Geplante Schließung der beiden Freibäder in Steyerberg erhitzt die Gemüter

„Noch ist nichts endgültig entschieden“

Steyerberg - Von Julia Kreykenbohm. Sommer, Sonne, Spaß, im Wasser planschen, Eis essen und Freunde treffen – das sind wohl die Bilder, die die meisten Menschen mit dem Begriff Freibad verknüpfen. Und an „ihrem“ Freibad – also das im Heimatort – hängen häufig viele Kindheitserinnerungen.

Vielleicht besucht man inzwischen sogar das Bad schon mit seinen eigenen Sprösslingen. Verständlicherweise kochen dann die Emotionen kräftig hoch, wenn das Wort „Schließung“ durch den Raum geistert. Und das tut es zurzeit im Flecken Steyerberg.

Sowohl das Freibad Steyerberg als auch das Bad im Ortsteil Deblinghausen sollen geschlossen werden, lautet ein Vorschlag der Verwaltung, der bereits für reichlich Wirbel sorgt. Ein Vorschlag, der Bürgermeister Heinz-Jürgen Weber nicht leicht fällt. „Natürlich würde ich am liebsten beide offen lassen, aber der Blick auf den Haushalt des Fleckens zwingt uns dazu, einzusparen.“

Die finanzielle Situation habe sich nämlich erheblich verschlechtert. Ein Beispiel: Im Jahr 2011 nahm Steyerberg 5,8 Millionen Euro an Gewerbesteuern ein. 2017 werden es nur noch 1,7 Millionen sein. Nun müsse man die Infrastruktur der Realität anpassen. Denn obwohl beide Freibäder gut besucht werden, muss der Flecken kräftig zuschießen. „Im vergangenen Jahr kamen 11 000 Menschen in das Bad Deblinghausen (130 Tage geöffnet) und 15 000 in das in Steyerberg (78 Tage). Für beide Bäder zahlen wir dennoch pro Jahr insgesamt 340 000 Euro.“

Weber vergleicht die Situation des Fleckens mit einer Familie, die sich jahrelang vieles leisten konnte, weil der Vater gut verdiente. Dann wird er arbeitslos. „Auch diese Familie wird dann auf einige Dinge verzichten müssen, damit sie sich nicht verschulden“, sagt Weber. Und er will als Verwaltungschef auf keinen Fall Steyerberg hoch verschuldet an die nächste Generation übergeben. „Wir haben schließlich eine Verantwortung.“

Freibäder gehören zu den freiwilligen Leistungen einer Kommune. Und da es Webers Ansicht nach viele Freibäder im Umkreis gibt, habe man sich dazu entschlossen, auf diese am ehesten verzichten zu können. „Innerhalb von 15 Minuten kann man von Steyerberg aus in einem Freibad sein, beispielsweise in Kirchdorf.“ Außerdem halte er es für besser, die Gelder nur aus einem Bereich zu streichen, anstatt überall ein bisschen zu kürzen, zum Beispiel bei den Vereinen, die die Kommune auch mit kleinen Beträgen unterstützt.

Weber versteht, dass viele Leute aufgewühlt sind und auch um ihre Freibäder kämpfen möchten. Doch die Art und Weise, wie das teilweise geschieht, gefällt ihm nicht. Er vermisst die Sachlichkeit, ganz besonders in sozialen Netzwerken, wo mit Halbwahrheiten oder auch völlig falschen Informationen argumentiert werde. Stimmungsmache und Emotionen, statt Fakten. „Einige sagen auch, dass die Kommune an Attraktivität verliert und niemand mehr hierherkommt. Dann weise ich darauf hin, dass in all den Jahren, in denen wir die beiden Bäder hatten, auch nicht mehr Leute hierhergezogen sind.“

Doch noch sei nichts entschieden, betont Weber. Die beiden Fördervereine der Freibäder haben bis zum 15. März Zeit, neue Konzepte zu erarbeiten. Konzepte, die vielleicht vorschlagen, wie man Kosten sparen und mehr Besucher locken kann. Diese werden sie im Fachausschuss vorstellen. „Unsere Tür ist offen für Vorschläge, und wenn sie umsetzbar sind, greifen wir sie gerne auf“, so Weber. Er persönlich würde sich darüber freuen, wenn es mit Hilfe dieser Konzepte gelänge, beide Freibäder zu erhalten.

Quelle: kreiszeitung.de

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