Mehrere Kassen aus Verkaufswagen gestohlen

Nienburg: Tatort Wochenmarkt

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Mehrere Händlern beim Nienburger Wochenmarkt sind bereits Opfer von Kriminellen geworden. Sind die Verkäufer abgelenkt, verschaffen sich die Diebe zugang zu den Verkaufswagen.

Nienburg - Von Johanna Müller. Die Einnahmen eines ganzen Verkaufstages – das ist das Ziel Krimineller, die in den vergangenen Wochen mehrere Kassen beim Nienburger Wochenmarkt gestohlen haben. „Bei fast jedem wurde es schon versucht“, hat Geflügelhändler Markus Hesselfeld das Gefühl.

Erfolg mit ihrer Masche hatten die Diebe mehrfach. Unter anderem am Wagen von „Hedda’s Bauernladen“. Nur ungern erinnert sich die Marktverkäuferin an den Mittwoch vor zwei Wochen zurück, als sie vermutlich einen Unbekannten etwa 20 Kilometer in dem Fahrzeug mitnahm.

An diesem Tag fuhr sie wie gewohnt nach Marktschluss entlang der Langen Straße in Richtung Spargelbrunnen los, um sich auf den Weg nach Petershagen-Jössen zu machen. Nach wenigen Metern staute es sich in der Fußgängerzone. Ein junger Mann habe sie daher um dort stehende Autos herumgewiesen. „Dabei hörte ich ein Klopfen hinten am Wagen. Ich dachte, da will mir nur ein Marktkollege ‘mach’s gut’ sagen“, erinnert sich die Frau. 

Knall an Ampel 

Mittlerweile geht sie davon aus, dass jemand hinten eingestiegen ist. Denn an einer Ampel in Leese, an der die Verkäuferin an während der Rückfahrt an diesem Tag zum ersten Mal halten musste, knallte es wieder. Im rechten Seitenspiegel sah sie daraufhin einen Mann, der zunächst zügig wegging und schließlich anfing zu laufen. Komisch kam ihr das schon vor, daher fiel ihr erster Blick in Jössen auch auf die Kasse – doch die war im Wagen. Erst später bemerkte sie: Das Geld ist weg.

Wohl ärgerlich für den Dieb war, dass er ganz bis nach Leese mitfuhr. „In Nienburg waren alle Ampeln grün und auch am Kreisel habe ich nicht gewartet“, sagt die Frau. Im Nachhinein ist sie froh darüber, die Kasse im hinteren Teil des Wagens gelassen zu haben: „Es ist fraglich, ob er ohne Beute einfach wieder gegangen wäre oder durch die Verbindungstür zu mir ins Fahrerhaus gekommen wäre.“ Mittlerweile hat das Team die Tür zum Verkaufswagen gesichert. 

Aus Fehler gelernt 

Nur eine Woche später wurden beim Mittwochsmarkt weitere Einnahmen erbeutet. Auf eine ähnliche Weise verschaffte sich ein Täter vermutlich Zugang in einen anderen Verkaufswagen: Während die Mitarbeiterinnen ihr Fahrzeug für die Fahrt vorbereitet haben, sei wohl jemand eingestiegen. Doch anscheinend haben die Täter aus dem Ereignis der Vorwoche gelernt: Bereits am Ende der Langen Straße querte ein telefonierender Mann so den Weg, dass die Fahrerin anhalten musste. Daraufhin war ein Geräusch aus dem hinteren Teil des Autos zu hören. Da die Ware aber so gesichert gewesen sei, dass nichts umfallen könnte, sind die Frauen weitergefahren. Auch sie merkten erst beim Prüfen der Kasse, dass das Geld weg war.

Durch die Hintertür ist vermutlich ein Dieb in den Wagen von „Hedda’s Bauernladen“ ein- und ausgestiegen. Eventuell wurde er dabei in Leese an einer Ampel beobachtet. Die Polizei nimmt alle Hinweise entgegen.

Die gerufene Polizei hat jeweils Spuren gesichert. Wichtig für die Polizeiarbeit seien möglichst viele Hinweise, erklärt der Erste Polizeihauptkommissar Aribert Ebeling, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes sowie der Tatortgruppe in Nienburg. Er bestätigt auf Blickpunkt-Anfrage, dass es mehrere Anzeigen gegeben habe. Dennoch gebe es keinen Grund für übertriebene Besorgnis. „Ich kann nur dazu aufrufen, alles der Polizei zu melden. Damit kommt das Geld nicht direkt zurück, es führt aber vielleicht zu Ermittlungserfolgen“, sagt der Beamte. Daher seien besonders Personenbeschreibungen wichtig. Regelmäßig sind beim Wochenmarkt auch Fußstreifen unterwegs, die gezielt Händler darauf ansprechen, wenn etwa Kassen frei zugänglich sind. Prävention sei hier ein wichtiges Stichwort. Die aktuellen Fälle nimmt die Polizei ernst und will daher künftig noch sichtbarer sein – besonders während der Abbauphase. 

Täter arbeiten im Team

 Die Wochenmarkthändler fühlen sich als Opfer einer kriminellen Bande. Im Team würde diese handeln und sich gegenseitig per Telefon Anweisungen geben – dem Vernehmen nach in arabischer Sprache.

Auch am Wagen vom Geflügelhof Hesselfeld sei schon jemand eingestiegen: „Wir haben zu zweit die Klappe des Verkaufswagens zugemacht und dabei Geräusche gehört“, erinnert sich Markus Hesselfeld, der daraufhin zur Tür auf der anderen Seite des Wagens lief. Dort erwischte er einen jungen Mann, der sich von dieser Tür wegbewegte. Er wurde wohl per Telefon gewarnt, vermutet der Händler, der den Flüchtigen noch kurz festhalten konnte. Mit gebrochenen Deutsch redete der Mann sich raus und konnte schließlich entkommen. Auch weil Hesselfeld niemand zu Hilfe kam: „Viele haben das mitbekommen aber keiner etwas gemacht.“

Dabei weißt Polizist Ebeling ausdrücklich auf das sogenannte Jedermann-Festnahmerecht hin. Wurde jemand auf frischer Tat ertappt, ist es erlaubt, ihn festzuhalten bis die Polizei kommt.

Auch die Stadtverwaltung ist bereits auf die Vorfälle aufmerksam geworden. Mit einer Mitteilung an die Markthändler haben die Mitarbeiter jetzt darauf hingewiesen. Sie fordern die Beschicker auf, ihre Verkaufswagen nach 13 Uhr möglichst nicht unbeaufsichtigt zu lassen. „Wir versuchen jetzt gemeinsam, solche Diebstähle zu vermeiden“, erklärt Daniel Staffhorst von der Stadt, dem wichtig ist, dass Verkäufer und Marktbesucher keine Angst haben müssen.

Die Polizei in Nienburg ist erreichbar unter Tel. 05021/97780.

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