Dem Club "steht das Wasser bis zum Hals"

1. Nienburger Schwimmclub - Traditionsverein vor dem Aus?

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Um weiterhin allen Altersklassen und sozialen Schichten im Verein gerecht zu werden, müsse schnell für finanzielle Entlastung gesorgt werden, so sind sich alle Vorstandsmitglieder im 1. Nienburger Schwimmclub einig.

Nienburg - Hohe Bahnmieten, teure Jahreslizenzen, gekürzte Trainingszeiten  - Der 1. Nienburger Schwimmclub kämpft um seinen Bestand. 

Am 13. Oktober 2012 feierte der 1. Nienburger Schwimmclub, der letzte reinen wassersporttreibende Verein im Landesschwimmverband Niedersachsen, sein 100-jähriges Jubiläum. Stolz auf diese lange Zeit zeigten sich die Verantwortlichen auf der Feierstunde, an der neben der örtlichen Politik und Verwaltung auch der Präsident des LSN, Wolfgang Hein, teilnahm. Ganz im Zeichen der Vorfreude auf das neue Ganzjahresbad „Wesavi“ stand diese Feier.

Heute, fast sieben Jahre später, machen sich dunkle Wolken über dem Himmel des Nienburger Traditionsvereins breit. „Die Kosten fressen uns regelrecht auf“, sagt Diedrich Volger, Kassenwart im Verein. In den vergangenen Jahren haben viele Dachverbände angefangen, ihre Beiträge zu erhöhen, ein Ende sei hier nicht in Sicht, denn auch die Sportbünde würden in diesem und im nächsten Jahr nachziehen.

Die vorerst letzte Erhöhung kam Anfang des Jahres vom Wesavi. Hier musste die Geschäftsführung auf Grund steigender Energiekosten ebenfalls eine Kostenerhöhung für die Bahnmiete aussprechen. „Alles wird teurer, das können wir natürlich verstehen, so auch die neuen, höheren Bahnenpreise in unserem Ganzjahresbad“, versichert Tobias Laber, Vorsitzender im Verein. Was man allerdings nicht verstehen könne ist, dass keine Hilfe in Sicht ist. Es gab und gibt immer wieder Gespräche mit der Verwaltung, leider gibt es aber keine positiven Resultate, so Laber. „Man setzt sich mit uns zusammen und hört sich unsere Sorgen und Nöte an. Nach dem letzten Gespräch Anfang des Jahres gab es sogar einen Tagesordnungspunkt auf der Jugend- und Sport-Ausschusssitzung. Auch hier wurde unser Problem kurz erläutert und zu guter Letzt vertagt. Bis heute warten wir auf eine Antwort“, so Laber weiter.

Keine finanzielle Entlastung 

Der Verein habe immer wieder darum gebeten, die Sportförderung zu überdenken. Auch die Frage nach anderen Möglichkeiten der finanziellen Entlastung sei bis heute nicht beantwortet. „Wirklich vernünftiges Training findet für die Leistungsträger des Vereins schon lange nicht mehr statt. Bereits vor einem Jahr haben wir die Trainingszeiten der Leistungsgruppen von drei Mal 120 Minuten auf drei Mal 90 Minuten verkürzt. Unsere Wasserballer trainieren im Sommer in einem benachbarten Freibad, auch die Heimspiele werden dort ausgetragen. Wir haben das Geld einfach nicht, um unsere Aktiven konsequent im Wesavi trainieren zu lassen“, erklärt Schwimmwartin Maren Woitschig. Bevor die Nienburger Schwimmer ihren ersten Wettkampf nach dem Jahreswechsel bestreiten, überweist der Verein beispielsweise weit über 1000 Euro an den Deutschen Schwimmverband. „Dieses Geld ist für die Jahreslizenzen. Ohne diese dürfen unsere Aktiven nicht schwimmen“, so Woitschig weiter. Und so ziehe sich die finanzielle Misere durch das ganze Jahr.

Den Verein aus eigener Kraft zu retten, sei nur durch eine Beitragserhöhung denkbar, lässt Kassenwart Volger durchblicken. „Wir sind mit unseren jetzigen Preisen deutlich an der oberen Schmerzgrenze angekommen. Wir bieten mit Schwimmen, Wasserball und Triathlon ja nur drei Sparten an. In anderen großen Nienburger Vereinen können die Mitglieder ein breit gefächertes Sportangebot nutzen, da sind höhere Beiträge wahrscheinlich leichter umzusetzen, als bei uns“, bemerkt Volger und vermutet, der Verlust von Mitgliedern zu befürchten sei.

Man hofft auf die Hilfe der Verwaltung und Politik

Neben dem Leistungssport habe der Verein auch einen sozialen Auftrag zu erfüllen. Man beschäftige sich zwei bis drei Mal in der Woche mit den Kindern und Jugendlichen, die zum Training kommen. Auch die Kleineren, die noch nicht schwimmen können, seien im 1. Nienburger Schwimmclub gut aufgehoben, weil genau diese in den vereinseigenen Schwimmkursen den sicheren Umgang mit dem nassen Element erlernen. Diese Schwimmkurse finden auf Grund der hohen Preise in einem benachbarten Hallenbad statt, so Woitschig. Dieses, so wisse man, ist für die ein oder andere Familie schon eine Hürde, die auf Grund fehlender Mobilität und schlechter Verkehrsanbindung (Personennahverkehr) schon nicht an diesem Angebot teilnehmen könnten. Kurz um stellt sich die Frage, wo die Situation nun hinführen soll.

Um weiterhin allen Altersklassen und sozialen Schichten gerecht zu werden, müsse hier etwas passieren, so sind sich alle Vorstandsmitglieder einig.

Von Seiten des Vereins wünsche man sich, dass Bedingungen geschaffen würden, die allen Menschen einen Zugang zum Wasser ermöglichten, um ihre Schwimmfertigkeiten zu erweitern. Gerade im Zeitalter des familieneigenen Pools im Garten ist es wichtig, schon den Kleinsten die Möglichkeit des Schwimmerwerbs zu bieten.

Eine lange Debatte, sowie Suche nach der Schuldfrage sei aus Vereinssicht unnötig und nicht gewollt. Viel wichtiger sei dem Verein, eine kreative Lösung zu finden, welche finanzielle Entlastung schafft und somit für dessen Bestand sorgt. Bei diesem Lösungsweg baue man auf die Hilfe der Verwaltung und der Politik.

tol

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