Bislang kein Corona-Patient in der Klinik

Nienburger Krankenhaus auf Corona-Ansturm vorbereitet

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„Gut vorbereitet“ auf die ersten Corona-Patienten: Chefarzt der Pneumologie Dr. Hans-Georg von Wysiecki, Klinikgeschäftsführer Thomas Clausing und die Leitende Hygienefachkraft Ulrich Behm.

Nienburg - von Leif Rullhusen. Das Nienburger Krankenhaus befindet sich im Corona-Modus. Die Helios-Kliniken Mittelweser sind auf die Aufnahme infizierter Patienten vorbereitet.

Nur vereinzelt halten sich Patienten im weiträumigen Rezeptionsbereich der Klinik an der Ziegelkampstraße auf. Hinter dem Tresen achtet die Empfangsmitarbeiterin penibel darauf, dass Besucher den Sicherheitsabstand wahren und hinter der roten Linie auf dem Fußboden stehen bleiben. Viel zu tun hat sie allerdings nicht. Wie überall, gestatten auch die Helios-Kliniken Mittelweser seit einigen Tagen Patientenbesuche nur noch in Ausnahmefällen.

Pflegekräfte, Ärzte und Verwaltung arbeiten unter Hochdruck

Hinter den Kulissen arbeiten Pflegekräfte, Ärzte und Verwaltung dagegen unter Hochdruck. Sie haben das Krankenhaus auf das Eintreffen der ersten Corona-Patienten bestmöglich vorbereitet. Das Team der Helios-Kliniken Mittelweser hat eine komplette Station in eine Corona-Infektionsstation umgewandelt. Auf der Intensivstation stehen Betten für Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf bereit. Die durch das Verschieben von Routinebehandlungen freigewordene Pflegekräfte trainieren den Einsatz an Beatmungsgeräten, speziell unter den in einer solchen Situation erforderlichen Schutzmaßen.

Trotz ihres engen Terminplanes nahmen sich der Chefarzt der Pneumologie (Lungenheilkunde) Dr. Hans-Georg von Wysiecki, die Leitende Hygienefachkraft Ulrich Behm und Klinikgeschäftsführer Thomas Clausing kurzfristig Zeit für ein Gespräch mit dem Blickpunkt. 45 Minuten bis zur nächsten Telefonkonferenz konnte sich das Trio freischaufeln. Clausing steht in permanentem Kontakt mit dem zentralen Helios-Krisenstab. Dr. von Wysiecki tauscht sich innerhalb der medizinischen Fachgruppen und Brehm mit den Hygieneexperten in täglichen Telefonkonferenzen im Klinikverbund aus. Darüber hinaus kommuniziert das Helios-Team täglich mit dem Gesundheitsamt.

Oberstes Gebot für das Klinikpersonal im Umgang mit Corona-Patienten ist das Tragen von Schutzkleidung und gründliche Desinfektion. Ein Mangel an beidem bestehe im Krankenhaus nicht, versichert Klinikchef Thomas Clausing.

Keine Verknappung von Desinfektionsmitteln

„Wir sind vorbereitet. Schon seit Wochen beobachten wir die Corona-Verbreitung und haben entsprechend reagiert“, berichtet Klinikgeschäftsführer Thomas Clausing am Mittwoch. Zu diesem Zeitpunkt sind die Betten für Corona-Patienten allerdings ausnahmslos leer. „Keiner der im Landkreis Nienburg an Corona erkrankten Personen befindet sich aktuell zur Behandlung in unserem Krankenhaus“, verdeutlicht Clausing. Sobald sich die Betten füllen, werde die Klinik ihre Kapazitäten für Corona-Infizierte erweitern. „Wir passen unsere Bedarfe tagesaktuell an – wenn nötig, sogar stündlich.“ Unabhängig, welche Haupterkrankung ein Patient habe, er werde den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) entsprechend isoliert untergebracht. Sorgen über eine Verknappung von Desinfektionsartikeln macht sich der Klinikgeschäftsführer nicht. „Die Klinik-Gruppe lagert das Material zentral und verteilt es zielgerichtet. Das funktioniert gut“, berichtet Clausing.

Entscheidend ist die räumliche Trennung

Wie eine Isolierstation aussieht, erklärt die Leitende Hygienefachkraft Ulrich Behm. Um eine solche Station einzurichten, seien keine baulichen Veränderungen notwendig. „Es handelt sich um eine ganz normale Station. Entscheidend ist die räumliche Trennung der corona-infizierten Patienten von den übrigen“, erklärt Behm. Zudem dürften Ärzte und Pflegekräfte die Station nur mit einem Mund- und Nasenschutz sowie mit einem Kittel betreten. Desweiteren müssten sie sich selbstverständlich nach jedem Kontakt desinfizieren. „Diese Schutzmaßnahmen wenden wir aber auch bei einer Influenza an.“

„Darüber hinaus halten wir das Team möglichst klein, das direkten Kontakt zu Corona-Patienten hat“, ergänzt Dr. Hans-Georg von Wysiecki. Die Versorgung – insbesondere von Intensivpatienten – in kleinen Teams würde derzeit gezielt geschult. „Wir nutzen die Zeit, die wir jetzt haben, um gut auf die steigende Zahl an Corona-Patienten vorbereitet zu sein“, verdeutlicht der Chefarzt der Pneumologie. Prognosen über die weitere Entwicklung gibt der Mediziner nicht. „Ich halte mich bei Vorhersagen zurück. Isolation beziehungsweise Quarantäne sind auf jeden Fall sinnvolle Maßnahmen.“

Krankenhaus behandelt alle medizinischen Notfälle weiter 

Unabhängig von der Corona-Pandemie behandelt das Nienburger Krankenhaus selbstverständlich weiterhin sämtliche medizinischen Notfälle. „Dazu zählen auch Krebsbehandlungen“, betont Thomas Clausing. Verschoben würden ausschließlich so genannte elektive Eingriffe – also solche, die nicht dringend sind. Das kann zum Beispiel eine Knie- oder Hüftoperation sein.

Richtiges Verhalten bei einem Corona-Verdacht

Wer den Verdacht hat, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, sollte seinen Hausarzt anrufen und auf keinen Fall die Praxis aufsuchen. „Der Hausarzt ist immer der erste Ansprechpartner“, betont Silke Schomburg von den Helios Kliniken Mittelweser. Alternativ könnten Menschen mit einem Corona-Verdacht den kassenärztlichen Notdienst unter Tel. 116 117 anrufen. Diese würden alles weitere, wie einen Termin bei einer Abstrichstelle, vereinbaren. Auch sollte man sich nicht an das Krankenhaus wenden. Einzige Ausnahme: Wer schwere Symptome, wie starke Luftnot oder schwere Herz-Kreislauf-Probleme hat, muss in die Notaufnahme des Krankenhauses. Wichtig: Die Betroffenen sollten in jedem Fall vorher in der Notaufnahme unter Tel. 05021/9210 1207 anrufen und ihren Verdacht äußern.

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