Vom Geld ausgeben und Geld verdienen

Frauenflohmarkt dient als Plattform für Anliegen des „Equal Pay Day“

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An einem Aktionsstand informierten Laura-Marie Wörner, Petra Knake, Annlis Schoeps und Petra Bauer (v.l.) über die Ziele und Forderungen des „Equal Pay Days“.

Nienburg - Von Maren Hustedt. Einfach mal „Fünfe gerade sein lassen“ und hemmungslos shoppen – oder doch lieber Preise vergleichen und kalkulieren? Wie auch immer die persönliche Vorgehensweise war, beim zweiten „Frauen*flohmarkt“, der am Wochenende im Vestibül des Nienburger Rathauses stattfand, alle Frauen kamen auf ihre sprichwörtlichen Kosten.

Vom jahreszeitlich passenden Schuhwerk über Kleidung in allen Größen bis hin zu Schmuck und Lesestoff konnten die Besucherinnen nach Herzenslust stöbern, feilschen und einkaufen.

Diese Plattform, auf der Frauen – vielfach im berufstätigen Alter – in ruhiger Atmosphäre zusammen kamen, nutzten vier Akteurinnen in gemeinsamer Mission, um über die Inhalte und Ziele des „Equal Pay Day“ vom 18. März zu informieren. „Wichtiger als das Datum ist uns der passende Rahmen, um miteinander ins Gespräch zu kommen“, erklärte Petra Bauer, Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Nienburg. „Hier haben die Frauen Zeit und Ruhe, sich mit diesem wichtigen Thema zu beschäftigen und ihre eigene Situation zu reflektieren.“

Am gemeinsamen Aktionsstand informierten auch Petra Knake (SoVD Hoya), Annlis Schoeps (Ortsverband Verdi Nienburg) und Laura-Marie Wörner (DGB Kreisverband Nienburg) über die aktuelle Gehaltsverteilung in Deutschland. 21 Prozent betrage die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern derzeit – bei gleicher Qualifikation, berichtete Laura-Marie Wörner. „Warum das so ist, ist für mich unverständlich und vor allem ungerechtfertigt.“ Die entstehende Lohnlücke bewirke, dass Frauen rein rechnerisch bis zum 18. März des Jahres „umsonst“ gearbeitet haben und verweise Deutschland im europäischen Vergleich auf einen der letzten Plätze.

An rund 30 Flohmarktständen gingen die Frauen im Vestibül des Nienburger Rathauses auf Schnäppchensuche.

Gemeinsam gaben die Akteurinnen Handlungsempfehlungen heraus, um diesem Missstand entgegenzuwirken. Danach möchten Frauen und Männer Beruf und Familienaufgaben zwar partnerschaftlich teilen, doch seien es immernoch die Frauen, die häufig zurücksteckten, ohne im Blick zu haben, welche Auswirkungen dies auf ihr späteres finanzielles Auskommen – zum Beispiel ihre Rente – habe. 

„In dieser Beziehung bewegt sich aktuell leider gar nichts“, gab Petra Knake vom SoVD zu bedenken und appellierte: „Wir müssen unbedingt weiter für unsere Rechte einstehen, damit wir keine Rückschritte machen.“ Von der Aufwertung so genannter Frauenberufe über familienfreundlichere Arbeitszeitmodelle bis hin zur frühzeitigen Aufklärung junger Frauen und Männer über die Alterssicherung reichen die genannten Forderungen. Auch ermutigten die anwesenden Akteurinnen die Frauen, in politischen Ämtern aktiv zu werden, um für ihre Rechte zu kämpfen.

Um die Missstände be-„greifbar“ zu machen, verteilten sie verschiedene Flyer – zum Beispiel in Form von 100-Euro-Scheinen, auf denen eine 79, - (minus 21 Prozent) prangte und nannten anschauliche Beispiele: So verdiene ein männlicher Hotelfachmann im Durchschnitt 872 Euro mehr im Monat als seine Kollegin mit denselben Aufgaben. Bei Verwaltungsangestellten seien es 472 Euro und bei hochbezahlten Piloten sogar 3183 Euro Differenz zwischen den Geschlechtern. 

Auch die Fragen des Gleichstellungs-Quizes stießen auf großes Interesse bei den Flohmarkt-Besucherinnen und -Besuchern. Erstaunt waren viele über die Information, dass Frauen erst 1977 überhaupt eine Arbeitsstelle annehmen durften, ohne vorher ihren Mann um Erlaubnis zu fragen. Und auch die Aufteilung der Hausarbeit – wenn beide Ehepartner voll erwerbstätig sind – gab Anlass für Diskussionen: 65 Prozent würden von Frauen erledigt, während Männer – statistisch gesehen – nur 35 Prozent der täglich anfallenden Arbeit Zuhause erledigten.

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