INTERVIEW

Björk Gumz erzählt von seinem ungewöhnlichen Hobby: Das Wanderstäbeschnitzen

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Björk Gumz fertigt aus Jungbäumen individuelle Wanderstäbe. Auf dem Foto präsentiert er stolz sein wertvollstes Exemplar mit insgesamt elf Windungen.

Helzendorf - Von Nala Harries. Björk Gumz aus Helzendorf arbeitet hauptberuflich als forstwirtschaftlicher Lohnunternehmer. Passend zu seinem Job, aber doch ein ungewöhnliches Hobby für den Otto Normalverbraucher, schnitzt der 45-Jährige Wanderstäbe. Wie er dazu gekommen ist und welche Arbeit dahinter steckt, hat er der Kreiszeitung in einem Interview erzählt.

Wie sind Sie zu diesem Hobby gekommen?

Ich selber bewege mich gern im Unterholz, auch berufsbedingt, aber in der Freizeit bin ich in der Natur unterwegs und es ist einfach eine Erleichterung, wenn man einen Wanderstab dabei hat und sich abstützen kann. Normale Wege gehe ich nicht, ich gehe querfeldein. Ich habe von Anfang an verschiedene Stabgrößen gehabt, je nachdem, wo ich gerade zuwege bin. 2011 haben meine Frau und ich uns kennengelernt, damals stand bei mir in der Wohnung in jeder Ecke ein Wanderstab. Sie war von denen völlig fasziniert und schlug vor, mein Handwerk auch öffentlich Leuten zugänglich machen. Anfänglich habe ich auf den regionalen Märkten, wo wir mit unserem Imkerstand vertreten waren, auch live welche zurecht geschnitzt, um die Leute, die vorbeilaufen zum Anhalten zu bewegen. Die Männer blieben bei mir stehen, die Frauen waren nach kurzer Zeit aber schon gar nicht mehr interessiert und haben sich dann unserem Honigstand zugewandt und etwas gekauft. Das hat sehr gut funktioniert. Irgendwann wurde ich speziell mit meinen Wanderstäben zu verschiedenen Kunsthandwerk-Märkten und -veranstaltungen eingeladen. Ich hab das eine Zeit lang auch intensiv verfolgt, musste es jetzt aus zeitlichen Gründen jedoch wieder etwas zurückfahren. Aber auf einigen Märkten in Asendorf und Hoya, wie auf dem Erdbeermarkt, dem Weihnachtsmarkt, dem Kartoffelmarkt, dem Frühjahrsmarkt und dem Bauernmarkt bin ich immer noch vertreten. Wenn die Kunden dort nichts finden, können sie auch gern bei mir zu Hause in meinem Repertoire schauen.

Wie sieht der Fertigungsprozess eines Wanderstabs aus?

Es gibt hier in der Umgebung einige Wälder, bei denen ich weiß, an welchen Stellen ich nachgucken muss. Ich habe die Erlaubnis der Waldeigentümer, dort ernten zu dürfen. Zuallererst suche ich nach Jungbäumen, die auch vernünftig bearbeitbar sind. Alles, was zu krumm und zu schief ist, bleibt im Wald. Der Baum muss eine gewisse Länge haben, damit dieser auch später als Wanderstab taugt. Grundsätzlich nehme ich nur Bäume aus dem Wald raus, die ich auch wirklich verarbeiten kann. Zu Hause werden die abgeschnittenen Stämme dann in Rinde weggelegt. Das bedeutet, dass sie nicht sofort geschält, sondern vor der weiteren Verarbeitung noch circa ein Jahr getrocknet werden. Wenn ich sie sofort schäle, und das nicht zum richtigen Zeitpunkt, reißen die Hölzer ein. Sobald die Rinde bearbeitungsfähig ist, löse ich sie mit einer Holzraspel vorsichtig vom Stamm und arbeite später dann noch die Windungen raus. Außerdem sind alle Stäbe mit Leinöl grundbehandelt. Das führt dazu, dass sie witterungsbeständig sind und keinen Holzwurm bekommen. Die Bearbeitungszeit ist unterschiedlich und hängt davon ab, wie viele Windungen der Stab hat und wie filigran ich diese herausarbeiten kann. Rund zwei Stunden dauert es bei ganz simplen Stäben, acht oder neun Stunden brauche ich für kompliziertere Geschichten.

Welche Hölzer sind am besten für einen Wanderstab geeignet?

Von Heimbuche über Rotbuche, Haselnuss, Birke und Eiche, eignen sich im Grunde alle Hölzer dafür. Aber es gibt ein paar Dinge, die man beachten muss. Einige Hölzer sind, wenn sie zu dünn sind, sehr brüchig. Andere sind, wenn sie dünn sind, trotzdem noch elastisch. Es ist wichtig, dass die Wanderstäbe alle stabil genug sind. Bei Haselnuss beispielsweise kann ich relativ viel abschnitzen, da das Holz sehr elastisch und biegsam ist und nicht bricht. Wenn Rotbuche jedoch zu dünn ist, bricht die einfach ab. Man muss eben die Holzarten und deren Eigenschaften kennen. Zu dick und zu schwer darf der Stab auch nicht sein, da er dann unhandlich wird. Ideal ist ein Gewicht von 500 bis 800 Gramm, mehr sollte es nicht sein.

Wann braucht ein Wanderer welchen Stab?

Ist es hügeliger, muss der Stab länger sein, im Flachland reicht auch ein angenehm kurzer Stock. Man brauch den Stab auch hauptsächlich nicht um den Berg hochzukommen, sondern runter. Wenn jemand schon einmal eine extreme Steigung runtergegangen ist, wird er wissen, wie die Waden danach schmerzen. Das liegt daran, dass gegen die Schwerkraft gelaufen wird und deswegen gebremst werden muss, um sich nicht zu überschlagen. Mit dem Stab kann man sich abstützen und entlastet dadurch die Waden. Ist dieser aber zu kurz, macht man die ganze Zeit einen Katzenbuckel.

Wie teuer ist ein Stab?

Es beginnt bei 15 Euro für einen ganz einfachen Stab. Das teuerste Exemplar, was ich momentan im Angebot habe, liegt bei 115 Euro und ist aus einer Roterle. Der Preis hängt neben der Bearbeitungsdauer auch davon ab, wie selten gewisse Exemplare sind. Der Roterlen-Stab hat insgesamt elf Windungen und ist ganz selten. Die Drehungen entstehen durch eine Symbiose aus zwei Pflanzen, und zwar aus einem jungen Baum und dem Waldgeistblatt. Dort, wo das Blatt auftritt, muss auch ein Baum sein und meisten sind das Buchen, Ebereschen, teilweise auch Ahorn oder Haselnuss. Diese Symbiosen kommen häufiger mal vor. Da, wo die Erle aber normalerweise wächst, ist es zu nass für das Waldgeistblatt. Daher ist diese Kombination sehr selten. Entstanden ist sie dadurch, dass die Erle ein bisschen zu trocken stand, das Geißblatt hat es dort aber gerade noch so ausgehalten und ist gewachsen.

Finden Sie viele Abnehmer für die Holzstäbe? Schließlich gibt es etliche Konkurrenzprodukte aus Kunststoff.

Es gibt sehr viele Leute, die etwas Individuelles haben möchten. Ich war auch skeptisch am Anfang, ob das überhaupt Sinn macht. Aber ich habe sehr viele unterschiedliche Kunden, die sich dafür interessieren. Es ist jedes Stück einzigartig und ich denke, das ist auch der besondere Reiz daran. Ein Stab aus Kunststoffstock ist einer von Tausenden, aber der aus Holz ist einmalig. Zudem müssen die Kunden den Stab auch anfassen und sagen „Ja, das ist er“. Die Wahl halbherzig anzugehen, bringt nichts. Ich habe ein paar Lieblingsstäbe, die ich für kein Geld der Welt verkaufen würde. Die sind für mich einfach genau das Richtige, genau meins.

Quelle: kreiszeitung.de

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