Freiheitsstrafen zur Bewährung ausgesetzt

Nienburg: Trio für brutalen Überfall verurteilt

Nienburg - Von Andreas Wetzel. Zwei Nienburger im Alter von 23 und 31 Jahren sowie eine 22-jährige Nienburgerin wurden jetzt vor dem Jugendschöffengericht Nienburg zu Freiheitsstrafen verurteilt. Das Trio hatte im Frühjahr 2016 einen Nienburger brutal überfallen und zusammengeschlagen. Noch immer leidet das Opfer an den Folgen der Tat.

Im Januar 2016 hatte sich die damals 20-jährige Nienburgerin von dem Überfallopfer belästigt gefühlt und einen Internetaufruf gestartet – mit dem Ziel, dem Mann einen „Denkzettel“ zu verpassen. Die 23- und 31-jährigen Nienburger boten sich daraufhin an, den Mann ihrer Meinung nach zur Vernunft und von der jungen Dame abzubringen. 

Wenig später suchten sie ihr Opfer auf und schlugen ihm zunächst mehrfach gegen den Kopf. Zudem forderten sie den Mann auf, sich von der jungen Frau fernzuhalten. Das war der Nienburgerin nicht genug. 

Sie forderte, dass dem Mann ein richtiger Denkzettel verpasst werden müsse. Daraufhin suchten die beiden Mittäter das Opfer drei Tage später nochmals auf. Diesmal schlugen sie den Mann dermaßen brutal zusammen, dass dieser lebensbedrohliche Verletzungen davontrug. Das bestätigte ein gerichtsmedizinisches Gutachten.

Keine Tötungsabsicht

Zunächst sollte die Gerichtsverhandlung vor dem Landgericht Verden stattfinden, da ein versuchtes Tötungsdelikt zur Anklage stand. Das Landgericht gab das Verfahren an das Jugendschöffengericht Nienburg ab, da eine Tötungsabsicht oder Inkaufnahme nicht gegeben war.

Ursprünglich waren für den Prozess vier Verhandlungstage angesetzt worden. Da aber die Angeklagten schon am ersten Verhandlungstag umfassend und voll geständig aussagten, konnte das Verfahren nach dem zweiten Verhandlungstag abgeschlossen werden. Der 23-jährige Angeklagte war der Haupttäter, während der 31-Jährige nur Hilfe geleistet hatte. Die 22-jährige Frau wurde als Anstifterin und Mittäterin ausgemacht.

Nach umfassender Aufklärung des Sachverhaltes beantragte die Staatsanwaltschaft für den 23-jährigen Angeklagten eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren, der zweite Täter sollte zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten verurteilt werden, während die zum Tatzeitpunkt noch heranwachsende Frau zu einem Jugendarrest von einer Woche verurteilt werden sollte. Die Verteidiger beantragten für ihre Angeklagten entsprechende Urteile, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollten.

Opfer erhält Schmerzensgeld

Das Jugendschöffengericht verurteilte den 23-Jährigen schließlich zu zwei Jahren Freiheitsstrafe, den 31-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten und die 22-Jährige zu einem einwöchigen Jugendarrest. Die Freiheitsstrafen für die Männer wurden für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Die Täter hatten für sich in Anspruch genommen, dass die Tat so nicht gewollt war. Das Gericht hielt entgegen, dass die Taten durchaus so geplant und gewollt waren, dass lediglich die Folgen, die schweren Verletzungen des Opfers so nicht gewollt waren und hielt Freiheitsstrafen für schuldangemessen.

Das Opfer hatte sich anwaltlich vertreten lassen und Nebenklage eingereicht. Der Opferanwalt hatte ein Adhäsionsverfahren beantragt. Das bedeutet, dass zivilrechtliche Forderungen im Strafverfahren eingebracht werden. Dem Opfer wurde in diesem Adhäsionsverfahren ein Schmerzensgeld in Höhe von 5000 Euro zugesprochen. Unberührt bleiben weitere Forderungen aus medizinischer Begründung.

Der 23-jährige Hauptangeklagte hatte sich als Wiedergutmachung dazu verpflichtet, sofort 2500 Euro zu zahlen. Die restliche Summe wurde zu je 1000 Euro auf die beiden anderen Angeklagten aufgeteilt und weitere 500 Euro auf den Hauptangeklagten, die in Raten abzuzahlen sind.

Das Verfahren fand ohne das Opfer statt, da es nach wie vor unter den Folgen der Tat leidet und bis heute nicht verhandlungsfähig ist.

Rubriklistenbild: © dpa

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