Angeklagter völlig überrascht

Gericht spricht 31-Jährigen frei

Nienburg - Von Andreas Wetzel. In 16 Fällen sollte ein 31-jähriger Nienburger Waren wie Handtaschen, Kinderbekleidung und eine goldene Uhr über Internetplattformen verkauft, nach Erhalt des Geldes aber die Gegenstände entweder gar nicht oder minderwertige Ware verschickt haben.

Den Sachschaden beziffert die Staatsanwaltschaft mit rund 2 000 Euro. Vor dem Schöffengericht Nienburg konnte ihm der Betrug jedoch nicht nachgewiesen werden. Stattdessen rückte seine ehemalige Freundin in den Fokus der Ermittlungen. Der 31-Jährige wurde freigesprochen.

Die Käufer hatten laut Anklageschrift Anzeige erstattet, da die Verkäufe nicht über den wirklichen Namen des Angeklagten abgewickelt worden waren, sondern über Spitz- und Verkaufsnamen. Das machte eine Ermittlung des Kontoinhabers bei der Bank notwendig. Die Ermittler vermuten, dass eine an den 31-Jährigen verschickte Vorladung von dessen damaliger Freundin abgefangen wurde. Sie habe bei der Polizei angerufen und mitgeteilt, dass ihr Freund aus unterschiedlichsten Gründen nicht zur Vernehmung erscheinen könne. 

Ermittlungsverfahren gegen die ehemalige Freundin

Auch die Vorladung zu einer umfangreicheren Vernehmung im Frühjahr dieses Jahres soll die Frau unterschlagen haben. Der Polizei hatte sie gesagt, ihr Freund sei zu einem Trauerfall nach Polen gefahren und würde mindestens ein Vierteljahr dort bleiben. Das Amtsgericht Nienburg erließ daraufhin einen Haftbefehl. Nach seiner Festnahme habe der Angeklagte zum ersten Mal gehört, was ihm zur Last gelegt wurde, und sei aus allen Wolken gefallen, hieß es in der Verhandlung.

Zu den Vorwürfen befragt, versicherte er, mit den Verkäufen nichts zu tun zu haben. Vor Gericht konnte er seine Aussage durch verschiedene Umstände belegen. So stimmt die Handschrift auf den Postetiketten nicht mit seiner überein, ähnelt aber der seiner damaligen Freundin. Das Gericht fragte, ob ihm nicht aufgefallen sei, dass Geldeingänge auf seinem Konto zu verzeichnen waren. Es seien zu der Zeit unzählige Geschäfte über sein Konto abgewickelt worden, daher habe er keinen Verdacht geschöpft, antwortete der Angeklagte. Daher sprach das Gericht den Angeklagten frei. Die Staatsanwaltschaft Verden hat unterdessen ein Ermittlungsverfahren gegen die ehemalige Freundin eingeleitet, die bereits mehrfach einschlägig in Erscheinung getreten ist.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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