Szenische Präsentation, Ausstellungseröffnung und Andacht

Nienburg erinnert an Befreiung von Auschwitz vor 75 Jahren

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Auch In Nienburg erinnern das ganze Jahr Stolpersteine an die Judenverfolgung. 

Nienburg- Der Arbeitskreis Gedenken erinnert mit einer Reihe an Veranstaltungen an die historischen Ereignisse vor 75 Jahren. 

Es waren Rotarmisten einer Infanterie-Einheit der 1. Ukrainischen Front, die am 27. Januar 1945 zunächst das Auschwitzer Hauptlager Monowitz, danach das Stammlager Auschwitz und schließlich das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau erreichten. Etwa 8000 entkräftete und todkranke Menschen fanden die Befreier insgesamt in den drei Lagern vor, darunter 4000 Frauen und viele Kinder. Unversorgt, ohne Nahrung und Medikamente hatte die Lager-SS die Häftlinge zurückgelassen, während sie 60 000 überlebende Auschwitzinsassen auf die so genannten Todesmärsche nach Westen trieb. Rund eine Million Kleidungsstücke, 45 000 Paar Schuhe und sieben Tonnen Menschenhaar zeugten von den Gräueltaten, die im Lagerkomplex Auschwitz rund 1,5 Millionen Menschen das Leben gekostet hatten.

Erinnerung an zwei historische Ereignisse

Im Jahr 2020 blickt Deutschland auf zwei historische Ereignisse vor 75 Jahren zurück: die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz und das Ende der nationalsozialistischen Diktatur im Mai. Das berichtet die Stadt Nienburg/Weser in einer Pressemitteilung. 

Der 27. Januar und der 8. Mai des Jahres 1945 seien damit zu den wichtigsten Daten der Wiedergeburt der Demokratie auf deutschem Boden nach der gescheiterten Weimarer Republik geworden. 

Die Sonne geht hinter dem Tor zum früheren Konzentrationslager Auschwitz I mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei" auf.

Doch der demokratische Rechtsstaat sei nur auf der westlichen Hälfte des Landes aus den Trümmern des „Dritten Reiches“ gewachsen. 45 Jahre später erst vervollständigte ein drittes Ereignis, die Wiedervereinigung 1990, als Ergebnis der friedlichen Revolution in der DDR die historische Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland.

An diese Zusammenhänge erinnert der Arbeitskreis Gedenken 2020 mit einer ganzen Reihe herausragender Veranstaltungen. Die Themenreihe beginnt mit einer szenischen Präsentation und einer Ausstellungseröffnung am Sonntag, 26. Januar 2020, um 11.15 Uhr im Vestibül des Rathauses. 

Ausstellung und szenische Präsentation im Nienburger Rathaus 

Beide Veranstaltungsteile befassen sich intensiv mit der Verfolgungsgeschichte des NS-Regimes bis hin zur massenhaften Tötung von Juden, Sinti und Roma und anderen Gruppen, die vom rassistischen und gleichgeschalteten Menschenbild der Nazi-Ideologie abwichen.

„Ach Warschau...“ ist die szenische Präsentation überschrieben, die Schülerinnen und Schüler derAG „Für den Frieden“ der Kooperativen Gesamtschule Rastede zum Gedenken an den 27. Januar erarbeitet haben.  

Warschau steht in ihrer Darstellung stellvertretend für 1100 Ghettos, rund 1000 KZs und sieben Vernichtungslager, in denen die Ermordung von Millionen Menschen von SS, Polizei und Wehrmacht vorbereitet und durchgeführt wurde. Nicht, dass sich die Opfer ohne Gegenwehr in ihr Schicksal ergeben hätten. 

In Lodz, Krakau oder Warschau, in Dachau, Buchenwald und selbst in Auschwitz und Treblinka wehrten sich Juden, Sinti und Roma oder politische Häftlinge immer wieder gegen die übermächtigen NS-Schergen. Auch diese gern verschwiegene oder gar geleugnete Tatsache wollen die Jugendlichen aus Rastede vor dem Vergessen bewahren.

Schon zum 12. Mal in Nienburg: Die AG „Für den Frieden“ aus Rastede, das Foto zeigt die Präsentation „Ach Warschau…“ mit musikalischer Begleitung in der vollbesetzten Aula der Rasteder Schule.

Die Ausstellung „Der gelbe Stern“ bietet mit einprägsamen, oft bestürzenden Bildern den historischen Hintergrund zu der Präsentation. „Einmal muss das Entsetzen uns erreichen – sonst gibt es kein Weiter!“ ist das Motto, unter das die Friedensbibliothek Berlin die Bild- und Textcollagen gestellt hat.

Sie führen den Betrachtenden durch den grausamen Weg der Judenverfolgung in Deutschland vom Beginn des 20. Jahrhunderts über den Ersten Weltkrieg und die Weimarer Zeit bis hin zu den Pogromen, Deportationen und Mordaktionen von 1938 bis 1945. Die Friedensbibliothek Berlin ist eine Einrichtung der Evangelischen Kirche Berin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, deren Anfänge auf regimekritische Initiativen in der DDR-Zeit zurückgehen. 

Heute widmet die Gruppe ihr Engagement mit Wanderausstellungen in ganz Deutschland und Österreich dem Kampf gegen Rechtsextremismus und Wiederaufkommen „völkischen“ Gedankenguts.

Musikalisch begleitet wird die Matinee im Rathaus von Sascha Jasarevic, einem Roma-Geiger aus dem ehemaligen Jugoslawien. Der Eintritt ist frei. 

Interreligiöse Andacht auf Jüdischem Friedhof 

An die Befreiung von Auschwitz vor 75 Jahren erinnert der Arbeitskreis Gedenken der Stadt Nienburg am kommenden Montag, 27. Januar, mit einer interreligiösen Andacht auf dem Jüdischen Friedhof an der Bruchstraße. 

Geleitet wird sie von Superintendent Martin Lechler für die Kirchengemeinde Sankt Martin. Antonia Kleinert und Thomas Gatter werden für die Stadt Nienburg/Weser und ihren Arbeitskreis Gedenken einen Kranz niederlegen, darüber hinaus wird der Vorsitzende des Arbeitskreises einige jüdische Gebete sprechen. Die öffentliche Andacht beginnt um 15 Uhr.

Wie in jedem Jahr findet am Abend des 27. Januar an der Erinnerungstafel der Jüdischen Gemeinde am Rathaus einGedenkritual statt. Dem besonderen Anlass des 75. Gedenkens an die Befreiung von Auschwitz angemessen, wünschen sich die Arbeitskreismitglieder in diesem Jahr besonders viele Blumen an der Gedenkstätte. 

Sie stellen deshalb wieder Blumen für die Teilnehmenden bereit, rufen aber zugleich dazu auf, selbst Blumen für das Ritual mitzubringen. Die Feierstunde im Hof des Rathauses beginnt um 18 Uhr.

Jahr des Gedenkens


„2020 ist ein besonderes Jahr“, teilt der Arbeitskreis Gedenken mit. „Wir begehen jetzt im Januar 75 Jahre der Befreiung vom NS-Terror, für den Auschwitz das überragende Symbol ist, dann das zweite Datum der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai. 

Und im Herbst folgt dann die Erinnerung an die Geburtsstunde der gesamtdeutschen Demokratie mit der Wiedervereinigung vor dreißig Jahren.“ 

Der Arbeitskreis weist schon jetzt darauf hin, dass für den8. Mai 2020 die Einweihung der neu gestalteten Zentralen Gedenkstätte am Weserwall und für den 3. Oktober eine umfangreiche Ausstellung über die friedliche Revolution in der DDR geplant ist.

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