Dem Zeitfresser ein Schnippchen schlagen

Koordinierungsstelle „frau+wirtschaft“ informiert über Zeitmanagement

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Susanne Möllmann (l.) und Luise Friederike Schäfer stellen sich dem Zeitfresser-Monster.

Nienburg - Von Maren Hustedt. Es sieht zwar ganz niedlich aus, das Zeitfresser-Monster, das Susanne Möllmann gezeichnet hat, aber es steht für ein ernstes Thema: Zeitmanagement und der Herausforderung, seine täglichen Aufgaben souverän zu bewältigen. Unter dem Titel „Zeitmanagement“ hat Susanne Möllmann, Entspannungs- und Motivationspädagogin mit Praxis in Bruchhausen-Vilsen, in den Räumlichkeiten der Koordinierungsstelle im Landkreis Nienburg „frau+wirtschaft“ einen informativen Workshop gestaltet.

„Was ist überhaupt Zeit“, fragte sie die Teilnehmerinnen zu Beginn der geselligen Gesprächs- und Informationsrunde und erhielt ganz unterschiedliche Antworten wie: Zeit wird durch die Uhr getaktet oder Zeit ist relativ, je nachdem wie ich sie nutze. 

Dass einem Kind, welches auf den Weihnachtsmann wartet, eine halbe Stunde Zeit länger vorkommt als der berufstätigen Hausfrau und Mutter, die zwischen zwei Terminen eben noch schnell den Wocheneinkauf erledigt, war in der Teilnehmerinnen-Gruppe unbestritten. Es kommt also auf die individuelle Sichtweise an, wie wir Zeit wahrnehmen und nutzen, lautetet die gemeinsame Quintessenz.

„Zeit ist das, was Untätige haben und Fleißige dauernd brauchen“, definierte Pädagogin Möllmann, bevor sie die Frauen nach ihren individuelle Lebenssituationen befragte. Diese waren erwartungsgemäß sehr verschieden: Während die eine Teilnehmerin sich zwischen Arzt-, Behördenterminen und Wohnungssuche zu teilen versuchte, meinte die andere sowohl beruflich als auch privat, der Zeit hinterher zu rennen. 

„Ich arbeite selbstständig und habe das Gefühl, das nicht mehr lange durchzuhalten“, äußerte die nächste. Von halb- auf ganztags zu arbeiten oder einfach besser durch das terminliche Chaos zu blicken, waren Anliegen, die von den Teilnehmerinnen vorgetragen wurden.

Managerkrankheiten

Um den Weg aus der Zeitfalle heraus zu beschreiten und die dafür nötige Motivation zu vermitteln, erarbeitete Susanne Möllmann mit den Teilnehmerinnen die gesundheitlichen Risiken von Dauerstress wie Burnout und Depression. „Der Körper gewöhnt sich an den Stress und fordert ihn schließlich sogar“, gab die Fachfrau zu bedenken. 

Am Ende der Spirale stehe häufig der totale Zusammenbruch – „nicht nur bei Spitzenmanagern“. Um dem vorzubeugen, sollten gerade Frauen, die gleichzeitig von Familie und Beruf gefordert würden, es mit der Weisheit von Till Eulenspiegel halten: „Wenn du es eilig hast, geh langsam.“ Eilige machten mehr Fehler, erklärte die Workshopleiterin und warnte gleichzeitig vor der „Hurry Sickness Krankheit“. 

Diese typische „Managerkrankheit“ betreffe auch immer mehr Frauen, gilt als Vorstufe des Burnout und kennzeichnet den Druck, ständig mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Bei der anschließenden Abfrage der Symptome beurteilten sich tatsächlich einige Frauen als gefährdet für dieses Phänomen. 

Um so wichtiger war der Teil des Seminars, in dem die Teilnehmerinnen handfeste Tipps zur Optimierung ihres persönlichen Zeitmanagements erhielten. Dazu gehört zum Beispiel, Zeiträuber zu entlarven, Pufferzeiten einzuplanen, Fahrzeiten zu Terminen zu berücksichtigen, Aufgaben zu delegieren und die Ansprüche an die eigene Perfektion zu überdenken.

An erster Stelle

Bei der Erstellung einer Prioritätenliste zur Einordnung der eigenen Aufgaben dachte keine der Frauen daran, sich selbst in die wichtigste Spalte einzutragen. Ob der Umgang mit dem Handy als Zeitfresser einzustufen sei oder dazu diene mittels kurzer Nachrichten sogar Zeit einzusparen, hänge von dem individuellen Gebrauch und der Einstellung der Nutzerin ab, vermittelte Susanne Möllmann. 

„An erster Stelle im Zeitmanagement steht ihr“, betonte Susanne Möllmann. Die Teilnehmerinnen lernten die „stille Stunde“ kennen, in der sie sich aus der Kommunikationsflut zurückziehen können und erfuhren, dass es mit dem Eustress – auch Flow genannt – sogar positiven Stress gibt.

In einer kurzen Pause tauschten sich die Teilnehmerinnen angeregt aus, teilten Erfahrungen und gaben sich gegenseitig Tipps. Luise Friederike Schäfer von der Koordinierungsstelle „frau+wirtschaft“ wies darauf hin, dass die Koordinierungsstelle gerade für Berufswiedereinsteigerinnen und Frauen, die sich beruflich umorientieren wollen, für das kommende Jahr wieder ein umfangreiches Seminarangebot gestaltet. Die darin angebotenen Workshops werden Dank der Förderung durch EU, Landkreis und fast allen Samtgemeinden, überwiegend kostenlos angeboten.

Darüber hinaus bietet Katrin Fedler in der Koordinierungsstelle individuelle Beratungen für Frauen in Einzelgesprächen an. Das aktuelle Programm der Koordinierungsstelle und Infos zu den Projekten finden interessierte Frauen unter www.frau-und-wirtschaft-ni.de.

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