Mehrfach vorbestraft

Schuldig gesprochen: Nienburger Neonazi bedroht dunkelhäutige Boxerin

Nienburg - Von Andreas Wetzel. Vor dem Amtsgericht Nienburg musste sich jetzt 27 Jahre alter Mann aus Nienburg verantworten, der im Juni 2016 in Drakenburg eine farbige Frau bedroht hatte.

„Ich zieh dir deine schwarze Haut ab“, sagte der Nienburger zu der aus Togo stammenden Frau. Jetzt wurde er vom Amtsgericht zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Am Tattag fuhr der Angeklagte gemeinsam mit einem Bekannten entlang dem Alten Postweg in Drakenburg und sah dabei die zwei dunkelhäutigen Frauen. Eine davon war mit zwei Kindern unterwegs. Die jungen Männer waren zunächst an ihnen vorbeigefahren, hatten dann aber gewendet und waren zurückgekommen.

Vermummt auf Frauen zugegangen 

Die Männer hielten dann an und stiegen aus dem Auto aus. Während der eine anfing, die Situation mit seinem Handy zu filmen, legte der andere Mann einen Zahnschutz an, vermummte sich mit einer Sturmhaube und zog sich Handschuhe an. Anschließend ging er auf die beiden Frauen und die Kinder zu. Schließlich sprach er die genannte Drohung aus, in der er versicherte, die Haut der Frau abzuziehen. 

Die Bedrohte forderte daraufhin ihre Bekannte auf, mit den Kindern ins Haus zu gehen und blieb selbst auf der Straße stehen. Der Täter näherte sich ihr währenddessen weiter. 

Im Haus bat die Frau mit den Kindern einen Bekannten, draußen nach dem Rechten zu schauen. Er forderte die jungen Männer auf, zu verschwinden, was sie letztendlich auch taten. Zu einer tätlichen Auseinandersetzung kam es daher nicht.

Nienburger bekennender Nazi

Bei der Gerichtsverhandlung wurde das Vorleben des 27 Jahre alten Angeklagten erörtert. Der vorsitzende Richter führte aus, dass der Nienburger bekennender Nazi sei und „Das vierte Reich“ errichten möchte. Darüberhinaus habe der 27-Jährige zum Zeitpunkt der Verhandlung bereits vier Vorstrafen gehabt, etwa wegen Gefangenenbefreiung sowie dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Körperverletzung. Er war erst fünf Monate vor der Tat im Juni 2016 zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Bei Würdigung aller Umstände sah das Gericht sich nicht mehr imstande, die Strafe zur Bewährung auszusetzen, zumal der Angeklagte keinerlei Anzeichen der Einsicht zeigte.

Bis zur Verkündung des Urteils hatte der Angeklagte grinsend in der der Gerichtsverhandlung gesessen. Nach der Urteilsverkündung war ihm dies allerdings vergangen.

Box-Europameisterin beleidigt

Bei der Vernehmung der Zeugin, die auf der Straße stehen geblieben war, ergab sich ein besonderer Umstand. Vom Vorsitzenden Richter auf ihre sportlichen Aktivitäten angesprochen gab die Frau an, dass sie amtierende Box-Europameisterin im Weltergewicht sei und sich daher auch imstande sah, auf der Straße stehenzubleiben, um zu sehen, wie sich die Situation entwickelt. 

Die aus Togo stammende Frau ist in Deutschland groß geworden, hat hier studiert und ist integriert. Sie ist Lehrerin. Sie gab in ihrer Aussage an, dass die Drohung durchaus ernst gemeint war und deshalb auch dazu führte, dass sie ihre Bekannte mit den Kindern ins Haus geschickt habe.

Nach Abschluss der Urteilsbegründung entschuldigte sich der Vorsitzende Richter mit den Worten: „"Das sie so etwas ertragen müssen tut mir sehr leid. Ich entschuldige mich in aller Form dafür.“

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

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