanten gestellt. Sie wurden jetzt zu zwei Jahren und sechs Monaten beziehungsweise zu zwei Jahren Jugendstrafe verurteilt.

Mitte April 2019 hatten sich die beiden Tatverdächtigen, die sie schon seit ihrer Schulzeit kannten, wieder getroffen. Man hatte sich gemeinsam in einem Nebengebäude auf dem Grundstück des etwas Älteren getroffen und „gechillt“, wurde während der Verhandlung in Nienburg berichtet. Währenddessen fragte der Jüngere, ob der Ältere Lust hätte,„schnelles Geld“ zu machen, woraufhin er sagte: „Ja. Ich kann das Geld gut gebrauchen.“ Der jüngere wollte sich wieder melden.

Nienburg: Verabredung zum Raub

Noch am gleichen Nachmittag rief der Jüngere den Älteren an und sagte ihm, dass er zur Nienburger Nordertorschule kommen soll. Dort wollte man sich treffen. Gegen 16 Uhr traf er dort seinen Bekannten und einen weiteren Mann an. Das Trio entschied, den Supermarkt „NP“ in Lemke überfallen zu wollen, da dort zum Feierabend hin ein größerer Geldbetrag zu erbeuten sei. Allerdings war der ältere der beiden Angeklagten zu diesem Zeitpunkt noch nicht passend gekleidet. Er wurde nach Hause geschickt, um sich dunkle Sachen anzuziehen.

Eine halbe Stunde später machten die drei sich auf den Weg nach Marklohe zum besagten Supermarkt. Dort angekommen ging zunächst der dritte der Täter in den Markt, um ihn auszukundschaften. Insbesondere interessierte ihn, wo die Tresore sind.

Kurz vor 21 Uhr betraten die drei dann gemeinsam den Supermarkt, in dem sich zu diesem Zeitpunkt zwei Angestellte und ein 10 Jahre altes Mädchen aufhielten. Der jüngere der beiden Angeklagten führte die Waffe, die er gezielt auf die Verkäuferin richtete. Die Täter brüllten: „Überfall, Überfall. Geld her! Macht die Kassen auf!“ Der dritte Täter und der ältere Angeklagte gingen dann in das Büro, wo der Tresor stand.

Lemke: 10-Jährige bei Rau anwesend

Zuvor hatte der ältere der beiden Angeklagten das Mädchen noch aus dem Geschäft geschickt, damit ihm nichts passiert. Schließlich begaben sich die drei Täter mit den beiden Angestellten in den Tresorraum. Eine Angestellte wurde gezwungen, den Tresor aufzuschließen. Aus dem Tresor raubten die Täter das Wechselgeld. Die Tageseinnahmen konnten sie nicht erbeuten, da die besonders gesichert in einem anderen Tresor lagen, an den die Angestellten nicht herankamen. Das alles spielte sich in wenigen Minuten ab. Nach der Tat flüchteten die Täter aus dem Geschäft.

Zu diesem Zeitpunkt wollten zwei Kunden noch in das Geschäft, um einzukaufen. Während der eine Kunde schon vor verschlossenen Türen stand, war der zweite noch im Auto und sah den einen Kunden vor der Tür stehen - und darüber hinaus die drei Täter vom Tatort flüchten.

Die beiden Männer nahmen sie die Verfolgung auf und fanden die Täter schließlich an einer Bushaltestelle an der Bremer Straße. Sie gingen auf sie zu. Einer der Männer hatte eine Schreckschusspistole bei sich und schoss damit einmal in die Luft.

Während der jüngere und der Dritte flüchteten, konnte der ältere der beiden Angeklagten festgehalten werden. Schließlich nahm die Polizei den jungen Mann fest. Er wurde am nächsten Tag einem Haftrichter vorgeführt, der Haftbefehl erließ.

Polizeihund findet Beute

Die Tatwaffe sowie die Beute konnte zunächst nicht gefunden werden. Nach der Tat suchte ein Diensthund den näheren Bereich des Tatortes ab und hat das erbeutete Wechselgeld gefunden. Während eines späteren Haftprüfungstermins hatte der in Haft sitzende ältere der beiden Angeklagten die Namen seiner beiden Mittäter genannt.

Der dritte Täter ist derzeit flüchtig, daher wurde das Verfahren gegen ihn abgetrennt. Außerdem ist er erwachsen, sodass ein anderes Gericht für ihn zuständig ist. Der ältere der beiden Täter gab die Tat zu. Er sagte, dass er Geld brauchte, weil er Spielschulden habe und weil er drogenabhängig war. Deshalb habe er sich dazu hinreißen lassen, bei der Tat mitzumachen.

Sein jüngerer Mittäter bestritt, bei dem Raub mitgemacht zuhaben. Er sagte, damit nichts zu tun zu haben. Er sei zu Hause gewesen und habe ein Champions-League-Spiel geschaut. Dies könne seine Mutter auch bezeugen.

Zeugen bedroht

Gegen den älteren Angeklagten stand eine zweite Anklage im Raum. Etwa fünf Wochen nach dem Raub soll er den einen der beiden Verfolger, und zwar den, der mit der Schreckschusswaffe geschossen hatte, bedroht haben. Er hatte ihn auf der Verdener Landstraße angetroffen und sich vor sein Auto gestellt und ihn angeschrien: „Wenn du dich noch mal in Nienburg blicken lässt, bringe ich dich um!“ Er war mittlerweile aufgrund des Haftprüfungstermins aus der Haft gegen Auflagen entlassen worden. Er musste sich jeden Tag bei der Polizei melden.

In der Verhandlung wurden auch die beiden Angestellten gehört. Sie standen nach wie vor sichtlich unter dem Schock der Ereignisse. Eine der beiden Angestellten hatte noch etwa vier Wochen gearbeitet, war dann aber mit den Geschehnissen nicht mehr klargekommen und ist seitdem krankgeschrieben. Sie musste sich psychologischer Betreuung unterziehen. Auch die zweite Angestellte hatte erheblich mit den Folgen zu kämpfen.

Auf die Vernehmung des Mädchens wurde aufgrund der Traumatisierung verzichtet. Die Mutter des jüngeren Täters sollte zur Anwesenheit ihres Sohnes im Haus aussagen. Im Zeugenstand machte sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und sagte nichts.

Auch kam ein medizinischer Sachverständiger zu Wort, der zum Drogenkonsum des Älteren Erläuterungen machen sollte. Er hob hervor, dass eine Drogenabhängigkeit vorläge, diese aber nicht so weit reicht, dass eine Schuldunfähigkeit gegeben sei.

Angeklagter schon unter Bewährung

Für das Gericht stand nun die Frage im Raum, wie die Angeklagten zu bestrafen seien. Für den Älteren fiel erschwerend ins Gewicht, dass er unter laufender Bewährung stand, da er kurz vor dem Raub zu einer halbjährigen Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt wurde.

Der jüngere Täter war zwar bereits auch polizeilich in Erscheinung getreten, allerdings noch nicht zu einer Jugendstrafe verurteilt worden. Eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe hatte ausgeführt, dass beide Angeklagte nicht nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden sollten, da beide ein reifeverzögertes Verhalten aufwiesen.

Die Staatsanwaltschaft beantragte für den Älteren der beiden für den schweren Raub sowie die Bedrohung einer Jugendstrafe von drei Jahren und für den Jüngeren, der die Waffe geführt hatte, eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten.

Verteidigerin Katharina Theuerkaufer beantragte für ihren älteren Angeklagten eine Jugendstrafe auf Bewährung, da er ein Geständnis abgelegt habe und so die Ermittlung der Mittäter ermöglicht habe.

Verteidigerin Elke Vieregge-Bruns des jüngeren Angeklagten forderte Freispruch, da ihr Mandant zu Hause Fußball geschaut habe und mit der Tat nichts zu tun habe. Der einzige Beweis für seine Täterschaft sei die Aussage des älteren Angeklagten, der ihn belastet habe und für sie unglaubwürdig sei, da er selbst Beschuldigter in diesem Verfahren ist.

Beide Männer verurteilt

Das Jugendschöffengericht verurteilte schließlich den Älteren zu zwei Jahren und sechs Monaten Jugendstrafe, in die die Vorstrafe mit einbezogen wurde. Ins Gewicht fiel, dass er unter laufender Bewährung stand und mehrfach vorbestraft war. Außerdem hatten ihm Bewährungshilfe und Jugendgerichtshilfe eine schlechte Sozialprognose gegeben.

Der Jüngere erhielt eine Jugendstrafe von zwei Jahren, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, da er bisher noch zu keiner Jugendstrafe verurteilt wurde. Allerdings wird er in absehbarer Zeit engmaschig durch einen Bewährungshelfer begleitet.

In den Plädoyers spielte eine entscheidende Rolle, dass die Angestellten des Supermarktes bis heute unter den Belastungen des Überfalls litten.

Rubriklistenbild: © Volker Hartmann/dpa

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