Gutherzigkeit wurde von der Täterin schamlos ausgenutzt

Nienburger Seniorin fällt auf Telefonbetrug mit „Google Play“-Karten herein

Ein Telefonhörer liegt auf dem Tisch.
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Betrug am Telefon: 93000 Euro Gewinn versprochen

Einen Gewinn in Höhe von 93000 Euro versprach die Anruferin einer 78-jährigen Nienburgerin. Deren Zweifel räumte die Unbekannte mithilfe von Freundlichkeit und Hartnäckigkeit aus und überredete sie dazu, „Google Play“-Karten zu kaufen, um den vermeintlichen Transport des Geldkoffers zu finanzieren und zu versichern.

Nienburg - von Maren Hustedt. „Sie haben 39 000 Euro gewonnen. Herzlichen Glückwunsch.“ Dieses Versprechen gab eine freudig erregte Stimme einer 78-jährigen Nienburgerin am heimischen Telefon vergangenen Montag. „Das gibt es doch gar nicht“, reagierte die verwitwete Seniorin zunächst ganz rational und zweifelte die Rechtmäßigkeit des Anrufs an.

Das gibt es doch gar nicht.

die zweifelnde Seniorin

Doch irgendwie gelang es der hartnäckigen Anruferin am nächsten Tag, die Zweifel der Nienburgerin zu zerstreuen. Während eines weiteren ausführlichen Telefonats am Dienstag überzeugte die junge und freundliche Frau die Nienburgerin davon, dass ihr ein Koffer mit Bargeld zugestellt werden soll. Lediglich dessen Transport müsste die Seniorin bezahlen und versichern – und zwar durch den Kauf sogenannter „Google Play“-Karten im Wert von mehreren Hundert Euro. Nach Übermittlung der entsprechenden Entwertungscodes an die Anruferin stünde der Auslieferung des Geldes nichts mehr im Wege.

Ein Geschenk für Kinder und Enkelkinder

Beseelt von dem dringenden Wunsch, ihren Kindern und Enkelkindern in dieser außergewöhnlich schwierigen Zeit ein finanzielles Geschenk machen zu können, machte sich die 78-Jährige auf den Weg, die Bedingungen zu erfüllen. In mehreren Supermärkten kaufte sie die beschriebenen Karten, rubbelte die Codes frei und gab die Daten zur Wertstellung per Telefon weiter. Währenddessen fiel der Anruferin am anderen Ende ein vermeintlicher Zahlendreher ins Auge und verkündete: „Es sind sogar 93 000 Euro, die Ihnen zustehen.“ Um den Koffer zu bekommen, müssten lediglich weitere Karten gekauft und entwertet werden.

Vermeintlicher Zahlendreher: 93000 Euro Gewinn statt 39000 Euro

Wieder machte sich die gutherzige Nienburgerin auf den Weg. Die Freude darauf, ihrer Familie ganz bald etwas Gutes tun zu können, übertönte währenddessen die leise warnende Stimme in ihrem Kopf. In vier Supermärkten kaufte sie weitere Karten von beträchtlichem Wert. Bereits bei ihrem ersten Besuch im Supermarkt Rewe in der Hannoverschen Straße war eine Kassiererin auf den ungewöhnlichen Einkauf der Seniorin aufmerksam geworden. Auf Nachfrage versicherte die gut instruierte Seniorin jedoch, die Karten seien für ihre Enkelkinder.

Warnende Stimme im Kopf ignoriert

Beim zweiten Kauf von Wertkarten nur wenige Stunden später wurde die Kassiererin aktiv und wandte sich an die Inhaberin des Marktes, Britta dos Santos. Die hatte von der Betrugsmasche mit den Karten schon einmal gehört und meinte sogar, die Familie der Kundin zu kennen. Die angerufene Schwiegertochter der Seniorin bestätigte die vermuteten Personalien, reagierte jedoch ungläubig: „Meine Schwiegermutter fällt auf so einen Trick aber nicht herein.“

Kassiererin und Supermarkt-Inhaberin informieren Schwiegertochter

Doch sie war es tatsächlich. Ein Schaden im niedrigen vierstelligen Bereich war bereits entstanden. Die Codes waren übermittelt, das Geld unwiederbringlich verloren. Den Teil der Karten, den die Seniorin im Rewe gekauft und noch nicht entwertet hatte, stornierte und erstattete die Inhaberin sofort. Ob auch die übrigen nicht entwerteten Karten aus anderen Supermärkten storniert werden, ist noch nicht klar.

Anzeige gegen Unbekannt

Die Geschädigte erstattete mithilfe ihrer Schwiegertochter online eine Anzeige gegen Unbekannt. „Nur eine Stunde später standen Polizisten bei meiner Schwiegermutter vor der Tür“, berichtet die Schwiegertochter, die froh darüber ist, dass die Einkäufe der Seniorin der Kassiererin aufgefallen sind.

Polizei warnt vor Telefonbetrug

Das Betrugsdezernat der Polizei Nienburg arbeitet jetzt daran, die Täter zu ermitteln. Polizeihauptkommissar Daniel Jahn, Sprecher der Polizei und aktiv im Präventionsteam, erklärt dazu: „In einer anonymen Großstadt wäre das ungewöhnliche Verhalten der Seniorin vermutlich niemandem aufgefallen und vielleicht ein weitaus größerer Schaden entstanden.“ Aus diesem Grund spricht er eine deutliche Warnung davor aus, Gewinnbenachrichtigungen am Telefon entgegenzunehmen. „Vor allem dann nicht, wenn Sie an gar keinem Gewinnspiel teilgenommen hatten und vor der Auszahlung Gebühren bezahlen sollen.“

Bei zweifelhaften Gewinnbenachrichtigungen die Polizei um Rat fragen

Dennoch brauche niemand glauben, er sei vor den Methoden der geübten Täter gefeit. Es gebe absolut keinen Grund, sich zu schämen, wenn man einem Betrug tatsächlich auf den Leim gegangen sei. Ausdrücklich bietet der Kommissar an: „Erstatten Sie in jedem Fall Anzeige. Oder noch besser: Wenn Sie angerufen werden oder eine E-Mail mit Gewinnbenachrichtigung erhalten, wenden Sie sich an die Polizei. Hier erhalten Sie jederzeit Auskunft darüber, ob die Nachricht ernst zu nehmen ist, oder ob die Gefahr besteht betrogen zu werden.“

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