Eystruper Werner Müller feiert Geburtstag

Noch mit 90 ist er der Koch in der Familie

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So kennen ihn viele: Werner Müller in Schützenuniform. Müller war lange Vorsitzender des Schützenvereins Doenhausen und trägt für sein Engagement im Schützenwesen heute zahlreiche Ehrentitel. Dieses Foto hat seine Tochter Ina im Herbst vergangenen Jahres beim Verbandsfest in Gandesbergen gemacht.

Eystrup - Wenn Werner Müller aus Eystrup nach seinem Alter gefragt wird, dann erntet er häufig ein „Wow“, denn er feierte am Ostersonntag seinen 90. Geburtstag. Geboren wurde er 1928 in Seidenberg-Kreuzstadt, das heute in Polen liegt und Zawidow heißt.

Als Kind verbrachte er viel Zeit bei seinen Großeltern, die eine kleine Landwirtschaft betrieben. Nach der Schulzeit absolvierte er ab 1942 eine Lehre als Wollstoffmacher, bevor er 1944 in einem „Wehrertüchtigungslager“ in Polen zum Funker und Fernsprecher ausgebildet wurde und im August, mit 16 Jahren, eine Einberufung als Luftwaffenhelfer in Dresden erhielt. Dort absolvierte Werner Müller eine Ausbildung als Flak-Schütze. Mit diesem fragwürdigen Können wurde er gegen Tieffliegerangriffe beim Gaswerk und auf dem Flugplatz in Dresden eingesetzt.

Im Februar 1945 erlebte er den Großangriff auf die Stadt mit. „Es war die Hölle“, sagt er. Die russische Armee war zu diesem Zeitpunkt schon an der Elbe, und im Mai geriet Werner Müller in russische Gefangenschaft, in der er vier lange Jahre verbrachte. Als er frei kam, war er 21 Jahre alt und um seine Jugend betrogen.

In der Gefangenschaft hatte sich Werner Müller fast ausschließlich von trockenem Brot und Wasser ernährt. Und selbst davon war nie genug da, erinnert er sich.

In Eystrup die geflohene Mutter wiedergefunden

Als Schwerkriegsgeschädigter kehrte er aus der Gefangenschaft zurück. In Eystrup fand er seine Mutter wieder, die dorthin geflohen war. Nach einem halben Jahr Arbeitsunfähigkeit und einem weiteren halben Jahr Arbeitslosigkeit fand er für eine kurze Zeit eine Beschäftigung als Jockey und bewegte Rennpferde. Den Umgang mit den Tieren hatte er 1943 bei der Reit- und Fahrschule in der Kreisstadt Lauban gelernt.

Als dann in Hoya eine kleine Gardinenweberei eröffnete, fand Werner Müller dort eine feste Anstellung und wurde schon nach kurzer Zeit Schichtführer. 1953 machte der Eystruper an der Textil-Ingenieur-Schule in Neumünster seinen Meister und übernahm bei der Eystruper Firma Otto Riedel (später Gardisette) einen Job als Schichtführer und Meister. Als Betriebsrat setzte er sich für seine Kollegen ein.

1952 lernte Werner Müller beim Tanzen seine spätere Frau Helga kennen, die er 1962 heiratete. Zusammen unternahmen sie viele Fahrten mit seinem Motorrad. 1963 wurde ihre Tochter Ina geboren, ein Jahr später ihr Sohn Ralf.

„Vater der Modellbauer“

1988, mit 60 Jahren, ging Werner Müller in den Ruhestand – aber nur beruflich. Schon in den 60er-Jahren hatte er begonnen, sich dem Modellbau zu widmen, baute Flugzeuge und Boote der unterschiedlichsten Art und wurde in Eystrup „Vater der Modellbauer“. Viele eiferten ihm nach, und so traf man ihn und Gleichgesinnte sehr häufig in der Wesermarsch auf den Wiesen oder an der Kieskuhle.

Auch wenn Werner Müller den Modellbau schon vor längerer Zeit aufgegeben hat – so ganz ohne kann er nicht. Manchmal lässt er eine Mini-Drohne um die Lampen in seinem Wohnzimmer kreisen. Und die größeren Drohnen mit Kamera findet er höchst interessant.

Ein weiteres Hobby begleitet ihm bis heute: das Schießen. Nachdem sein Sohn einst Jugendkönig im Schützenverein Doenhausen geworden war, schafften es die Vereinsmitglieder, Werner und Helga Müller in den Verein zu locken. Kurz nach der Aufnahme übernahm Werner Müller bereits das Amt des Schriftführers, und nach dem Tod des damaligen Vorsitzenden Gerhard Kaup wurde er Vorsitzender. 

Müller pflegt sein Morgenritual

Bis 1996 leitete Werner Müller die Geschicke des Schützenvereins Doenhausen, bevor er das Amt an seine Tochter weitergab und zum Ehrenvorsitzenden wurde. Ehrenmitglied ist Müller auch im Weser-Aller-Wümme Schützenverband und im Schützenverband Weser. Der Schützenkreis Nienburg machte ihn zum Ehrenrat. Bis vor rund anderthalb Jahren nahm er aktiv an Pokalschießen teil. Nach einer Augen-OP kann er dies aktuell nicht.

Auch mit 90 Jahren ruht sich der Eystruper noch nicht aus. Jeden Morgen trifft man ihn im Ort auf dem Weg zum Einkauf und zum Zeitungholen. Zu Hause kocht er für seine Frau und seine Tochter.

Seinen Geburtstag hat er zunächst nur klein gefeiert, weil seine Frau wegen eines geplanten Krankenhausaufenthalts in Soltau weilt. Dafür lädt er später „seinen“ Verein und Ehrengäste in das Schützenhaus ein, um gemeinsam auf die neunte Null anzustoßen.

Quelle: kreiszeitung.de

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