Das vergessene Hotel

Hotelprojekt am Wesavi in der Dauerwarteschleife

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In direkter Nachbarschaft: Das Wesavi und der geplante Hotelstandort, an dem sich das ehemalige Militärhospital befindet.

Nienburg - Von Leif Rullhusen. Wenn alles nach Plan gelaufen wäre, könnten Gäste dort schon längst geruhsame Nächte verbringen, sich kulinarische Köstlichkeiten schmecken lassen oder unvergessliche Feiern erleben. Direkt neben dem Wesavi im Bereich des ehemaligen Militärhospitals hätte Nienburgs neues Hotel entstehen sollen. Geschehen ist bislang nichts – seit Jahren nicht.

Dabei waren die Planungen vielversprechend: Ein Vier-Sterne-Haus mit 80 bis 100 Zimmern, Tagungsräumen und entsprechendem gastronomischem Angebot. Genug Platz, um auch komplette Busreisegesellschaften zu beherbergen. Die Rede war von einer Neun-Millionen-Euro-Investition.

Konkretisiert hatte sich die Idee zum Bau eines solchen modernen und entsprechend großen Hauses mit den Planungen zum Bau des neuen Schwimmbades. Synergieeffekte sollte es zwischen Wesavi und dem Hotel geben – sie sollten sich gegenseitig Besucher zuspielen. Die Planungen sahen einen sogenannten Bademantelgang als Verbindung vor, damit die Hotelgäste bequem, trockenen Fußes und auch im Winter bei angenehmen Temperaturen ins Wesavi gelangen.

Erste Entwürfe bereits 2013

Die Pläne für das Hotel sind bereits über drei Jahre alt. Rechts im Bild ist der sogenannte Bademantelgang zum Wesiavi zu sehen.

Die Realisierung des Wesavi dauerte ewig, doch selbst die Badelandschaft ist seit knapp zwei Jahren fertig und lädt zum Sprung ins kühle Nass ein. Allerdings keine benachbarten Hotelgäste. Denn ein Hotel gibt es dort nicht und wird es in naher Zukunft auch nicht geben. Selbst die Pläne dazu sind in weite Ferne gerückt. Vor Jahren schien der Bau sehr viel realistischer als gegenwärtig.

Es gab erste Entwürfe, die entsprechenden bebauungsrechtlichen Voraussetzungen durchliefen die politischen Gremien erfolgreich. Bereits im Dezember 2013 stimmte der Stadtrat einer entsprechenden Flächennutzungsplanänderung mit großer Mehrheit zu. Und mit dem Bremer Unternehmer Rolf Specht gab es sogar einen Investoren.

„Das Projekt ruht“

Das war im Jahr 2013. Die Suche nach einem Betreiber – ein erster Interessent sprang ab – zog sich allerdings. Sie zog sich über Jahre, bis das ganze Hotelprojekt immer mehr in Vergessenheit geriet. Geblieben von den Hotelplanungen sind eigentlich nur verblassende Erinnerungen.

„Das Projekt ruht“, bestätigt Michael Zube vom Fachbereich Wirtschaftsförderung bei der Stadt gegenüber dieser Zeitung. Der Grund sei das Fehlen eines Betreibers. Ob Specht als Investor überhaupt noch zur Verfügung steht, wisse er nicht. Es habe zwischen der Stadt und dem Bremer Unternehmer schon länger keinen Kontakt mehr gegeben. Rolf Specht bestätigte auf Anfrage des Blickpunktes allerdings unmissverständlich, dass er nach wie vor als Investor für das Hotelprojekt bereit stehe. Die Stadt Nienburg müsste sich nur bei ihm melden.

Stadt hat keine Bettkapazitäten

So bleibt trotz eines interessierten und solventen Geldgebers das Problem mangelnder Übernachtungsmöglichkeiten in Nienburg akut. Es fehlt weiterhin ein Haus, das auch mal ganze Busreisegesellschaften unterbringen kann und so bleiben auch die beim Bau des Wesavi mit dem Hotel eingeplanten Synergieeffekte aus. Die könnte das Bad gut gebrauchen. Dessen Besucherzahlen hängen nämlich deutlich hinter den Erwartungen her.

Die Stadt könnte darüber hinaus die zusätzlichen Bettenkapazitäten sehr gut gebrauchen. „Uns gehen im Jahr zwischen 4.500 und 5.000 Übernachtungen verloren“, erklärte Nienburgs damaliger Wirtschaftsförderer Walter Meinders im Januar 2013 gegenüber dem Blickpunkt im Zusammenhang mit den Hotelplänen. In Nienburg gebe es einen außerordentlichen Nachholbedarf im Hotelsektor.

Die Situation hat sich im verstrichenen Zeitraum nicht entspannt. Im Gegenteil. Die Übernachtungszahlen in der Region steigen kontinuierlich. Immer häufiger müssen Touristen oder Geschäftsleute deshalb aufs Umland ausweichen. Das sind nicht zuletzt Gewerbesteuereinnahmen, die der finanziell klammen Stadt durch die Finger rinnen.

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