Keine Ausgangsbeschränkungen aber Aufnahmestopp im Krankenhaus

Nienburg verschärft Corona-Maßnahmen

Die Kleine Nienburgerin trägt einen Mund-Nasen-Schutz.
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Nienburg im Corona-Schock: Weil der Inzidenz-Wert am Wochenende die 200er-Marke geknackt hat, greift der Landkreis jetzt zu weiteren Maßnahmen.

Der Landkreis Nienburg verschärft seine Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Ausgangsbeschränkungen oder eine Einschränkung des Bewegungsradius gibt es aber nicht.

  • Nienburg verschärft Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie
  • Keine Ausgangs- oder Bewegungseinschränkungen
  • Helios Kliniken verhängen Aufnahmestopp

Landkreis Nienburg - von Luka Spahr. Der Landkreis Nienburg verschärft angesichts eines zuletzt stark gestiegenen Inzidenzwerts seine Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Am Wochenende hatte der Landkreis eine Inzidenz von über 200 gemeldet, am Sonntagabend lag der Wert mit 197,7 nur knapp darunter. Von starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens wie etwa Ausgangsbeschränkungen oder einer Einschränkung des Bewegungsradius’ nimmt die Kreisverwaltung jedoch Abstand.

Maßnahmen gelten für 14 Tage

Am Montagnachmittag stellte Landrat Detlev Kohlmeier in einer digitalen Pressekonferenz bei großem medialem Interesse folgende Maßnahmen vor, die ab sofort und, sofern nicht anders genannt, für die kommenden 14 Tage gelten:

In allen Schulen gilt ab der ersten Klasse eine uneingeschränkte Maskenpflicht (für diesen und alle folgende Punkte: Alltagsmaske genügt). Befreiuung gibt es nur im Rahmen der bekannten niedersächsischen Corona-Verordnung. Von der Maskenpflicht ist auch die Notbetreuung betroffen. Eltern sind gebeten, aber nicht gezwungen, ihre Kinder zuhause zu lassen.

Die Helios Kliniken in Nienburg verhängen aus Kapazitätsgründen einen Aufnahmestopp bis kommenden Mittwoch, 27. Januar. Ausgenommen sind Schlaganfall-Patienten, die Schockraumversorgung, Geburten und Corona-Infizierte.

Stationär behandelte Patienten müssen sich nach ihrem Aufenthalt in den Helios Kliniken für zehn Tage in Quarantäne begeben. Ausschließlich eine angehörige, pflegende Person darf unter Hygienevorkehrungen vorbeikommen.

Bewohner von Alten- und Pflegeheimen dürfen nur noch eine feste Person zu Besuch empfangen.

Alten- und Pflegeheime machen zusätzlich zu den täglichen Testungen des Personals bei ihren Bewohnern künftig zweimal wöchentlich einen PCR-Test oder dreimal wöchentlich einen Antigen-Schnelltest.

Alten- und Pflegeheime treffen verbindliche Vereinbarungen mit Hausärzten, sodass die ärztliche Versorgung jederzeit gesichert ist.

Hausärzte sind dazu angehalten, bei auffälligen Umständen von Positiv-Befunden einen Hinweis an das Testlabor zu senden. Eine Sequenzierung soll daraufhin Anzeichen zur Ausbreitung von mutierten Viren erkennbar machen.

Die Maskenpflicht auf dem Nienburger Wochenmarkt wird verschärft.

Zum Zeitpunkt des Wochenmarktes in Nienburg gilt auf der gesamten Langen Straße und der näheren Umgebung eine Maskenpflicht. Das gilt auch für Standbetreiber und -mitarbeiter.

Landrat rechnet nicht mit schnell sinkender Inzidenz

Landrat Detlev Kohlmeier betonte im Rahmen des Pressekonferenz: „Ich rechne nicht damit, dass unsere Inzidenz so schnell sinken wird.“ Im Gegenteil. Durch die nun verstärkte Testung würden vermutlich zunächst mehr Positiv-Fälle ans Licht kommen und der Inzidenzwerte steige.

Corona-Infektionen gebe es derzeit vor allem in 10 der insgesamt 28 Alten- und Pflegeheime im Landkreis. Dort wurden aktuell zwischen 130 und 140 Positivfälle unter Bewohnern und Mitarbeitern festgestellt, so Kohlmeier. „Das sind massive Hotspots in unserem Landkreis“, erklärte er. Doch auch abseits davon gebe es ein „diffuses Infektionsgeschehen“. Zumindest mutierte Viren seien im Landkreis bislang aber nicht nachgewiesen worden, so Kohlmeier.

Kein umfassendes Betreuungsverbot in Pflegeeinrichtungen

Für ein umfassendes Betretungsverbot von Pflegeeinrichtungen habe sich der Landkreis nach langen Beratungen ausdrücklich nicht entschieden, da sich in der Vergangenheit gezeigt habe, dass Infektionen weniger über Besucher, als vielmehr über die Mitarbeiter eingeschleppt werden. „Wenn so eine Entwicklung ist, haben nicht alle alles richtig gemacht“, übte er Kritik an den Einrichtungen. Auch an den Krankenhäusern gebe es eine „eine bemerkenswerte Dynamik und Infektiosnrate“, so Kohlmeier.

Wer die Alten- und Pflegeeinrichtungen, sowie die Krankenhäuser herausrechne, erhalte lediglich eine Inzidenz von 87, erklärte der Landrat. Er gab jedoch auch zu, dass die Separierung von Infizierten in den Heimen oft an ihre Grenzen stoße.

Zur Vermeidung von Ausgangsbeschränkungen sagte Kohlmeier: „Wir sind überzeugt, dass angesichts der aktuellen Lage diese Maßnahmen nicht mehr als einen Symbolwert haben.“ Beim Thema Schulschließungen hingegen habe er großes Vertrauen in die Bewertung der Situation durch die niedersächsische Landesregierung.

Noch keine Abstimmungen mit Nachbarkreisen

Mit den Nachbarlandkreisen wie etwa Diepholz oder Verden habe es hinsichtlich der jüngsten Corona-Lage noch keine weiteren Abstimmungen gegeben, etwa bezüglich Gemeinden nahe der Kreisgrenze, so Kohlmeier. Er sei jedoch im ständigen Austausch mit seinen Kollegen, so der Landrat.

Auf die Nachfrage während der Pressekonferenz, warum der Landkreis Nienburg erst so spät mit verschärften Maßnahmen reagiere, verwies Kohlmeier auf eine sorgfältige Abstimmung in der Kreisverwaltung: „Wir haben das sehr sorgfältig abgewogen und es uns alles andere als leicht gemacht.“ Nach langen Beratungen am Wochenende zeigte er sich aber zuversichtlich: „Wir glauben, dass wir ein wirkungsvolles Paket an kleineren und sehr zielgerichteten Maßnahmen geschnürt haben, um die Entwicklung der vergangenen Wochen einzudämmen und sie dort, wo sie noch nicht stattgefunden hat, zu verhindern.“

IMPF-FORTSCHRITTE

Im Landkreis Nienburg haben bislang 2 267 Menschen eine erste Impfung gegen Covid-19 erhalten. 283 sogar schon eine Zweitimpfung. Bislang konzentrieren sich die Impf-Bemühungen vor allem auf die Alten- und Pflegeheime. Dort seien zwei Einrichtungen bereits komplett durchgeimpft, so Landrat Detlev Kohlmeier. Die nächste Impfstoff-Lieferung sei für Donnerstag, 4. Februar, angekündigt. Wenn der Zeitplan aufgehe, hätten am 9. oder 10. Februar alle Heimbewohner eine Erstimpfung erhalten. Die Zweitimpfung wäre entsprechend Ende Februar abgeschlossen.

Die Impfungen werden derzeit ausschließlich durch mobile Teams an Alten- und Pflegeheimen verteilt. Wann das zentrale Impfzentrum in Drakenburg für die Einwohner des Landkreises Nienburg aufmache, sei noch unklar, so der Landrat. Das hänge von der weiteren Impfstoffverfügbarkeit ab.

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