Klimawandel überholt Waldumbau

Borkenkäfer macht der Forstwirtschaft große Probleme

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Diese kleinen Gänge bohren die Borkenkäfer zwischen Rinde und Holz und unterbrechen damit die Wasser- und Nährstoffversorgung der Fichte.

Liebenau - Von Max Brinkmann. Ein nur drei bis vier Millimeter großer Käfer ist verantwortlich dafür, dass ganze Fichtenwälder absterben und nicht nur der Forstwirtschaft in Nienburg Sorgen bereitet. In Südniedersachsen ist bereits von katastrophalen Zuständen die Rede und die Krise macht auch vor dem Landkreis Nienburg nicht Halt. In den Wäldern lassen sich immer öfter kranke oder abgestorbene Bäume beobachten, die direkt neben kerngesunden Exemplaren stehen. Wie kommt es dazu?

Es begann mit den außergewöhnlich hohen Niederschlägen in der zweiten Jahreshälfte 2017. Die immer wieder vorkommenden Stürme legten den Grundstein für die jetzige Krise, denn die Herbststürme sowie Sturm „Friederike“ im Januar sorgten für viele ausgewurzelte Fichten im Landkreis – sogenanntes „Sturmholz“.

Ideales Terrain für den Borkenkäfer, der sich gern in geschwächte Eichen einnistet und Eier ablegt. Die Gänge die er dabei zwischen der Rinde und dem Holz bauen, unterbrechen die Wasser und Nährstoffversorgung der Bäume und führen somit zum Tod.

Schon im Frühjahr gab es also mehr Borkenkäfer als üblich. Hinzu kam die extreme Trockenheit seit April – die Fichten waren dadurch von selbst geschwächt. Die Borkenkäfer bohrten sich auch in diese Fichten und legten dort ihre Eier ab. Karl-Heinz Dose, Leiter des Forstreviers Leese, erklärt: „Dadurch kam es zur Massenvermehrung von Borkenkäfern. Dieses Jahr haben wir drei Generationen, normal sind zwei.“

Wenn der Borkenkäfer sichtbar wird, ist es schon zu spät

Ein Problem ist, dass der Befall von außen nicht direkt erkennbar ist. Erst wenn die Baumkrone braun wird, wissen die Förster: Dort sind Borkenkäfer am Werk. „In den letzten drei Wochen sind gut 300 Fichten befallen worden. Es wurde von einen auf den anderen Tag sichtbar“, berichtet Dose.

Und wenn der Borkenkäfer im Baum ist, ist es schon zu spät: Er muss gefällt und ins Sägewerk gebracht werden. So entsteht außerdem ein enormer finanzieller Schaden. Durch den Überschuss fällt der Holzpreis, aber es kostet auch eine Menge Ressourcen, die vielen toten Fichten zu fällen. „Um mit dem Problem schneller fertig zu werden, bräuchten wir viel mehr Förster, aber es mangelt an Nachwuchs“, bedauert Dose.

Präventiv kann gegen den Borkenkäfer übrigens nichts getan werden. Weder können die gesunden Fichten besprüht noch irgendwie anders geschützt werden. Das Ziel der Borkenkäferbekämpfung ist deshalb die rechtzeitige Verminderung der Zahl ausschlüpfender Jungkäfer sowie die Verringerung des Neubefalls und der Zahl der im Bodenstreu überwinternder Käfer. Für Rainer Städing, regionaler Pressesprecher der Landesforsten steht fest: „Das ist das Jahr, in dem der Klimawandel den Waldumbau überholt hat.“

Wer einen Privatwald besitzt und sich genauer zum Borkenkäfer beraten lassen möchte, kann das bei dem zuständigen Forstamt tun.

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