„Initiativkreis Posthof“ hat Bürgerentscheid angeschoben

Nienburger Posthof: Marodes Fachwerkgebäude ist kaum noch zu retten

Professor Wilfried Zapke zeigt eine der zahlreichen maroden Stellen am Nienburger Posthof
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Professor Wilfried Zapke zeigt eine der zahlreichen maroden Stellen.

Der Nienburger Posthof ist dringend sanierungsbedürftig. Für den Erhalt des historischen Bauwerkes auch in seiner Funktion als Bibliothek kämpft der „Initiativkreis Posthof“. Von der Stadt Nienburg gibt es bislang keine konkreten Pläne.

  • Noch keine Sanierungspläne für Nienburgs historische ehemalige Posthalterei
  • „Initiativkreis Posthof“ will Posthof als Stadtbücherei erhalten
  • Restaurator ist fassungslos über Provisorium als Dauerstütze

Nienburg - von Leif Rullhusen. Nichts hält so lange wie ein Provisorium. Selten ist dieser Spruch so passend, wie im Falle des Nienburger Posthofes. Seit neun Jahren sichert ein vorübergehend angebrachtes Holzgerüst eine Wand des maroden Gebäudes. Und es wird den Posthof wohl noch länger stützen müssen. Denn konkrete Sanierungspläne gibt es anscheinend nicht.

Der „Initiativkreis Posthof“ will Bewegung in die Sache bringen

Das will der „Initiativkreis Posthof“ mit allen Mitteln ändern. Um Bewegung in die Sache zu bringen, hat er sowohl einen Bürgerentscheid angeschoben als auch eine Kommunalaufsichtsbeschwerde gegen Bürgermeister Henning Onkes eingereicht. Mit beiden Schritten will der Initiativkreis die Stadt nun zur Sanierung des Posthofes drängen.

Zahlreiche Holzbalken bis in die Tiefe geschädigt

Die ist mehr als überfällig. Vor zwei Jahren hatte der staatlich geprüfte Restaurator Christoph Probst im Rahmen einer Begehung die ehemalige Posthalterei untersucht und massive Schäden entdeckt. Probebohrungen hätten gezeigt, dass zahlreiche Holzbalken bis in die Tiefe geschädigt seien, berichtete der Fachmann. „Aus meiner Sicht muss das Gebäude dringend saniert werden, um vom jetzigen Bestand des Gebäudes noch etwas zu retten“, mahnte der Restaurator in seinem Resümee eindringlich.

Dieses Foto stammt aus dem Juni 2012: Damals ließ die Stadt das provisorische Gerüst an der Rückseite des Fachwerkbauwerkes aufstellen.
Rosemarie Isensee und Professor Wilfried Zapke neun Jahre später an gleicher Stelle: Das Provisorium steht noch immer, ist mittlerweile deutlich verwitterter. Das Flatterband wurde inzwischen durch Bauzäune ersetzt.

Provisorium stützt Mauer seit neun Jahren

Nicht zum ersten Mal: Auf Anraten von Probst montierte die Stadt im Juni 2012 das stützende Holzgerüst an die Rückseite des Fachwerkbauwerkes aus dem 16. Jahrhundert. Ein Eckpfosten hatte sich bereits seinerzeit verdreht und drückt das Mauerwerk seitdem nach außen. „Es wird definitiv Zeit, dass etwas passiert“, warnte Christoph Probst gegenüber dem Blickpunkt bereits damals. „Das war als temporäre Maßnahme für maximal zwei Jahre gedacht“, erklärt Probst jetzt – neun Jahre später. Der Restaurator ist fassungslos, dass seitdem an dem historischen Bauwerk nichts passiert ist und sein Provisorium immer noch steht.

Restaurator Christoph Probst leitete die Sanierung des Nienburger Rathauses vor zehn Jahren.

Diskussionen um Wissensburg bremsen Sanierungspläne aus

In den zurückliegenden Jahren wurden mögliche Sanierungspläne von der endlosen Diskussion um die Wissensburg ausgebremst. Die Pläne der Stadt sahen vor, dass die Bücherei vom Posthof in die geplante Wissensburg in der Langen Straße umziehen sollte, zusammen mit dem Stadt- und Kreisarchiv. Der Platz im Posthof reiche nicht mehr aus, ein Anbau sei aus Denkmalschutzgründen nicht zulässig.

Initiativkreis hält Anbau für möglich

Dem widerspricht der Inititavkreis, der den Posthof in seiner jetzigen Nutzung als Bibliothek erhalten will. Ein dazu notwendiger Anbau ist aus dessen Sicht entgegen den Aussagen der Stadt auch im Rahmen des bestehenden Denkmalschutzes möglich. „Wir haben diesbezüglich beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege nachgefragt. Das sieht durchaus Möglichkeiten für einen Anbau auf der Rückseite“, berichtet Professor Wilfried Zapke vom Initiativkreis. Hinzu komme, dass der Platz hinter dem Posthof verschenkt sei. „Dort passiert nichts.“ Der Professor für Holzbau, Bauphysik und Sanierung könnte sich einen Anbau vorstellen, der über einen aus Glas gestalteten Zwischenbereich in Form eines Wintergartens mit der historischen Bausubstanz verbunden wird. Eine weitere Möglichkeit sei die Anmietung benachbarter Räumlichkeiten.

Kein Plan B zur gescheiterten Wissensburg

Im vergangenen Herbst kam das Aus für den Neubau der Wissensburg. Der Stadtrat stimmte gegen das Elf-Millionen-Euro-Projekt, das nach seiner Fertigstellung die Bibliothek sowie das Kreis- und Stadtarchiv unter seinem Dach beherbergen sollte.
Doch auch danach hat sich im Rathaus nichts bewegt. „Es gab von der Stadt keinen Plan B zur Wissensburg. Deshalb sind wir wieder aktiv geworden“, erklärt Rosemarie Isensee vom Initiativkreis. In seiner Kommunalaufsichtsbeschwerde wirft er dem Bürgermeister vor, dass dieser den Verfall des Posthofes womöglich bewusst in Kauf nehme, um ihn der Idee einer Wissensburg zu opfern.

Initiativkreis bereitet Bürgerentscheid vor

Derzeit bereitet der Initiativkreis deshalb einen Bürgerentscheid vor. Nachdem das entsprechende Bürgerbegehren von der Stadt zugelassen wurde, muss er nun innerhalb eines halben Jahres die Unterschriften von mindestens zehn Prozent aller wahlberechtigten Nienburger – das sind etwa 2600 – sammeln und diese der Stadt vorlegen. Kommen sie zusammen, folgt eine Wahl, in deren Rahmen die Bürgerinnen und Bürger über die Frage „Sind Sie dafür, dass die Stadtbibliothek weiterhin im historischen Posthof in der Georgstraße 22 verbleibt?“ abstimmen können. Damit dieses Wahlergebnis überhaupt gültig ist, müssen mindesten 20 Prozent aller stimmberechtigten Nienburger den Weg an die Wahlurnen antreten. Dessen Ergebnis ist dann allerdings mit einem Ratsbeschluss gleichzusetzen.

Beteiligung am Bürgerentscheid:

Wer den Initiativkreis bei Sammeln von Unterschriften unterstützen möchte, kann ihn auf folgenden Wegen erreichen:

  • Website: www.ja-zum-posthof.de
  • E-Mail: ja-zum-posthof@t-online.de
  • Tel.: 05021/910348 (Anrufbeantworter)
  • Fax: 05021/6000707

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