UFA hat in Nienburg Talente gesucht und gefunden

Talentreiches Nienburg

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Julia Kollert ist eine der beiden Nienburgerinnen, die Otto Nitschke für „Die Stimme Von Morgen“ unter Ralph Siegel empfehlen wird.

NIENBURG - von Theresa Hellwig. Die "UFA-Talentbase" hatte in den Heka-Einrichtungswelten in Nienburg zu einem Casting eingeladen. Das Filmunternehmen aus Potsdam-Babelsberg sucht Talente für kommende Produktionen - und wurde in der Kreisstadt fündig.

Zu Beginn des Castings der UFA ist es still in Hekas Wohnlandschaft.

In Anbetracht der hohen Besucherzahl ist es verhältnismäßig still in Hekas Wohnlandschaft. Nur ein leises Murmeln ist zu hören – und das Klacken von Kamera und Blitzlicht. Vor dem Fotografen posiert ein junges Mädchen. Sie steht seitlich, leicht nach hinten gebeugt, die Haare fallen über ihre Schulter, das schönste Lächeln ist aufgesetzt. Unsicher wirkt sie dabei keineswegs. An ihrem Oberteil klebt eine Nummer – sie ist eine von Vielen. Eine von denen, die am Sonnabend ihr Glück gesucht haben und am Casting der UFA-Talentbase, einem deutschen Filmunternehmen aus Potsdam-Babelsberg, teilgenommen haben.

„Alle Teilnehmer werden bei uns registriert und erhalten nach einiger Zeit per Post die Zugangsdaten zu ihrer eigenen Set-Karte. Die können sie dann selber verwalten: Fotos hochladen, Videos oder Tonaufnahmen“, erklärt Otto Nitschke, Leiter des Castings. Diese Set-Karten sind dann Teil einer großen Kartei, aus der UFA bei Bedarf Talente für kommende Produktionen auswählt. Das können Spielfilme und Fernsehserien, aber auch Unterhaltungssendungen sein. Fast 130 Nienburger und Angereiste nutzten das Angebot und ließen sich professionell ablichten, spielten Szenen vor der Kamera und erhielten dabei auch Tipps von Otto Nitschke. Böse und erniedrigende Worte oder Absagen, wie im Fernsehen, gab es dabei nicht.

„Die Teilnehmerbandbreite war groß. Unser ältester Bewerber war 75 Jahre alt“, berichtet Nitschke. „Er hat extra für das Casting einen Song geschrieben und sein Auftritt war bewundernswert“. Und auch junge Talente haben sich beworben. Erst sieben sei der jüngste Gast gewesen. Er wollte gerne bei „Hanni und Nanni“ oder „Die Teufelskicker“ mitmachen. „Seinen Auftritt hat er jedenfalls sehr souverän gemeistert“, erzählt Nitschke.

Das siegessichere Lächeln aufgesetzt und vor der Kamera posiert: Auch als Model konnte man sich beim UFA-Casting bewerben.

 „Du spielst jetzt eine Szene: Dein bester Freund erzählt dir, dass er ein Verhältnis mit deiner Freundin hat“, trägt Otto Nitschke dem 29-jährigen Jan-Simon Fahrenholz auf. Zunächst zittert dessen Stimme ein bisschen, dann redet er lauter, kommt in Fahrt. Alle Blicke im Raum sind jetzt auf ihn gerichtet. Es fallen Wörter, wie „Kollege“, „ Alter“ und „heftig“, als Jan-Simon seinen imaginären Freund anschreit. Nach der Szene möchte er noch singen. Ein Youtube-Video wird angemacht, kurz darauf hört man ein lautes: „Scheiß drauf – Malle ist nur einmal im Jahr.“ Mit einem Applaus wird er für seinen Auftritt belohnt. Doch nicht nur Schauspiel-Interessierte können an diesem Tag darauf hoffen, entdeckt zu werden. Gecastet wird auch für Ralph Siegel. Gemeinsam mit UFA und Gute Laune TV sucht dieser seit einiger Zeit für eine neue Produktion mit Jupiter Records „Die Stimme Von Morgen“. Einer, der hofft, vielleicht diese Stimme zu sein, ist Domenik Kunz. Schon bei den ersten Tönen von „Halleluja“ merkt man, dass der 19-Jährige mit dem Mikrofon umgehen kann. In jedem seiner Töne liegt Gefühl, es ist kaum noch etwas zu merken von der Aufregung, die vorher nur allzu offensichtlich war. Einige Stücke singt er a cappella, für sein selbst geschriebenes Lied „Ballade der Nacht“ greift er zur Gitarre. „Nach Sternen muss man greifen, hast du gemeint, mich geküsst, bist gegangen und hast geweint“, heißt es darin, und: „Chancen muss man greifen“. Die Ballade sei einem Mädchen gewidmet, bei er eben diese Chance nicht ergriffen hatte. Interesse gab es von beiden Seiten, doch die Schüchternheit hatte ihm Steine in den Weg gelegt. Als Domenik singt, hat seine Freundin Tränen in den Augen. Auch seine Mutter scheint um einiges nervöser, als er selbst.

Mit viel Gefühl in der Stimme trug Domenik Kunz seine Stücke vor.
Die Anspannung wegsingen: Nach dem Casting trafen sich einige Teilnehmer draußen, um gemeinsam zu musizieren.

Zur Sorge scheint es im Nachhinein keinen Grund zu geben: Otto Nitschke gefällt das Stück – und der Sänger dazu. „Man sieht, wie du gefühlsmäßig aufgehst, das ist toll“, erklärt er. Domeniks mitgebrachte Fangemeinschaft ist aus dem Häuschen, seine Mutter ist überzeugt: „Domenik gehört auf die Bühne“. Noch mehr freut sich die Gruppe, als der Liebenauer eine Einladung für DSDS erhält. „Die dürfen wir nur in Ausnahmefällen an Sondertalente schon rausgeben“, erzählt Nitschke. Domenik ist nicht das einzige Talent an diesem Tag. Auch Julia Kollert, 21, wird in höchsten Tönen von Nitschke gelobt. An sie übergibt er sogar eine Sonder-Einladung zu „Das Supertalent“. Nur von Klaviermusik begleitet singt sie mit einer klaren Stimme. Gesangsunterricht? – „Nie gehabt“, erklärt sie. Dafür sei sie aber gemeinsam mit einem Freund schon öfters auf Hochzeiten aufgetreten. Manchmal, da habe auch das Badezimmer zum Proben herhalten müssen, ergänzt ihr Vater mit einem Schmunzeln auf den Lippen. „Ich bin überrascht, dass es hier so tolle Talente gibt“, zeigt sich Otto Nitschke begeistert. „Eigentlich hätten wir alle ein solches Ballungsgebiet an Talenten viel mehr in einer Großstadt erwartet, aber das Casting hat gezeigt, dass es hier viel Potential gibt.“ So habe er Ralph Siegel zwei Nienburger Kandidatinnen ganz explizit für das Halbfinale vorgeschlagen. Julia Kollert ist eine von ihnen, Sina Kindermann ist Nitschkes andere Empfehlung. „Sina hat mit ihren Oldies überzeugt“, erläutert Nitschke. Auch sie hat er zu „Das Supertalent“ eingeladen.

 Ein Mädchen läuft vorbei, wirkt aufgeregt: „Das Schlimmste ist, dass dich am Ende einfach alle anstarren“, erzählt sie gerade einer Freundin. „Mir fällt auf, dass sich viele mit Nervosität herausreden, wenn ihnen beim Singen die Stimme weg bleibt“, bemerkt auch Nitschke. Das sei kein gutes Argument, findet er. Schließlich würden Konzertbesucher darauf auch keine Acht geben. Ist ein Konzert deswegen schlecht, so würden sie trotzdem ihr Geld zurück verlangen. Für Nervöse hat er trotzdem einen Tipp parat: „Sucht euch Lieder, die genug Zeit zum Atmen lassen“. Zu Beginn des Abends ist es – abgesehen von Kamera, Gemurmel und Filmszenen – leise bei Heka. Zum Ende des Castings ist ein Wandel zu spüren. Vielen Anwesenden scheint eine Last abgefallen zu sein, es wird fröhlich geplaudert und vor den Türen des Gebäudes noch ein wenig gemeinsam bei Gitarrenmusik gesungen.

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