Ein Kreuz mit Konsequenzen

Nienburgs Polizei startet Nachwuchsinitiative: „Mit Sicherheit von Hier“

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Nienburgs Polizei setzt mit der Initiative „Mit Sicherheit von hier“ auf lokale Nachwuchsförderung. Joshua und Gabriela Mielke sowie Frank Kreykenbohm (v.l.).

Nienburg - Von Leif Rullhusen. Wer sich an Niedersachsens Polizeiakademie bewirbt, kann gleich zu Beginn einen Fehler mit Langzeitfolgen machen. Eine Unachtsamkeit mit Konsequenzen für angehende Gesetzeshüter und für Nienburgs Polizei. Die Absolventen landen, wenn sie auf der ersten Seite der Bewerbungsbögen ein unüberlegtes Kreuz setzen, nämlich nicht in ihrer gewünschten Polizeiinspektion.

Unter anderem dieser Fehlerquelle will die Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg nun mit der Nachwuchskampagne „Mit Sicherheit von Hier“ entgegenwirken. Ein kleines Team, bestehend aus den den vier Nienburger Polizisten Gabriela, Jörg und Joshua Mielke sowie Stefan Karbaum hat die Initiative entwickelt und realisiert. Sie will junge Menschen aus dieser Region für den Polizeidienst in dieser Region interessieren. Als Kommunikationsplattform setzt das Quartett auf einen modernen Online-Auftritt, auf soziale Medien und das Videoportal Youtube. 

Dort sollen vor allem kurze Spots Überzeugungsarbeit leisten. Junge Polizisten, unter anderem Joshua Mielke, schildern ihre Begeisterung für den Beruf in ihrer Heimatregion. Mielke zum Beispiel ist in der Freiwilligen Feuerwehr Heemsen aktiv. „Das ehrenamtliche Engagement lässt sich hervorragend mit der Polizeiarbeit kombinieren“, berichtet er. Probleme, für Einsätze oder Lehrgänge freigestellt zu werden, gebe es bei der Polizei nicht.

Probleme bei der Wahl des zukünftigen Dienstortes dagegen schon: Gleich auf der Titelseite der Bewerbungsunterlagen für die Polizeiakademie müssen sich Kandidaten für eine der sechs Polizeidirektionen – unter anderem Göttingen und Hannover – in diesem Bundesland entscheiden. Dort werden sie nach dem Studienabschluss ihren Dienst leisten. 

Mit einem einzigen Kreuz legen sich Bewerber fest, wo sie später auf Verbrecherjagd gehen. „Wir gehören zu Göttingen“, erklärt Nienburgs Polizeichef Frank Kreykenbohm. „Weil Hannover aber vor der Tür liegt und Göttingen relativ weit weg ist, setzen viele Bewerber aus dieser Region ihr Kreuz bei Hannover. Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf und unser Nachwuchs versieht seinen Dienst in Hannover“, schildert Kreykenbohm. „Es ist eine Abwanderung aus Unkenntnis.“

Die Folgen spürt die Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg deutlich. Ebenso, wie Nienburgs Polizistennachwuchs in der Landeshauptstadt landet, beginnen Absolventen der Polizeiakademie in Nienburg ihren Dienst, die es eigentlich in die Göttinger Region zieht. Häufig lassen diese sich innerhalb des Direktionsbereiches nach zwei bis drei Jahren dorthin versetzen. Kreykenbohm: „Wir haben einen Schwund von bis zu zwei Drittel aller jungen Kollegen.“

„Mit Sicherheit von Hier“ soll das zukünftig verhindern oder zumindest eindämmen. Die Polizeiinspektion erwartet in den kommenden Jahren einen immensen Personalbedarf. „Die Demografie wird uns bis zum Jahr 2025 etwa 35 Prozent unseres Personals kosten“, rechnet Nienburgs Polizeichef vor. Diese Lücke will die Polizeiinspektion nach Möglichkeit mit lokalem Nachwuchs kompensieren. „Junge Kollegen aus dieser Region können sich besser auf die Mentalität der Menschen vor Ort, vor allem in den ländlich geprägten Bereichen einstellen“, ist Kreykenbohm überzeugt. Idealerweise spreche ein Kollege sogar plattdeutsch. Einen Einblick in das Leben eines glücklichen „Dorfpolizisten“ gibt es hier.

Das Abitur ist keine Einstellungsvoraussetzung. „Wir bilden auch Realschüler aus“, berichtet der Leiter der Polizeiinspektion. Die müssen vor dem Besuch der Polizeiakademie an der Fachoberschule für Wirtschaft und Verwaltung in Hannover ihre Fachhochschulreife erwerben und parallel ein Polizeipraktikum absolvieren. „Das ist mitunter sogar der bessere Weg, weil diese jungen Menschen vor dem Studienbeginn schon einen Einblick in die praktische Polizeiarbeit bekommen haben“, weiß Kriminalhauptkommissarin Gabriela Mielke.

Egal, wie der Weg in den Polizeidienst verläuft – für alle Bewerber ist gleichermaßen wichtig, dass sie zu Beginn bei der Wahl der Polizeidirektion ihr Kreuz richtig setzen. Weitere Informationen über die Kampagne finden Interessierte online unter www.mit-sicherheit-von-hier.de.

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