Ortstermin mit Künstler und einem Modell des Stadtreliefs in Originalgröße

Nienburger Stadtmodell: Zentimeter machen den Unterschied

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Horst Prüfer (Vorsitzender des Kulturausschussses), Werner Junack und Klaus Lünstedt (Präsident der Historischen gesellschaft) lassen sich von Bildhauer Egbert Broerken (2.v.l.) das Modell erklären.

Nienburg - Von Leif Rullhusen. Nienburg wird um eine kleine Attraktion reicher. Einen Vorgeschmack darauf gab am heutigen Mittwoch ein Ortstermin auf dem Wochenmarkt der Stadt.

Bildhauer Egbert Broerken war dazu mit einem Modell des Kunstwerkes in Originalgröße, das zukünftig die Innenstadt bereichert, angereist, um es am zukünftigen Ausfstellungsort zu präsentieren. Seit Monaten arbeitet der Künstler aus Soest im Auftrag der Historischen Gesellschaft zu Nienburg an dem 3D-Bronze-Tastmodell, das die Innenstadt im Jahr 1643 zeigt.

Die Innenstadt im Jahr 1643.

Auf einer etwa einem Mal einen Meter großen, 120 Kilo schweren Fläche laden historische Gebäude, Straßenzüge, Gassen und Plätze zu einem Spaziergang per Fingerkuppe ein. Das Geniale daran: Auch Menschen mit Sehbehinderung können die Nienburger Altstadt, wie sie vor 400 Jahren aussah, auf diese Weise erfühlen. „Es ist mehr als ein Kunstwerk und soll benutzt werden“, erklärt Werner Junack, der Vorsitzende des Fördervereins der Historischen Gesellschaft. Der Verein regelt die Finanzierung und die Realisierung des Projekts.

Die Gestaltung eines solchen Modells im Maßstab 1:650 ist überaus aufwendig. Etwa ein Dreivierteljahr benötigt Broerken für das Projekt. So erfordert die Herstellung der maßstabsgetreuen Bauwerke einschließlich kleinster Details und Beschriftung – auch in Blindenschrift – bis zum fertigen Bronzemodell enormes Know-how.

Voraussichtlich im Juni startet die Zeitreise ins Nienburg des 17. Jahrhunderts. Wo ganz genau sie dann beginnt, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Es geht um einige Zentimeter, maximal um eineinhalb Meter. Eigentlich bestimmt ein im November gefasster politischer Beschluss die Positionierung des historischen Bronzemodells, das Nienburg im Jahr 1643 zeigt. Vor dem GBN-Gebäude in der Langen Straße 31/33 – dem zukünftigen Standort der Wissensburg also – soll es demnächst auf einem Sandsteinsockel ruhend, einen plastischen Ausflug in die Vergangenheit gewähren. Von dort aus ließen sich die historischen Bauwerke mit dem aktuellen Stadtbild perfekt vergleichen. „Die Blickachse ist hier ideal“, weiß Junack.

Manchmal machen Kleinigkeiten aber große Unterschiede. Stadtverwaltung und Politik legten den Aufstellungsort vor der Hausnummer 33 direkt neben einem Baum fest. Es sei ein guter Kompromiss für alle Beteiligten, da kein Marktstand weichen müsste, zugleich aber die der Historischen Gesellschaft wichtigen Sichtachsen gegeben seien, ist Wolfgang Lange, Leiter des Fachbereichs Kultur überzeugt von der Entscheidung.

Die Historische Gesellschaft hätte das Modell dagegen lieber ein klein wenig nach Norden gerückt – eineinhalb Meter nach Möglichkeit. Der von dieser Verschiebung betroffene Marktstand könnte nach Vorstellungen von Junack auf die ehemalige Bushaltestelle an der Einmündung zur Weserstraße ausweichen. Aktuell versperre er an den Marktagen die Sicht vom Modell auf den Markplatz sowie in die Lange Straße. Wolfgang Lange sieht aufgrund des politischen Beschlusses keinen Anlass für eine derartige Verlegung. Ein paar Zentimeter seien aber denkbar. Er betonte, dass der Ortstermin nicht von der Stadtverwaltung sondern der Historischen Gesellschaft initierrt worden sei. Seitens der Stadt gebe es keinen Grund, die politische Entscheidung erneut zu diskutieren.

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