Alternativen zum Stromtransport

Neue Füße für die Energieversorgung der Region

Mehringen - Von Michael Wendt. Könnten ausgerechnet der ungeliebte Stromtrassen-Neubau und ein zweites Umspannwerk in der Samtgemeinde die Energieversorgung in unserer Region auf neue Füße stellen? Vier Einwohner aus Hilgermissen (siehe Kasten) hätten nichts dagegen.

Sie informierten sich kürzlich auf der Messe „Husum Wind“ in Schleswig-Holstein über neue Möglichkeiten zur Speicherung und zum Transport erneuerbarer Energie und stellten nun einige Neuerungen und Pilotprojekte knapp 30 Zuhörern im Mehringer Dörpshus vor. In naher Zukunft wollen sie versuchen, ihre Ideen für die Nutzung grüner Energie weiteren Interessierten nahezubringen.

Tim Stegemann begrüßte die Zuhörer und erklärte: „Die Stromtrasse von Stade nach Landesbergen ist fatal, und wir haben zuletzt viel über einen Umspannwerkneubau diskutiert, den es für diese alte Technik braucht. Wir sind dagegen, aber nur dagegen sein reicht nicht – man sollte auch Alternativen anbieten können.“

Jürgen Stegmann ergänzte: „Wir sind alle von der Stromtrasse und dem Umspannwerk frustriert und haben uns gefragt: Gibt es denn keine Alternativen?“ Trotzdem scheint es aussichtslos, den Neubau von Stromtrasse und Umspannwerk noch zu verhindern, dafür sind die Planungen zu weit fortgeschritten.

Das spricht jedoch nicht gegen die Energiewende im Kleinen, bei der die vor Ort erzeugte Energie in der Region genutzt wird – oder unterirdisch zu Abnehmern in ganz Europa gelangt. Die Technik dafür stellten die vier Gastgeber in Grundzügen vor.

Power to Gas

Frank Mahlstedt präsentierte die Möglichkeiten der Wasserstoffgewinnung. Man nehme grünen Strom und Wasser und erzeuge durch Elektrolyse Wasserstoff – wie damals im Schulunterricht. (Sie erinnern sich an das Knallgas-Experiment?) Die Firma GP-Joule aus Reußenköge bei Husum präsentierte auf der Messe die passende Technik, untergebracht in einem Container. Der Wirkungsgrad betrage 75 Prozent, sagte Mahlstedt.

Wasserstoff lässt sich in Brennstoffzellen zur Stromerzeugung verwenden. Seit Kurzem gibt es nach jahrzehntelanger Forschung einige wenige serienreife Autos mit Brennstoffzelle. Interessant ist die Technik auch für Busse und die Eisenbahn, besonders dort, wo noch Dieselloks verkehren.

Wasserstoff lässt sich zudem in Methan umwandeln und ins Erdgasnetz einspeisen. Das verträgt sogar einen gewissen Anteil Wasserstoff als Beimischung zum Erdgas.

„In reiner Form wird Wasserstoff in großen Mengen in der Lebensmittelindustrie benötigt, haben wir in Husum erfahren“, sagte Frank Mahlstedt, „zum Beispiel in der Margarine-Herstellung.“ Derzeit werde Wasserstoff größtenteils aus Erdgas erzeugt.

Sektoren-Kopplung

„Wir müssen uns davon verabschieden, dass wir nur eine Energiequelle haben“, sagte Manfred Bielefeld. Für jede Art der Nutzung gebe es eine andere Quelle. „Es wird künftig viele dezentrale Lösungen statt wenige Großkraftwerke geben“, sagte er und nannte exemplarisch den Energiepark Mainz (siehe Link).

Bielefeld stellte schematisch ein System vor, in dem regenerativ erzeugte Energie wahlweise sofort genutzt, für eine spätere Verstromung zunächst in Form von Wasserstoff gespeichert oder ins Erdgasnetz eingespeist wird.

„Im Gasnetz lässt sich eine gigantische Menge Energie speichern und unheimlich gut transportieren – durch ganz Europa“, sagte er. „Wir haben viele Gasleitungen in den Süden, und ausgerechnet dahin wollen wir noch eine Stromleitung bauen.“

Biogasanlagen wären ein idealer Wasserstoffspeicher, erklärte der Energieberater. Rund 24 000 gibt es davon in der Bundesrepublik. Manfred Bielefeld nannte auch die Zahl von 1 200 Windkraftanlagen in Deutschland, die in den nächsten zwei Jahren aus der Strompreisbindung fallen. Nach 20 Jahren fester Vergütungssätze für den damit erzeugten Strom müssen die Betreiber dann einen Abnehmer für die Energie finden und einen Preis aushandeln. Bielefeld: „Die Anlagen sind abgeschrieben und können günstig Strom erzeugen“ – oder indirekt Wasserstoff.

Zu bedenken gab der Energieberater auch: „Je mehr Elektroautos bei uns fahren, desto mehr erübrigt sich der Transport des Stroms in den Süden.“ Damit war Manfred Bielefeld bei einer Kernthese der Infoveranstaltung angelangt: Man sollte durch die Energieerzeugung vor Ort Geld verdienen. Wertschöpfung schaffe Akzeptanz. Für diese Akzeptanz wollen die Vier nun bei Bürgern und Firmen in der Region werben.

www.gp-joule.de

www.energiepark-mainz.de

Quelle: kreiszeitung.de

Rubriklistenbild: © dpa

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