Aktionen vom „Runden Tisch gegen rechts“ und der Stadt geplant

Aufmarsch ohne Aufmerksamkeit

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Werner Behrens, Henning Onkes, Ulrike Kassube und Sven Kühtz stellten die geplanten Aktionen vor.

Nienburg - Von Max Brinkmann. Die Stadt Nienburg will jetzt agieren statt nur zu reagieren. Der „Runde Tisch gegen Rassismus und rechte Gewalt“ hat sich dazu einiges einfallen lassen – obwohl der Stadt gerade kein Antrag für eine Demonstration von Neonazis vorliegt. Mit den Aktionen sollen die Nazis aus Nienburg ferngehalten werden.

In den nächsten Tagen geht bei vielen Nienburger Bürgern per Post ein Aufruf zur Spende ein. Gespendet werden kann entweder für das Projekt „ex-it Tattooentfernung“ der Initiative EXIT-Deutschland (sie entfernt kostenlos Tattoos mit rechtsextremistischen Symbolen) oder den Elisabeth-Weinberg-Preis Nienburg. Das Geld verwaltet der „Runde Tisch gegen Rassismus und rechte Gewalt“.

Der Clou an der Sache ist, dass „pro Minute“ gespendet werden soll. Beispiel: Bei der möglichen nächsten Demonstration halten sich die Neonazis 60 Minuten in Nienburg auf. Für jede Minute werden 10 Euro gespendet, also kommen durch den Aufmarsch 600 Euro für den guten Zweck zusammen. Die Neonazis laufen quasi gegen sich selbst – deshalb auch das Motto „Der unfreiwillige Spendenlauf – Maschieren und spendieren“. Je länger sie bleiben, desto mehr Spenden werden freigegeben.

Neonazis laufen gegen sich selbst

„Im besten Fall kommen die Rechtsextremen gar nicht mehr in unsere Stadt“, sagt Sven Kühtz. Auch Vereine sollen mit eingebunden werden und an der Demonstrationsstrecke verschiedene Aktionen starten. „Das Ziel ist, dass solche Aufmärsche möglichst wenig Aufmerksamkeit bekommen“, so Kühtz. Übrigens, wenn es in den nächsten zwei Jahren zu keinem rechtsextremen Aufmarsch mehr kommt, wird die Spende für den angegebenen Zweck verwendet.

Außerdem gibt es ab sofort bunte Plakate und Wimpel mit der Aufschrift „100 Prozent Menschenwürde – Zusammen gegen Rassismus“. Die Bürger werden im Anschreiben dazu aufgefordert, sie an bestimmten Terminen und eben zu den rechtsextremen Demos aufzuhängen um ein Zeichen zu setzen. „Es soll eine neue Form des Widerstands gegen Rechts sein: die Stadt bunt machen“, erläutert Kühtz.

Erstmals am 9. November

„Diese Aktionen sind wichtig aber nicht anlassbezogen“, erklärt Ulrike Kassube vom Runden Tisch. Dennoch stehen bereits einige Termine für die Plakat-Aktion fest: der Gedenktag am 9. November und während der Internationalen Woche gegen Rassismus im März. Bürgermeister Henning Onkes äußerte sich nochmals zu den Vorkommnissen im vergangenen Jahr: „Da wir eine Genehmigungsbehörde sind, befanden wir uns in einer Zwickmühle. Ich finde es gut, dass sich so viele Bürger gegen rechts positionieren. Das Projekt wird auch von der Stadt unterstützt.“

Die Plakate und Flyer sind im Stadtkontor (Kirchplatz 4) zu bekommen. Weitere Informationen zu den Aktionen gibt Sven Kühtz (Tel. 05021/971171).

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