Trotz etlicher strafmildernder Aspekte keine Bewährung möglich

Neues Urteil nach tödlichem Unfall in Husum

Das Landgericht in Verden
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In dem Strafverfahren wurde bereits zum vierten Mal ein Urteil verkündet.

Vor vier Jahren hatte der Angeklagte unter Alkohol einen Verkehrsunfall mit Todesfolge verursacht. Nun hat das Landgericht zum vierten Mal ein Urteil verkündet.

  • Urteil nach tödlichem Unfall unter Alkohol: 15 Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung
  • Motor herausgerissen und 30 Meter weit geflogen
  • Führerschein erst zwei Monate vor dem Unfall zurückbekommen

Verden/Husum - von Wiebke Bruns. Knapp vier Jahre nach dem Unfalltod eines 24-Jährigen aus Winzlar ist am Montag in dem Strafverfahren zum vierten Mal ein Urteil verkündet worden. Die 5. Kleine Strafkammer des Landgerichts Verden verurteilte den 27 Jahre alten Unfallverursacher wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung zu einer 15-monatigen Freiheitsstrafe. Ohne Bewährung, was Ziel der Staatsanwaltschaft Verden und der Angehörigen des Getöteten war. Ob es das letzte Urteil in diesem Fall sein wird, bleibt abzuwarten.

Leitpfosten und Straßenbäume überfahren und gegen zwei weitere Bäume geknallt

Am 2. April 2017 waren die beiden jungen Männer nach einem Fußballspiel beim RSV Rehburg in den Audi des Angeklagten gestiegen. Gegen 19.30 Uhr war der Wagen in Höhe des Heye-See-Parkplatzes von der Straße abgekommen, hatte Leitpfosten und Straßenbäume überfahren und war gegen zwei weitere Bäume geknallt. „Die Wucht des Aufpralls“ war so erheblich, dass der „Motor herausgerissen und 30 Meter weit geflogen war“. Wenige Stunden später war der 24-Jährige an den Folgen einer Hirnverletzung verstorben.

Mit mindestens 0,88 Promille alkoholisiert

Der Angeklagte war mit mindestens 0,88 Promille alkoholisiert und mit 130 Stundenkilometer von der Landstraße abgekommen. Das Amtsgericht Stolzenau hatte den Handwerker in erster Instanz zu einer 18-monatigen Haftstrafe verurteilt. Auf die Berufung des heute 27-Jährigen reduzierte die 6. Kleine Strafkammer des Landgerichts Verden am 27. Januar 2019 die Strafe auf 15 Monate und setzte diese zur Bewährung aus. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft Verden hatte das Oberlandesgericht Celle das Urteil Ende 2019 aufgehoben und zur erneuen Verhandlung an eine andere Kammer des Landgerichts Verden zurückverwiesen.

Angeklagter will keinerlei Erinnerung haben

Am Montag ging es nur noch um das Strafmaß. Deshalb beschränkte sich die Beweisaufnahme auf eine damals behandelnde Ärztin als Zeugin. Doch es gab viele Fragen an den Angeklagten. Die meisten blieben unbeantwortet, denn er will keinerlei Erinnerung haben. Nicht mal an die Fahrt oder das vorherige Fußballspiel und somit auch nicht an die Biere, die es danach gegeben haben soll.

Führerschein erst zwei Monate zuvor zurückbekommen

Etliche strafmildernde Aspekte sah das Gericht. Darunter die schweren Verletzungen, die der Angeklagte erlitten hatte, und der Umstand, dass der spätere Getötete sich ohne Notwendigkeit zu seinem alkoholisierten Fußballfreund ins Auto gesetzt hatte. Doch es überwogen die negativen Punkte. So hatte der Angeklagte erst zwei Monate vor dem Unfall seinen Führerschein zurückbekommen. Wegen des Verdachts einer Trunkenheitsfahrt war ihm dieser für sieben Monate entzogen worden. Das Strafverfahren wurde damals eingestellt.

Urteil mit Signalwirkung

Ein Grund gegen eine Bewährungsstrafe war auch die Signalwirkung des Urteils. Seit vielen Jahren gebe es die Diskussion um tödliche Unfälle infolge „aggressiver und rücksichtsloser Fahrweisen“. „Wir müssen etwas tun, dass sich die Verhältnisse im Straßenverkehr ändern“, betonte die Vorsitzende Richterin Marita Gudehus. Eine Strafaussetzung zur Bewährung müsse die Ausnahme und nicht der Regelfall sein.

Ob der Angeklagte erneut Rechtsmittel einlegen wird, ließ sein Anwalt offen. Zunächst wollen sie das schriftliche Urteil abwarten.

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