Grundstück kaufen von Bahn – ist nicht einfach

Keine neuen Parkplätze:  Wirtschaftsbetriebe wollten Pendler entlasten

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Das Gelände bleibt wohl erstmal leer. 

Nienburg - Die Wirtschaftsbetriebe der Stadt wollten eine rund 7200 Quadratmeter große Gewerbebrache am Bahnhof kaufen und dort 150 zusätzliche Stellplätze für Pendler schaffen. Angeboten wurde das Grundstück vom Eisenbahn-Vermögensamt. Doch der Deal ist geplatzt.

In Rede stand eine nördlich ans Parkhaus angrenzende Fläche östlich der Verdener Straße. Auf Nachfrage bestätigt Thomas Hesse, Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Stadt Nienburg GmbH, entsprechende Verhandlungen mit dem Vermögensamt. „Die Fläche ist für uns ideal“, sagt Hesse. „Es wäre ohne weiteres möglich gewesen, wenigstens 150 Stellplätze zu schaffen, dabei das historische Pflaster zu erhalten und die unansehnliche Brache städtebaulich aufzuwerten.“ 

Profitiert hätten demnach nicht nur Bahnpendler, sondern – über mehr Fahrgäste - auch die Bahn selbst, ist Thomas Hesse überzeugt: „Und vom Gewinn für die Umwelt ganz zu schweigen hätte die Bahn ein ungenutztes Grundstück verkaufen können.“

Ziel: Entlastung der Bahnkunden

Hätte – denn dazu kommt es nicht. Um nämlich das Projekt zu vertretbaren Kosten realisieren zu können, beantragten die Wirtschaftsbetriebe Fördermittel bei der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachen. Das ist nicht so nebenbei erledigt; man braucht Berechnungen, Pläne, belastbare Prognosen. „Uns geht es nicht darum, mit dem Parkhaus am Bahnhof Geld zu verdienen“, stellt Hesse klar. „Bei 18 Euro im Monat für einen Stellplatz schaffen wir gerade einmal eine ,schwarze Null‘. Die zusätzlichen Plätze hätten wir auch günstig angeboten. Uns ging es um die Entlastung der Bahnkunden beim Parksuchverkehr.“ Doch die Landesnahverkehrsgesellschaft kam bei ihren Berechnungen nur auf einen Bedarf von 50 zusätzlichen Stellplätzen – eine Zahl, die Thomas Hesse „nicht nachvollziehen“ kann.

Hier werden keine Pendler parken. 

Entsprechend wären auch lediglich 50 Plätze gefördert worden. Und das auch nur vielleicht – es ging ja zunächst um einen Antrag – und nur, wenn die Wirtschaftsbetriebe noch einmal rund 10.000 Euro für ein Verkehrswertgutachten und qualifizierte Planungsunterlagen investiert hätten.

Doch nicht nur die für Fördermittel zuständige Stelle erwies sich als wenig hilfreich für das Parkplatz-Projekt. Wie Thomas Hesse bestätigt, forderte das Eisenbahn-Vermögensamt als Verkäufer mit Blick auf mögliche Altlasten im Boden eine umfassende Freistellungserklärung. „Das Risiko können und wollen wir nicht tragen – wir wissen nicht, was da im Boden wartet“, erklärt Hesse. Dass seine Bedenken nicht aus der Luft gegriffen sind, belegt der Chef der Wirtschaftsbetriebe mit dem Verweis auf ein von seinem Unternehmen in Auftrag gegebenes Gutachten zu möglichen Altlasten. Das kommt – im Vergleich zum Kauf eines unbelasteten Grundstücks - zu Mehrkosten im sechsstelligen Bereich.

Nienburg: Drei Jahre um Parkplätze verhandelt

Insgesamt zogen sich die Verkaufsverhandlungen gut drei Jahre hin. Dass das Geschäft am Ende platzt, ist, bestätigt Thomas Hesse, „ärgerlich für die Pendler, für die Umwelt, für die Stadt und für die Bahn selbst“, der es aber wohl nicht so drauf ankomme: „Für mich offenbart diese Geschichte eine Unwucht im System“, meint der Geschäftsführer. „Man kann ein kleines kommunales Unternehmen, dass in einem Mittelzentrum für das Stellplatzmanagement zuständig ist und eine unattraktive Brache kaufen will, nicht wie einen Konzern behandeln, der sich ein A-1-Grundstück zulegt, um damit viel Geld zu verdienen.“

Ungefähre Ortsangabe

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