Musiker ‘Niki Tall’ ist in der Afrobeat-Szene ein bekannter Künstler

„Best African Act“ kommt aus Nienburg

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Niki Tall – Nicolas Georgakis – ist in Westafrika mittlerweile eine bekannte Musikgröße. Doch auch in seiner Heimatstadt Nienburg ist der Produzent, DJ und Sänger kein Unbekannter.

Nienburg - von Kristina Stecklein. Sich an einem Sonntag gemütlich auf das Sofa werfen, die Füße hochlegen und den Fernseher zur reinen Beschallung laufen lassen – das sei wohl keinem nach einer anstrengenden Woche vergönnt. Nicolas Georgakis kennt das nicht. Mit einem Lächeln sagt er: „Dafür ist keine Zeit.“ Der 26-jährige Nienburger ist nämlich ein wahres Musik-Allround-Talent: Er ist DJ, Produzent und Sänger zugleich.

„Ich bin in einer Musikfamilie aufgewachsen“, erklärt Georgakis seine Vorliebe für Klänge und Instrumente. Seine Mutter ist Deutsche, der Vater Grieche – deshalb der Nienburg ist er immer treu geblieben. „Nienburg ist meine Heimat. Ich bin hier aufgewachsen“, betont der Musiker.

Erfolg per Mausklick

In der ehemaligen Sulinger Discothek „Kreml“ – heute „Nachtwerk“ – sei der Nienburger schließlich zum ersten Mal mit Afrobeat-Music in Berührung gekommen. Ein prägender Moment, wie sich nur wenige Jahre später herausstellen sollte. Der Erfolg begann allerdings „per Klick“. „2008 habe ich mein allererstes Video auf Youtube hochgeladen. Das war ein Cover von 9ice, ‘Gongo aso’“, erinnert sich der 26-Jährige und kann bis heute eine beachtliche Klickzahl vorweisen: 185 000 mal wurde es bereits aufgerufen.

„Das war ein Video aus dem Kinderzimmer heraus, einfach just for fun. Da war keine Absicht, groß etwas zu erreichen“, sagt Georgakis bescheiden. Stück für Stück habe er sich die Sprache selbst beigebracht. „Das ist wie bei ‘Macarena’. Man singt immer mit, obwohl man den Text gar nicht kennt.“ Auf Yoruba – so lautet die nigerianische Stammessprache – aber auch im nigerianischen „Pidgin English“ schreibt und singt der Künstler seine Songs. „Das ist ähnlich wie das Jamaica-English, sozusagen Slang“, erklärt der 26-Jährige.

Auf einem Markt in Nigeria hat der 26-jährige Deutsch-Grieche 2015 einen kleinen Sketch zur Stammessprache gedreht.

Vor sieben Jahren startete Georgakis als DJ durch, 2014 und 2015 wuchs seine Bekanntheit in Nienburg. Er begann mit Covern, ging über zu Remixen und plante auf lange Sicht auch eigene Songs zu produzieren. Viel Arbeit, die auf Georgakis Schultern lastet. „Da kommst du nur hin, wenn du nicht schläfst“, sagt er lachend. Neben seiner Musikkarriere hat der Deutsch-Grieche nämlich zusätzlich einen ganz „normalen“ Job. „Ich arbeite bei BASF als Produktionsmitarbeiter im Schichtbetrieb“, erzählt Georgakis. „Viele fragen mich ‘Kannst du nicht auch schon von der Musik leben?’ Aber ich bin so erzogen worden, dass man einen geregelten Lebensablauf haben muss. Schule, Ausbildung, Beruf“, schildert der 26-Jährige ernst. Unter finanziellen Leistungsdruck, da ist sich Georgakis sicher, könne er nämlich nicht kreativ arbeiten.

WDR nennt ihn „Afrobeat-Star“

Auch in Kanada stand der Nienburger schon auf der Bühne.

Mit seiner Musik ist der Nienburger schon über die ganze Weltkugel gereist. „Außer Südamerika und Fernostasien war eigentlich fast alles dabei“, zählt Niki Tall – Georgakis Künstlername – auf. In Nigeria war der Musiker das erste Mal 2015, auch mit Covern er in dem Jahr wieder angefangen. 2016 folgte die erste Single, dann das erste Konzert in Lagos – der bevölkerungsreichsten Stadt Afrikas. Selbst der WDR wurde auf den Künstler aufmerksam. 

Beim Format „Lokalmatadore on Stage“ präsentierte das Funkhaus den Nienburger als „absoluten Afrobeat-Star“. Vor wenigen Wochen schließlich das absolute Highlight: Bei der Diaspo Award Night in Frankfurt, der bekanntesten Verleihung in der afrikanischen Kultur- und Unterhaltungsszene in Deutschland, erhielt Niki Tall einen Award als „Best African Act“. „Ich bin natürlich stolz, als nicht nigerianischer Künstler Afrika repräsentieren zu dürfen“, gibt er strahlend zu.

Anfang April wird Georgakis als „Best African Act“ ausgezeichnet.

Bei so viel Erfolg schleicht sich der Gedanke ein, dass es möglicherweise Menschen geben könnte, die auf den Durchstarter aus der Kleinstadt an der Weser neidisch sind. Georgakis wartet kurz, ehe er antwortet. „Die Mentalität ist eine andere“, versucht er in Worte zu fassen. „In Deutschland wird in den sozialen Netzwerken weniger supportet.“ Das sei bei der nigerianischen Fanbase anders: „Der Support ist größer, man bekommt mehr Wärme und Liebe zurück“. Auch seine Freunde mussten sich anfangs an das „Hobby“ gewöhnen, das Georgakis mittlerweile als Zweitjob bezeichnet. „Anfangs war es eher so ‘Versteh ich nicht, kenn ich nicht’ – später haben sie es dann aber sehr ernst genommen“, versichert der 26-Jährige.

Produktion, Management, Booking-Anfragen – all das regelt der Künstler selbst. „Ich habe Zuhause auch ein Studio. Um den produktionstechnischen Ablauf kümmere ich mich“, erklärt er. Professionell aufnehmen – das wollte Georgakis unter allen Umständen. Mittlerweile arbeitet er auch mit anderen Produzenten zusammen, schafft Instrumentale auch für andere Künstler.

Musikvideo in Nienburg gedreht

„Regional Bookings habe ich eigentlich fast jedes Wochenende. In zwei Wochen bin ich in Istanbul, im Juni folgt dann fast eine kleine Deutschlandtour vom Norden bis in den Süden, im Juli Kanada. Und Nigeria ist auch noch geplant“. Ein ziemlich voller Terminkalender, der auch mit neuem Inhalt gefüllt werden will. Für’s „Durchatmen“ bleibt da keine Zeit. Für die letzte Single, die Niki Tall raus gebracht hat, wurde auch ein Musikvideo produziert. 

Nicht am Strand (wie zu seinem Song „Back to Sender“, Video weiter oben), sondern unter anderem in seiner Heimatstadt, in Nienburg. Ans Wegziehen denkt Georgakis nicht. „Ich bin mittlerweile ein international bekannter Künstler geworden. Für meine Sparte ist das aber nicht erforderlich. Hauptsache, man hat einen funktionierenden Internetanschluss. Einen Flughafen gibt es in Bremen und Hannover“, sagt er lachend.

„Mein Job ist hier, ich bin Nienburger – und bin auch gerne hier.“

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