Impfstoff ist da – Impfempfänger fehlen

Nienburgs Landrat kritisiert Chaos bei Impfterminvergabe

Das Impfzentrum in Drakenburg
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Die ersten Astrazeneca-Impfdosen sind im Drakenburger Impfzentrum bereits eingetroffen.

Landrat Detelv Kohlmeier ist sauer. Im Drakenburger Impfzentrum wartet der Corona-Impfstoff von Astrazeneca, aber das Land Niedersachsen liefert keine Impfempfänger.

  • Landkreis erwartet in den nächsten Wochen 5000 Astrazeneca-Impfdosen
  • Impffiasko: Probleme vom Land Niedersachsen nicht gelöst
  • Kohlmeier: „Das macht mich regelrecht wütend“.

Landkreis - von Leif Rullhusen. Im Impfzentrum Drakenburg sind die ersten Dosen des Astrazeneca-Impfstoffes bereits eingetroffen. „Mit weiteren werden wir regelmäßig beliefert“, berichtet Landkreissprecher Cord Steinbrecher. Der Landkreis erwartet in den nächsten Wochen insgesamt rund 5000 Dosen. Um diesen Kapazitäten gewachsen zu sein, erweitert der Landkreis derzeit das Impfzentrum und optimiert die Abläufe im Gebäude.

Durchbruch offenbart sich als Impffiasko

Was nach einem Durchbruch bei den schleppend gestarteten Corona-Impfungen aussieht, offenbart sich allerdings immer mehr als Impffiasko. Denn es gibt keine Impfempfänger für den Wirkstoff von Astrazeneca, der nur für Personen zwischen dem 18. und 65. Lebensjahr zugelassen ist. Das vom Land Niedersachsen bisher nicht gelöste Problem: Aktuell werden nur über 80-jährige Menschen der höchsten Prioritätengruppe geimpft. Für die ist der Impfstoff von Astrazeneca aufgrund ihres Alters aber nicht zugelassen.

Hotline empfiehlt Anrufern, direkt ins Impfzentrum zu fahren

Die Vergabe von Impfterminen obliege nach wie vor ausschließlich dem Land Niedersachsen, erklärt Steinbrecher. Der eigentlich berechtigte Personenkreis für Astrazeneca werde von der Impfhotline des Landes aber bislang abgewiesen. Dort können sich derzeit nur über 80-jährige Impfwillige anmelden. Steinbrecher berichtet von mehreren Fällen, bei denen die Hotline abgewiesenen Anrufern empfohlen hat, einfach zum Impfzentrum zu gehen. Der Landkreis hat die Hotline daraufhin selbst angerufen. „Mit dem gleichen Ergebnis. Uns wurde ebenfalls vorgeschlagen, direkt zum Impfzentrum zu fahren. Das geht gar nicht. Weder der Landkreis, noch das Gesundheitsamt, noch das Impfzentrum selbst können oder dürfen Termine an Einzelpersonen vergeben“, schimpft Steinbrecher.

Am 27. Dezember trafen die ersten Impfdosen von Biontec/Pfizer ein. Knapp 6000 sind bislang verimpft.

Landrat Detlev Kohlmeier ist wütend

Deutliche Worte findet auch Landrat Detlev Kohlmeier: „Wenn jetzt tausende Impfstoff-Dosen der Firma Astrazeneca nicht verimpft werden können, weil nicht aufgeklärt ist, wie die Termine vereinbart werden sollen, dann macht mich das regelrecht wütend“, macht er seinem Unverständnis Luft. „Besonders ärgert mich daran, dass sinnvolle und pragmatische Lösungsvorschläge der Landkreise seitens des Landes nicht aufgegriffen werden. Es stünde dem Land gut an, mehr auf die kommunale Expertise zu vertrauen.“

„Ein zeitraubendes und aufwändiges Prozedere“

Der Landkreis Nienburg soll nun im Auftrag des Landes auf bestimmte Personen- und Berufsgruppen zugehen und ein Impfangebot unterbreiten. Nach dieser Abfrage sollen die Termine im Online-Portal des Landes eingestellt werden. „Ein zeitraubendes und aufwändiges Prozedere“, bemängelt Steinbrecher.

Anfrage vom Blickpunkt beim Gesundheitsministerium blieb unbeantwortet

„Besser wäre es aus meiner Sicht, schnellstmöglich die Hausarztpraxen in die Impfkampagne mit einzubeziehen. Dazu braucht es keine Modellversuche, sondern entschlossene Taten. Das Land wird nicht jede einzelne Dosis persönlich kontrollieren können. Ich erwarte von der Landesregierung, dass sie hier ihre ablehnende Haltung aufgibt“, ergänzt Kohlmeier. Eine Anfrage des Blickpunktes bei der Pressestelle des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung zu diesen Problemen bei der Impfvergabe war nur per E-Mail möglich und blieb bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.

Erstimpfungen in Pflegeeinrichtungen fast abgeschlossen

Unabhängig von diesen Schwierigkeiten laufen die Impfungen mit dem Wirkstoff von Biontech/Pfizer im Landkreis Nienburg weiter. In der ersten Woche wurden 317 und in der zweiten Woche 480 Dosen in Drakenburg verimpft. „Ab nächste Woche werden es nochmals mehr“, versichert Steinbrecher. Zudem seien die Erstimpfungen in 27 von 28 Pflegeeinrichtungen abgeschlossen. „Das bedeutet natürlich nicht, dass sämtliche Bewohner geimpft sind“, verdeutlicht der Landkreissprecher. „Alle, die geimpft werden konnten und auch wollten, haben eine Spritze bekommen.“ ‹

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