Heimatmuseum Hoya zeigt Modelle aller Art 

Nicht ohne meine Handtasche

So muss es wohl gewesen sein, wenn technisch versierte junge Männer gegen Ende des 19. Jahrhunderts einer vornehmen Dame vor dem Ausritt beim Anlegen ihres am Handgelenk zu tragenden Reittäschchens assistierten. Lukas Hornecker zeigt im Heimatmuseum Hoya, dass die „Handschellen“-Technik von damals auch heute noch funktioniert. - Foto: Horst Friedrichs

Hoya - Von Horst Friedrichs. „Johann, meine Handtasche!“ Die Gutsherrin hält ihrem Reitknecht den rechten Arm hin. Geschickt legt er ihr das neue Reittäschchen an, mit dessen Verschluss sie noch nicht klarkommt. Ein bisschen wirkt er ja wie eine komplizierte halbe Handschelle, dieser Ring aus vernickeltem Stahl, an dem die kleine Ledertasche mit zwei Kettchen baumelt. Im Schatten der hohen Eichen des Gutshofs ist die Hitze noch erträglich, als Johann der vornehmen Reiterin schließlich in den Damensattel hilft und sie zum Ausritt begleitet. Strahlender Sonnenschein lässt die Getreidefelder golden leuchten, es ist Erntezeit. Männer führen die Sense mit geübtem Schwung, Frauen bündeln die ährenschweren Halme zu Hocken, und alle verbeugen sich, sobald sie der huldvollen Gemahlin ihres Arbeitgebers gewahr werden.

Eine solchermaßen nobel gewandete Herrenreiterin ist derzeit im Heimatmuseum Hoya zu bewundern – natürlich ohne Pferd und auch nur als Schaufensterpuppe. Doch deren historisch korrekte Edel-Staffage ist umso eindrucksvoller, und vor allem hat sie einen direkten Bezug zur aktuellen Ausstellung in den Räumen des ehemaligen von-Staffhorstschen Gutshauses. Denn am zarten Puppenhandgelenk hängt ebenjene Erfindung, die den Reiterinnen um 1880 das Glück auf dem Rücken der Pferde noch ein bisschen schöner machte: Das Reittäschchen ist Bestandteil der aktuellen Ausstellung „Platz für Glück und anderes – Taschen im Wandel der Zeit“.

Eine Frau ohne Handtasche? Ausgeschlossen! Das war schon früher so. Selbst hoch zu Ross mochte die Reiterin von Rang ihr Täschchen nicht missen. Im Damensattel unterwegs, hatten die Bessergestellten des zu Ende gehenden 19. Jahrhunderts vorher mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen gehabt. Neben der unbequemen Sitzhaltung auf dem Pferderücken und unbequemer Kleidung war es vor allem das Handtaschenproblem, das ihnen beim Ausritt zu schaffen machte. Da wurden beide Hände nun mal für die Zügel gebraucht.

Aber wie zu allen Zeiten, fühlte sich die Frau von 1880 einfach unwohl, wenn sie ihre Tasche nicht bei sich haben konnte. In jenen Jahren des technischen Fortschritts war es folglich nicht verwunderlich, dass auch für die betuchte Weiblichkeit eine nützliche kleine Erfindung am Rande abfiel: das Reittäschchen mit der praktischen Handgelenkshalterung. Nun musste die Ausreitende ihre Siebensachen, meist in einer voluminöseren Handtasche, nicht länger dem begleitenden Reitknecht überlassen.

Die Ausstellung der Taschenvielfalt von gestern und heute ist ein Projekt, das die bisherige und die künftige Museumsleiterin gemeinsam mit dem Museums-Team verwirklicht haben. Elfriede Hornecker und Ulrike Tänzer sagen unisono: „Der Aufbau der Ausstellung hat uns viel Freude bereitet.“

Schon der Empfangsbereich ist bunt: Im Museums-Café wartet eine farbenprächtige 70er-Jahre-Ecke mit Taschen dieser Zeit und einem der Van-Gogh-Drucke auf, die damals in Mode waren. Weiter geht es mit einer überwältigenden Vielfalt von Taschen der unglaublichsten Art – sei es jene, die mit einem Care-Paket aus den USA ins Nachkriegsdeutschland gelangte, oder andere, die in der einstigen Hoyaer Taschenfabrik Brehme gefertigt wurde. Zigarettenetuis und Männerhandtaschen fehlen ebenso wenig wie die Tasche, in der der Hoyaer Tierarzt Dr. Hoyer seine Utensilien bei sich trug. Und die Spanne der Ausstellungsstücke ist noch lange nicht am Ende, denn laufend werden neue Leihgaben abgegeben.

Das Heimatmuseum Hoya, Im Park 1, ist ganzjährig sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet – sowie nach Vereinbarung unter Telefon 04251/671679. Die Ausstellung „Platz für Glück und anderes – Taschen im Wandel der Zeit“ ist noch bis zum 5. März zu sehen und damit zwei Wochen länger als ursprünglich geplant.

www.museum-hoya.de

Quelle: kreiszeitung.de

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