BUND-Antrag im Mai im Fachausschuss für Stadtentwicklung

Auf dem Weg zur „pestizidfreien Kommune“

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Ein Anblick, der immer seltener wird: Die Zahl der Bienen ist in den vergangenen Jahren massiv geschrumpft. Die BUND-Aktion „pestizidfreie Kommunen“ soll den Insekten mehr Nahrung und Lebensraum bringen.

Nienburg - von Leif Rullhusen. Die BUND-Liste wird von Tag zu Tag länger. 460 Städte und Gemeinden in Deutschland verzichten mittlerweile auf den Einsatz von Pestiziden.

Damit hat sich die Zahl der „pestizidfreien Kommunen“ innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Noch immer steht allerdings keine einzige Kommune aus dem Landkreis Nienburg darauf. Das könnte sich bald ändern.

Einen entsprechenden Antrag hatte die Nienburger BUND-Kreisgruppe bereits im vergangenen Juni an die Kreisstadt gerichtet. Der Stadtrat hatte diesen zur Kenntnis genommen und an die Verwaltung weitergereicht. Danach passierte lange Zeit nichts. Nun soll der BUND-Antrag den Weg in die politische Beratung finden. „Wir haben ihn für die Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses im Mai fest eingeplant“, erklärt Nienburgs Chef-Stadtentwickler Michael Brede auf Blickpunkt-Nachfrage. Sollte das Gremium zustimmen, könnte der Stadtrat am 25. Juni den Weg zur „pestizidfreien Kommune“ endgültig ebnen.

Die Zeit drängt durchaus. Verschiedenen Studien zufolge hat die Zahl der Insekten innerhalb von nicht einmal drei Jahrzehnten in Deutschland um 75 Prozent abgenommen. Schrumpfende Lebensräume und extensiver Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln sind daran nicht unbeteiligt. Besonders in der Kritik steht der Einsatz von Glyphosat.

Untätig ist Nienburg in der jüngeren Vergangenheit diesbezüglich allerdings nicht gewesen. Die Kreisstadt setzt schon seit einigen Jahren bei der Bewirtschaftung ihrer Wege und Grünflächen keine Pestizide mehr ein. Stattdessen beseitigen die Mitarbeiter des Baubetriebshofes mit manuellen Geräten unerwünschtes Grün. Diese Maßnahmen reichen allerdings nicht aus, um die BUND-Auszeichnung „pestizidfreie Kommune“ zu erhalten. Diese beinhaltet den Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide auf allen kommunalen Flächen. Das schließt auch Privatunternehmen ein, die öffentliche Flächen pflegen. Bei der Verpachtung kommunaler Flächen für landwirtschaftliche Nutzung muss außerdem der Pachtvertrag ein Verbot von Pestiziden einschließen. Darüber hinaus muss die Stadt insektenfreundliche Blühflächen oder Projekte initiieren sowie ihre Bürger über die Bedeutung von Biodiversität in der Stadt informieren. Zudem muss sie Möglichkeiten zum Schutz von Bestäubern wie Bienen und Wildbienen sowie giftfreie Maßnahmen beim Gärtnern aufzeigen.

Auch in diese Richtung bewegt sich in Nienburg aktuell etwas: Auf Initiative der SPD sicherte Nienburgs Bürgermeister Henning Onkes erst in der Sitzung des Stadtrates am Dienstag zu, kurzfristig 2000 bis 3000 Euro für die Ansaat von Blühstreifen zur Verfügung zu stellen. Und die Jagdgenossenschaft plant gemeinsam mit dem Baubetriebshof der Stadt im Schäferhof eine 8000 Quadratmeter große Blühfläche.

Demnächst könnte mit der Aufnahme in die Liste der „pestizidfreien Kommune“ also der nächste logische Schritt in Richtung Insektenschutz folgen. 460 Kommunen sind ihn bereits gegangen – in der näheren Umgebung unter anderem Hameln, Bückeburg und Celle. Auch Großstädte wie Bremen, Hamburg und Hannover sind schon „pestizidfreie Kommunen“.

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