Politik sieht Bauvorhaben kritisch

Neues Gartencenter für Nienburg?

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Der vorläufige Plan sieht mögliche Parkplätze für die Feuerwehr und einen Schmutzwasserstauraum vor.

Nienburg - Von Max Brinkmann. Bekommt Nienburg ein neues Gartencenter? Die Politik steht dem Vorhaben bisher eher skeptisch gegenüber. Vorsitzender Klaas Warnecke (SPD) stellte zu Beginn der Diskussion im Stadtentwicklungsausschuss am Donnerstagabend klar: „Wir werden heute keinen endgültigen Beschluss über das Projekt fällen“.

Das geplante Center besitzt eine Verkaufsfläche von knapp 5.000 Quadratmetern. Zum Gebäudekomplex gehört laut Plan eine Warmhalle, eine Kalthalle, ein überdachter und ein nicht überdachter Außenbereich, ein Café mit Terrasse und ein Lager. Die Zufahrt ist über die Stöckser Straße geplant. Die Anlieferung der Waren erfolgt über eine separate Zufahrt im Nordostbereich des Grundstücks. Die Parkplätze wären im westlichen Teil des Grundstücks angeordnet. Außerdem würde der Eigentümer im nördlichen Bereich zusätzliche Parkplätze für die Feuerwehr, die auf der gegenüberliegenden Seite der Stöckser Straße liegt, sowie einen Schmutzwasserstauraum bereitstellen.

Der größte Kritikpunkt war für die Politiker die Auswirkung auf den Verkehrsfluss. Heinrich Werner (FDP) erklärte: „Wir haben deshalb mehr als große Bauchschmerzen.“ Die Verkehrssituation am Berliner Ring sei durch die vielen Dienstleistungsunternehmen ohnehin schon schwierig genug. Zusätzlich komme noch die zeitweise Belastung durch den Schulverkehr von BBS und IGS dazu. Durch ein weiteres großflächiges Angebot wie dem Gartencenter befürchten die Politiker noch mehr Verkehrsaufkommen.

Schwierige Verkehrssituation

„Gerade bei Feuerwehreinsätzen könnte es verstärkt zu Verzögerungen kommen“, gab Anja Altmann, Fraktionsvorsitzende der SPD zu Bedenken. Das im Vorfeld angelegte Verkehrsgutachten sieht bereits vor, dass Kunden nur rechts auf die Stöckser Straße einbiegen dürften, um Knotenbildung Richtung Berliner Ring zu verhindern.

CDU-Fraktionsvorsitzender Hans-Peter Rübenack fand klare Worte: „Eine andere verkehrstechnische Lösung würde ein erhebliches Chaos verursachen.“ Außerdem verwies er auf den Lärmaktionsplan, der an diesem Abschnitt für die Zukunft Tempo 30 vorsieht. Die Politik müsse auch diskutieren, ob ein Bau unter diesen Umständen überhaupt Sinn mache.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Wettbewerbsauswirkung. Bürgermeister Henning Onkes versicherte es habe bereits Gespräche mit den bestehenden Nienburger Bewerbern der Gartenbranche gegeben. Natürlich würde es einen Kundenabfluss bei den anderen Wettbewerbern geben. Um diese Auswirkungen soweit zu reduzieren, dass alle Bewerber zufrieden sind, käme für Onkes eine Verkleinerung der Gebäudefläche in Frage. Dennoch sei er für den Bau: „Anderenfalls siedelt sich der Eigentümer eventuell außerhalb Nienburgs an, was schlecht für die Stadt wäre.“

"Absolute Katastrophe"

Ein Problem ist außerdem, dass im vorliegenden Wettbewerbsgutachten nicht alle Anbieter von Gartenequipment aufgeführt seien. Der Kundenabfluss der Mitbewerber könnte also größer sein als bisher angenommen. Bevor es weitergeht, müsse dieser Umstand erst genauer untersucht werden.

Peter Schmithüsen (Grüne) plädierte dafür die Fläche, die zu einer der letzten gänzlich unberührten im Stadt gehöre, weiterhin der Natur zu überlassen – ein weiteres Gartencenter wäre unnötig. Er wurde dabei von BUND und NABU unterstützt: „Dort sind viele heimische Pflanzen, die für Insekten sehr wichtig sind. Außerdem wurden in dem Gebiet 15 verschiedene Vogelarten gesichtet. Die Fläche zu zerstören, wäre eine absolute Katastrophe“, sagte BUND-Vertreter Erk Dallmeyer.

Schlussendlich wurde der Punkt im Hinblick auf die vielen Bedenken und noch zu klärenden Umständen vertagt. Die Entscheidung, ob in Nienburg ein neues Gartencenter entsteht, wird wohl nicht in naher Zukunft fallen.

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