Staatsanwaltschaft: Beweislage reicht zu Verurteilung aus

Freispruch: Sexueller Missbrauch nicht nachweisbar

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Die Beweislage reichte nicht zu einer Verurteilung des Angeklagten vor dem Nienburger Amtsgericht aus.

Nienburg - von Andreas Wetzel. Der Gruppenleiter einer Behinderteneinrichtung in Nienburg soll seine Stellung ausgenutzt haben und eine von ihm betreute Frau sexuell missbraucht haben. Das Gericht sprach den Angeklagten frei.

Vor dem Amtsgericht Nienburg wurde die Verhandlung gegen einen 51-jährigen Mann aus Minden fortgesetzt. Ihm war vorgeworfen worden, im Frühjahr 2014 sowie im Frühjahr 2017 mit einer 34-jährigen behinderten Frau sexuellen Kontakt gehabt zu haben und dabei seine Stellung als Gruppenleiter einer Behinderteneinrichtung ausgenutzt zu haben.

Sozialarbeiterin hatte etwas bemerkt, aber nichts unternommen

In der Fortsetzungsverhandlung wurde die Ehefrau des Angeklagten gehört. Sie sagte aus, dass ihr Mann an einem der fraglichen Tattage bei ihr zu Hause gewesen sei. Daran könne sie sich genau erinnern. Weiter wurde eine Sozialarbeiterin der Behinderteneinrichtung gehört. Sie hatte wohl bemerkt, dass es zwischen dem Angeklagten und der 34-jährigen Frau zu einer näheren Beziehung gekommen war, hatte allerdings nicht weiter dagegen interveniert. Sie wurde inzwischen an einen anderen Standort versetzt. Ebenso wurde die zweite verantwortliche Gruppenleiterin vernommen, die ihren Angaben zufolge keine Auffälligkeiten bemerkt habe.

Polizeibeamtin: Geschädigte hat sehr emotional reagiert

Die mit der Vernehmung beauftragte Polizeibeamtin, die abschließend vernommen wurde, sagte, ihrem Eindruck zufolge habe die Geschädigte wahrheitsgemäße Angaben gemacht. Die Vernehmung habe sich schwierig und langwierig gestaltet, da die 34-Jährige immer wieder zusammengebrochen sei. Sie habe sehr emotional reagiert, wenn sie auf den Kern der Straftat zu sprechen kamen.

Staatsanwaltschaft fordert Verurteilung

Nachdem alle Zeugen gehört wurden, gelangte die Staatsanwaltschaft zu der Überzeugung, dass die Beweislage ausreicht, um den Angeklagten zu verurteilen. Der Vorwurf stützte sich ausschließlich auf die Aussage der Geschädigten und Zweifel blieben. Daher käme nur ein Freispruch in Betracht, entgegnete die Verteidigung. Dies sah die Nebenklägervertretung anders und forderte eine Bestrafung. Nach Ansicht der Nebenklage habe hier schon ein strafrechtlich relevanter Übergriff vorgelegen, wie ihre Mandantin auch eindrucksvoll geschildert habe.

Letzte Zweifel können nicht ausgeräumt werden

Das Gericht sprach den Angeklagten schließlich frei. Die Aussage der Angeklagten sei sehr eindrucksvoll und emotional gewesen, konnte aber letzte Zweifel nicht ausräumen. Die müsse das Gericht aber ausräumen, um zu einer strafrechtlichen Verurteilung zu gelangen. „Hier sind auch erhebliche Fehler von der Betriebsleitung gemacht worden“, erklärte der vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Die Angestellten seien im Regen stehen gelassen worden. Letztendlich habe man hier mit Abmahnungen und Kündigungen agiert. Den Angestellten sei für diese Situation keinerlei Hilfestellung angeboten worden. Abschließend führte der Richter noch aus, dass in diesem Verfahren alle wohl nur als Verlierer zu betrachten seien.

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