102 Betten in BBS-Sporthalle

Corona: Nienburg richtet provisorisches Krankenhaus ein

+
DRK-Helfer bereiten die provisorischen Krankenzimmer vor.

Nienburg - von Leif Rullhusen. Der Landkreis Nienburg hat ein Behelfskrankenhaus eingerichtet. Im Corona-Katastrophenfall bietet es Platz für 102 Patienten. 

Sie haben sehr viel Arbeit hineingesteckt. Trotzdem hoffen alle Beteiligten inständig, dass kein einziges Bett des Corona-Behelfskrankenhauses in Nienburg jemals belegt wird. „Wenn wir es in Betrieb nehmen, haben wir katastrophale Verhältnisse“, verdeutlicht Thomas Clausing, Geschäftsführer der Helios Kliniken Mittelweser. Am Donnerstagabend stellten Klinik, Landkreis und das DRK das provisorische Krankenhaus in der BBS-Sporthalle vor. 102 Patienten würde es im Ernstfall Platz bieten.

Die am Aufbau und eventuellen Betrieb Beteiligten stellen das provisorische Krankenhaus vor.

Davon ist der Landkreis Nienburg derzeit weit entfernt. Aktuell gibt es 63 bestätigte COVID-19-Fälle. Davon sind 36 Menschen bereits wieder genesen. Ein Todesopfer hat der Corona-Virus bislang gefordert. Damit liegt die Genesungsrate bei 57,1 Prozent (Stand Freitag, 17. April, 9.47 Uhr). Auch im Nienburger Krankenhaus sind die Zahlen der Corona-Patienten leicht rückläufig. Drei mit dem Virus infizierte Menschen werden dort zur Zeit behandelt.

„Gegenwärtig ist die Lage im Landkreis entspannt“, erklärt der Erste Kreisrat Thomas Klein im Rahmen der Vorstellung. Das könne sich aber schnell ändern. „Dann müssen wir reagieren können.“ Die Zahlen seien beruhigend, dürften aber nicht einschläfernd wirken, mahnt Landrat Detlev Kohlmeier.

Innerhalb von zwei Tagen machten die freiwilligen Helfer aus der BBS-Sporthalle ein Behelfskrankenhaus für 102 Patienten.

Sollte sich die Corona-Lage verschärfen, ist das Behelfskrankenhaus innerhalb einer Woche voll einsatzbereit. Zur Zeit seien die Hälfte der 300 Betten im Nienburger Krankenhaus belegt. „Wenn wir den 251. Patienten im Bett hätten und ein Großteil davon corona-positiv wäre, dann machen wir das Behelfskrankenhaus betriebsfähig“, erläutert Klinikgeschäftsführer Thomas Clausing. Vorgesehen ist es für Patienten mit leichteren COVID- 19-Krankheitsverläufen. „Die schweren Fälle bleiben in der Klinik“, ergänzt Dr. Hans-Georg Wysiecki, Chefarzt der Pneumologie.

Es sei außerdem kein eigenständiges Krankenhaus, sondern eine Erweiterung der Mittelweser-Klinken um drei Stationen. Aufgrund der räumlichen Nähe wurde deshalb als Standort die BBS-Sporthalle ausgewählt. „Das erleichtert im Ernstfall den Transfer von Patienten. Außerdem können wir so auch hier regelmäßig Visiten machen“, erläutert Dr. Wysiecki.

195 Stunden ehrenamtliche Arbeit leisteten allein die DRK-Helfer beim Aufbau.

Das vorhandene ärztliche und pflegerische Personal würde bei der Belegung der drei zusätzlichen Behelfsstationen entsprechend gesteuert, berichtet Clausing. Die Pflegekräfte bekämen dann Unterstützung von der DLRG, dem DRK und denJohannitern. Deren freiwillige Helfer wurden in der vergangenen Woche von der Klinik bereits für diese Tätigkeit geschult. Auch die niedergelassenen Ärzte würden dann mit eingebunden.

Die zusätzlichen Bettenkapazitäten sind nicht Patienten aus dem Landkreis Nienburg vorbehalten. „Wir schließen unsere Grenzen nicht. Selbstverständlich nehmen wir auch Patienten aus Nachbarkreisen auf. Das wäre aber auch im Normalfall so“, macht Landrat Kohlmeier klar. „Wir bieten keine Insellösung an“, ergänzt Dr. Michael Stalp, der Ärztliche Direktor der Mittelweser-Kliniken. Auch die Ärzte der Krankenhäuser arbeiten zusammen und tauschen sich regelmäßig aus.

Die DRK-Ehrenamtlichen Oliver Böhm und Christian Müller in einem der Zweibettzimmer.

Trotz der umfangreichen Vorbereitungen halten sich die Kosten für das Behelfskrankenhaus im Rahmen. Gerade einmal 5000 Euro hat der Landkreis Nienburg bisher ausgegeben. „Wir haben versucht, mit wenig Mitteln das bestmögliche zu erreichen“, erläutert Sandra Schulz, zuständig im Pandemie-Krisenstab für das Behelfskrankenhaus. Wenn dieses in Betrieb gehe, stiegen die Kosten selbstverständlich noch an. 50 000 Euro würden sie aber nicht übersteigen, ist Schulz sich sicher.

Möglich ist dieser geringe Kostenrahmen nur durch sehr viel ehrenamtliches Engagement. Allein die DRK-Helfer haben in der zurückliegenden Woche in den Aufbau 195 Stunden ehrenamtliche Arbeit investiert. Viele gemeinnützige Organisationen hätten ihreHilfe und Spenden angeboten, berichtet Sandra Schulz. Die Betten sind eine Leihgabe aus einer geplanten Hilfslieferung nach Weißrussland, wo sie nun etwas später ankommen werden. Einen Container mit zusätzlichen Sanitäranlagen stellt die Freiwillige Feuerwehr bereit. Nicht nur die Elemente für die Trennwände wurden gespendet.

Landrat Kohlmeier lobt zudem die hervorragende Zusammenarbeit mit den Helios Kliniken Mittelweser. Die sei „reibungslos und unheimlich engagiert“.

Das könnte Sie auch interessieren

Reisen

Food-Trip: Diese Schwarzwaldmädels gehen ihren eigenen Weg

Food-Trip: Diese Schwarzwaldmädels gehen ihren eigenen Weg
Fußball

Leipzig verpasst Platz zwei - Nächste Schalke-Pleite

Leipzig verpasst Platz zwei - Nächste Schalke-Pleite
Karriere

Überraschend: Diese fünf Berufe machen krank

Überraschend: Diese fünf Berufe machen krank
Reisen

Bootsurlaub auf der Mecklenburgischen Seenplatte

Bootsurlaub auf der Mecklenburgischen Seenplatte

Meistgelesene Artikel

Nach Streit und Vandalismus: Umgestaltete „Nazi-Glocke“ wird neu geweiht

Nach Streit und Vandalismus: Umgestaltete „Nazi-Glocke“ wird neu geweiht

Liebenau: Waschmaschine gerät in Brand 

Liebenau: Waschmaschine gerät in Brand 

Rentner findet seine Frau nach Wanderung nicht wieder

Rentner findet seine Frau nach Wanderung nicht wieder

Führse-Brücken in Nienburg: Neue Entwicklung in unendlicher Geschichte

Führse-Brücken in Nienburg: Neue Entwicklung in unendlicher Geschichte

Kommentare