Sieben Taten innerhalb von zwölf Tagen

Obdachloser sieht Diebstahl als Ausweg

Symbolbild Justizia
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Weil er ins Gefängnis wollte, steht ein Obdachloser jetzt vor Gericht.

Um ein warmes Bett zu bekommen, beging ein Obdachloser mehrere Diebstähle. Zumeist schlug er in Nienburg zu.

Verden/Nienburg – von Wiebke Bruns. Sieben Taten binnen zwölf Tagen soll ein 36 Jahre alter Beschuldigter verübt haben, der seit Freitag als Angeklagter in einem Sicherungsverfahren wegen Diebstahls und Betrugs vor dem Landgericht Verden steht. Tatort war zumeist Nienburg.

„Ich wollte Ärger machen, um eingesperrt zu werden und ein Bett zu kriegen“, sagte der zuletzt obdachlose Mann am ersten Sitzungstag. Ganz so eilig hatte er es mit dem Einzug in den Knast dann doch nicht. Denn seinem Geständnis zufolge klaute er in zwei Fällen nicht mehr nur aus Autos, sondern fuhr mit diesen davon. Schließlich war zum Tatzeitpunkt Sommer und draußen war es auszuhalten, erklärte der 36-Jährige.

So soll er bei der ersten Tat in der Nacht zum 15. August aus einem Auto an der Stuttgarter Straße ein Notebook geklaut haben. „Das Fahrzeug war offen. Die Tasche mit dem Notebook lag auf der Rücksitzbank“, erklärte er. Von sich wies er, dass die auf dem Rücksitz gefundenen Bierdosen und eine Schnapsflasche von ihm stammten.

In der darauffolgenden Nacht soll er einen Polo geklaut haben. Auf ein älteres Modell lässt der von der Staatsanwaltschaft Verden bezifferte Zeitwert von 500 Euro schließen. „Im Vorbeigehen“ habe er gesehen, dass der Schlüssel steckte. Im Kofferraum landeten dem Geständnis zufolge die bei der folgenden Tat aus einer Garage entwendeten Felgen im Wert von 1600 Euro. „Die sahen wertvoll aus. Ich dachte, damit kriege ich Benzingeld zusammen“, erklärte der gebürtige Pole.

Am selben Tag bekam er das ersehnte Bett. „Ich war zwölf Stunden auf der Zelle, weil ich auf der Autobahn liegen geblieben war.“ Pannenhilfe habe der zufällig vorbeigekommene ADAC geleistet. „Die hatten mich da stehen sehen.“ Es schien so, dass der Fehler behoben war. „Dann sind die weggefahren und der Wagen sprang wieder nicht an.“ Statt gelbem Engel kam dann die Polizei.

Kaum auf freiem Fuß soll er in Stolzenau nachts aus einem Auto ein Portemonnaie mit 15 Euro und Papieren geklaut haben. „Warum habe sie nicht dieses Auto entwendet?“, fragte der Vorsitzende Richter Dr. Andreas Ortmann. „Ich wollte nicht für immer ins Gefängnis. Über Winter war meine Planung.“

Bei der Nienburger Sparkasse soll er am nächsten Tag mit einer Bankkarte und dem Personalausweis 800 Euro abgehoben haben. Mit dem Geld habe er sich „ein paar schöne Tage gemacht.“ Der Vorsitzende wollte wissen wie der damals Obdachlose schöne Tage definiert. „Beim Bäcker frühstücken und solche Sachen halt.“

Eine Woche reichte das Geld offenbar, dann soll er in Nienburg das Verdeck eines Cabriolets aufgeschlitzt haben. Im Innern habe er den Schlüssel liegen sehen, so der 36-Jährige. „Ich wollte rumfahren. Ziellos. Nur weg aus Nienburg.“ Bis Magdeburg ist er gekommen. Dann sei der Tank leer gewesen. Aus einem offen stehenden Auto habe er eine Tüte Brötchen und eine Box Ersatzbirnen geklaut. „Am Smart war das Licht kaputt. Ich hatte Angst, dass die Polizei mich anhält.“

Am selben Tag wurde er festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Mitte Dezember wurde der Mann in eine Klinik verlegt wegen des Verdachts einer „paranoid halluzinatorischen Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis“. Könnte eine Schuldunfähigkeit bedeuten, was in dem Sicherungsverfahren zu klären ist. Genauso die Frage, ob er für die Allgemeinheit gefährlich ist, wovon die Staatsanwaltschaft ausgeht.

Beim Prozessauftakt wirkte der Mann völlig klar, was an Medikamenten liegen soll. „Mein Leben war das reinste Chaos. Mir war alles egal“, erklärte er. Nun wolle er sein Leben wieder auf die Reihe bekommen. Ein Urteil wird nicht vor Ende Mai erwartet.

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