Werbegemeinschaft fordert mehr von Politik und Stadt

Nienburger Geschäftswelt zukunftsfähig machen

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Im Rahmen des Nienburger Frühjahrsmarktes ist auch in diesem Jahr der verkaufsoffene Sonntag gesichert.

Nienburg - Von Johanna Müller. Der Unmut einiger Mitglieder hat die Jahresversammlung der Nienburger Werbegemeinschaft „Nienburg Service“ überschattet. Auslöser war unter anderem die angekündigte Schließung einer Filiale der Drogeriekette „dm“ an der Langen Straße.

Der Vorsitzende Jörg Kolossa hatte in seiner Ansprache von der bevorstehenden Schließung berichtet. Schnell wurde klar: Diese Maßnahme steht symbolisch dafür, welche Sorgen sich die Kaufleute um die Situation in der Innenstadt machen. „Zu den Gründen der Schließung zählt auch, dass es zu wenig Entwicklung gab“, berichtete Kolossa. Der durchschnittliche Einkaufswert sei zu niedrig und kostenfreie Parkplätze würden fehlen, erläuterte er weiter. Daher setze „dm“ künftig auf seine zweite Filiale im Stadtgebiet, die gegenüber dem E-Center an der Verdener Landstraße liegt.

Damit sei das eingetroffen, was die Nienburger Kaufleute bereits mit den ersten Plänen für das Einkaufszentrum im Norden befürchtet hatten. „Wir haben uns damals gegen das E-Center ausgesprochen, weil dort eine Konkurrenz mit ganz anderen Wettbewerbsvorteilen entstehen sollte“, sagte Kolossa. Diese Befürchtungen seien zwar zunächst ernst genommen worden und gemeinsam mit der Stadtverwaltung habe es Ansätze gegeben, um die Innenstadt weiterzuentwickeln. Konkrete Umsetzungen seien jedoch immer wieder geschoben worden. „Mittlerweile ist nichts passiert, außer dass ein paar Fahrradständer aufgestellt wurden“, resümierte Kolossa.

Nienburger Kaufleute suchen Lösungen

Daher brauche die Stadt jetzt dringend einen Schub nach vorne, forderte der Vorsitzende am Montagabend im Wesersaal. Schließlich hätten Kaufleute, Politiker und Verwaltung doch ein gemeinsames Ziel: „Wir alle wollen Nienburg voranbringen und zukunftsfähig machen.“

Damit hat Kolossa bei seinen Kaufmannskollegen einen Nerv getroffen. Doch diese wollen nicht nur darauf warten, dass sich Politik und Verwaltung einig werden und gewisse Entwicklungen anstoßen. „Viele Themen können wir auch in unserem Kreis bewegen“, findet Dieter Saar, der den „Jack Wolskin“-Shop betreibt. Er wünscht sich von einigen Mitgliedern des „Nienburg Service“ mehr Aktivität. Zudem sollte auch das Thema Öffnungszeiten unter den Händlern überdacht werden. Kolossa selbst plädiert seit Jahren dafür, die Öffnungszeiten einheitlicher zu gestalten und besonders den Menschen samstags länger die Möglichkeit zu geben, in Nienburg zu bummeln.

Klare Worte bei Versammlung im Wesersaal

Andreas Kalusche von der gleichnamigen Schlüsselzentrale reicht es allerdings nicht aus, nur auf die eigenen Möglichkeiten zu schauen. Er wünscht sich deutlich mehr Unterstützung von der Stadt und den gewählten Politikern, damit die Innenstadt als Einkaufsmeile wieder interessanter wird. Schließlich stehen die Kaufleute auch in Konkurrenz mit dem Internethandel, der immer weiter wachse. „Ich bin traurig und bekomme Angst“, gab er zu. Daher richtete er sich direkt an den anwesenden Bürgermeister Henning Onkes mit der Aufforderung: „Ich bitte dich Henning, lass uns etwas unternehmen.“

Als Verbesserungsvorschläge regte Kalusche etwa an, wieder über eine Öffnung der Leinstraße sowie der Friedrich-Ludwig-Jahnstraße für den Autoverkehr nachzudenken. Besonders die Erreichbarkeit der Geschäfte sei wichtiger geworden. Daher sind viele Unternehmer auch an kostenfreien Kurzzeitparkplätzen im Innenstadtbereich interessiert. „Warum können wir nicht sonntags freies Parken anbieten? Oder an einem Samstag im Monat?“, fragte Kalusche, während seines emotionalen Statements. Er selbst überlegt bereits, sein Geschäft außerhalb der Fußgängerzone anzusiedeln. Dennoch zeigte er Hoffnung für eine positive Entwicklung in der Altstadt und appellierte an seine Mitstreiter: „Wir können nur eins machen: positiv denken und etwas verändern.“

Von erfolgreichen Aktionen wie offenen Sonntag, dem „Moonlight Shopping“, dem Altstadtfestival oder der Autoschau berichtete am Montagabend Jörg Kolossa im Wesersaal.

Vor welchen Herausforderungen „Nienburg Service“ steht, machten auch die Bemerkungen von Falk-Gerrit Treu deutlich, der gemeinsam mit seiner Frau Bianca das Unternehmen „Elektro Treu“ vertreten hat. Er warf die Frage danach in den Raum, was an der Werbegemeinschaft für Unternehmen wie das seine attraktiv sei. Ihm fehle ein Konzept, welches das gesamte Stadtgebiet miteinbezieht. „Elektro Treu“ sitzt an der Verdener Landstraße und ist damit wie viele andere Mitglieder nicht von der Diskussion um die Fußgängerzone betroffen.

Dessen ist sich auch der Vorstand der Werbegemeinschaft bewusst, der sich in diesem Jahr wieder verstärkt für verkaufsoffene Sonntage einsetzen will – und das für die ganze Stadt. Im vergangenen Jahr sei das nämlich nicht ganz geglückt, erläuterte Kolossa in seinem Jahresbericht. Während des neuaufgelegten Kulturherbstes durften nur Läden in der Innenstadt öffnen, der geplante offene Sonntag „zwischen den Jahren“ entfiel ganz.

Zwei Termine seien für 2019 bereits genehmigt. Zum Frühjahrsmarkt am 7. April sowie zum Altstadtfest am 29. September darf geshoppt werden. Da aber durch die Gesetzeslage und das Engagement der Gewerkschaft Verdi diese Genehmigungen heutzutage deutlich schwieriger seien, brauche die Werbegemeinschaft auch juristisch weiterhin Unterstützung. Häufig müssen Entscheidungen von Gerichten getroffen werden. Davor scheut sich die Werbegemeinschaft nicht – braucht aber auch finanzielle Mittel dafür. Um sich selbst mehr Handlungsspielraum zu schaffen, haben die Mitglieder daher entschieden, den Beitrag um zehn Prozent zu erhöhen.

Dass es damit nicht alle Probleme der Gemeinschaft gelöst werden können, wurde während der Versammlung deutlich. Einig sind sich die Kaufleute etwa darin, dass sie für Autoverkehr zumindest am Rande der Fußgängerzone sind. Daher wollen sie nun weiter im Gespräch bleiben und dieses auch mit der Politik und Verwaltung suchen. So soll gemeinsam nach Lösungen für eine zukunftsfähige Geschäftswelt in Nienburg gesucht werden.

Neue Preise für Heimatkunden

Das beliebte Heimatkunden-Gewinnspiel geht weiter – bekommt allerdings ein neues Konzept. Dieses hat Bettina Menke von der Werbegemeinschaft „Nienburg Service“ ihren Mitstreitern während der Jahresversammlung vorgestellt. Durch monatlich wechselnde Themen, nach denen sich die Preise richten, soll das Gewinnspiel attraktiv bleiben.

Wie bisher erhält jeder Kunde beim Einkauf in einem Heimatkunde-Laden in Nienburg einen Bonusstempel in die dafür vorgesehene Gewinn-Karte. Wer zwölf Stempel gesammelt hat, kann die Karte einfach in einem der Geschäfte abgeben und nimmt somit an der nächsten Verlosung teil. Als Preise gibt es nun jeden Monat jeweils drei Gutscheine über 50 Euro von der Werbegemeinschaft sowie fünf Gutscheine über 20 Euro. Hinzu kommen Saisonpreise, wie etwa Chips für Altstadtfestbecher oder etwas passendes zur Spargelsaison.

Menke hofft, dass sowohl die Händler, als auch die Kunden sich aktiv an der Aktion beteiligen und dabei viel Freude haben.

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