Fraktion stellt entsprechenden Antrag im Stadtrat

Nienburgs Politik sagt Schottergärten den Kampf an

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Drei kleine Büsche fristen ihr Dasein in dieser Steinwüste.

Nienburg - von Leif Rullhusen. „Gärten des Grauens“ heißen sie im allgemeinen Sprachgebrauch. Gemeint sind Steinwüsten, in denen jedes Insekt qualvoll verhungern würde.

„Gärten des Grauens“ heißen sie im allgemeinen Sprachgebrauch. Gemeint sind Steinwüsten, in denen jedes Insekt qualvoll verhungern würde. Kein Wunder, dass vor allem Naturschutzverbände auf dieses Problem vermehrt aufmerksam machen. „Sie sind schlecht, völlig lebensfeindlich“, findet der Nienburger BUND-Vorsitzende Jörg Brüning klare Worte. „Gerade Hausgärten sind als Rückzugsort für Wildbienen besonders wichtig.“

Einöden geraten ins Visier der Politik

Jetzt geraten diese Einöden verstärkt ins Visier der Nienburger Politik. Die WG-Stadtratsfraktion wird in der Ratssitzung am kommenden Dienstag einen Antrag stellen, der Schottergärten zukünftig bereits durch die Bauleitplanung der Stadt einschränkt. „Wer mit offenen Augen durch die Stadt fährt, sieht dass auch in Nienburg in den Privatgärten immer mehr Schottergärten und gepflasterte Flächen angelegt werden“, begründet der WG-Fraktionsvorsitzende Frank Podehl den Antrag seiner Partei. „Darunter leidet die Biodiversität immens.“ Aus ökologischer Sicht schaden sie Pflanzen, Insekten und der Vogelwelt.

Hier lebt gar nichts.

Der „Antrag auf Einschränkung von Schottergärten und Erhöhung der Biodiversität durch Bauleitplanung“ beinhaltet zwei wesentliche Punkte. Zum einen soll die Stadtverwaltung prüfen, wie die Gestaltung von Vorgärten mit Steinen, Kies, Schotter oder ähnlichen Baustoffen in zukünftigen Bebauungsplänen ausgeschlossen werden kann. Zum anderen soll eine Aufklärungskampagne ins Leben gerufen werden, die pflegeleichte, aber ökologisch wertvolle Alternativen zeigt. „Es gibt sehr gute Möglichkeiten, einen Garten pflegeleicht zu gestalten und gleichzeitig Biodiversität umzusetzen“, erklärt Podehl.

„In unserem naturnahen Schau- und Lehrgarten ist ein Vorgarten in Planung, wie er sein sollte. Ein solcher Garten lässt sich auch mit wenig Aufwand gestalten und pflegen“, berichtet der BUND-Vorsitzende Brüning.

"Blühflächen sind sogar pflegeleichter"

„Auf lange Sicht sind Blühflächen sogar pflegeleichter als Schottergärten“, ist Peter Schmithüsen, Fraktionschef der Grünen, überzeugt. Seine Partei beschäftigen sich seit geraumer Zeit intensiv mit dem Thema. „Viele empfinden Blühflächen, vor allem wenn sie ausgeblüht sind, als ungepflegt“, erklärt Schmithüsen. Diesbezüglich müsse sich das Bewusstsein bei den Menschen ändern. Ein Umdenkungsprozess setze allerdings erst langsam ein.

Die Grünen hatten sich zunächst dagegen entschieden, einen Antrag hinsichtlich des Umgangs mit Schottergärten zu stellen. „Wir wollten das zuerst im entsprechenden Fachausschuss diskutieren“, erläutert Schmithüsen.

Jörg Brüning ist sich sicher, dass die Stadt Nienburg bereits jetzt aktiv werden könnte – auch bei bestehenden Gärten auf Privatgrundstücken. „Die Niedersächsische Bauordnung gibt es schließlich schon“, erklärt der BUND-Vorsitzende. Und in der stehe deutlich, dass nicht überbaute Flächen von Baugrundstücken Grünflächen sein müssten. Auf diesen Flächen müsse Vegetation überwiegen. „Verständlicherweise neigen die Kommunen aber nicht dazu, den Bürgern in ihre private Gartengestaltung hineinzureden.“ Dennoch ist Brüning überzeugt, dass Städte und Gemeinden das Problem mittlerweile erkannt haben.

Hier verhungert jedes Insekt: Biodiversität sieht anders aus.

Anscheinend auch in Nienburg: „Im Zuge von zukünftigen Bebauungsplanverfahren werden wir solche Gärten durch textliche Festsetzungen einschränken“, erklärt Maximilian Örtel vom Sachgebiet Stadtplanung und Umwelt. Dann könnten Verstöße entsprechend geahndet werden. Damit hat Örtel den WG-Antrag schon fast vorweggenommen.

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