Rüffel vom Richter

Nienburg: Neue Hinweise im Anglerprozess

Verden/Nienburg - Von Wibke Bruns. In dem Verdener Landgerichtsprozess um den 35 Jahre zurückliegenden Mord an dem Angler Wilhelm Rettberg können sich manche Zeugen nicht mehr erinnern oder leben gar nicht mehr.

Ein weiteres Problem ist die Frage, wie der schon damals verdächtige Angeklagte seinerzeit belehrt worden ist. Hier könnte ein ehemaliger Kriminalhauptkommissar dem Gericht einen entscheidenen Schritt weitergeholfen haben, nachdem er sich erstmal rüffeln lassen musste.

„1984 war ich noch Student“, begann der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk freundlich seine Befragung und betonte, dass er als Richter noch nie einen Fall aufzuklären hatte, der 35 Jahre zurückliegt. Der Zeuge war 1984 bereits in der seinerzeit gegründeten Mordkommission tätig und konnte sich noch gut erinnern, dass er damals mehrfach mit dem Angeklagten zu tun hatte. Es ging um Eigentumsdelikte, aber auch den Mord. Dabei habe der Hund des Angeklagten eine Rolle gespielt.

Geschildert habe ihm der Angeklagte damals folgendes: In der Tatnacht sei er in verschiedenen Lokalen in Nienburg gewesen und dann mit seinem Hund gegangen. Ganz in der Nähe des späteren Fundortes der Leiche will der Angeklagte den Vierbeiner frei laufen lassen haben. Er habe Schreie gehört und Personen seien dann mit zwei Autos, die beim Finanzamt geparkt hätten, weggefahren. Darunter ein roter Mercedes, den man danach noch versucht habe zu ermitteln, berichtete der pensionierte Kriminalhauptkommissar.

„Aber niemand hat den Hund gesehen“, merkte der 74-Jährige an und berichtete von 1 000 Eigentumsdelikten, derer der Angeklagten damals auch verdächtigt war. Darunter diverse Fahrraddiebstähle. „Weil es in der Taxe immer ein Problem gewesen sei mit dem Hund, habe er sich immer ein Fahrrad genommen“, erinnerte sich der Zeuge. Gewohnt habe der Angeklagte zum Tatzeitpunkt in Steimbke oder Stöckse. Der Vorsitzende hielt dem Zeugen eine Vernehmung vor, bei der der Angeklagte als Verdächtiger bei Schmuck-Diebstählen und als Zeuge im Mordfall belehrt worden sei. In einer anderen Vernehmung sei der heute 55-Jährige als Zeuge und dessen Bruder als Verdächtiger bezeichnet worden.

Verhandlungstage reichen nicht aus

Daraufhin erwähnte der Zeuge, dass er seinerzeit ein gesondertes Blatt zu der Belehrung erstellt habe. „Ich habe schon gehört, dass es Probleme mit der Belehrung geben soll“, merkte der Zeuge zum aktuellen Prozess an. Dieses Blatt habe er noch in den alten Akten gesehen als er sich auf seine Aussage vorbereitet habe.

Als sich dieser Belehrungsvermerk auf eine erste Nachfrage bei der Polizei nicht bestätigte, wurde der Zeuge vom Vorsitzenden zu mehr „Bescheidenheit“ ermahnt. Dann kam die Information, dass sich das Blatt doch in der Akte in Nienburg befindet. Ob sich noch mehr in den Akten befindet, was dem Gericht fehlt, blieb unklar.

Fest steht jedoch, dass die ursprünglich anberaumten zwölf Verhandlungstage bis 12. August nicht ausreichen werden. Ab dem 14. August wird auf unbestimmte Zeit immer mittwochs verhandelt. Unklar ist aber weiterhin, ob wichtige Zeugen aus Kanada anreisen werden. Diese wurden für Ende September geladen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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