Operation im Kleinstformat

Henry Bockisch stellt seine „Notaufnahme“ vor

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Für feine Bohrungen an Engelskörpern hat Henry Bockisch eine Bohrmaschine mit einem Bohrkopf aus der Zahnmedizin ausgestattet. Mit einer Lupenbrille auf der Nase kann die Operation beginnen.

Hoya - Von Christiane Hüneke-Thielemann. Amputierte Arme, gebrochene Flügel, beschädigte Instrumente: Wenn himmlische Heerscharen oder fleißige Zwerge aus dem Erzgebirge Blessuren haben, finden sie in der Werkstatt der Familie Bockisch aus Nienburg-Erichshagen Heilung.

Henry Bockisch ist nicht nur passionierter Sammler von Erzgebirgsfiguren, er repariert die kleinen Holzfiguren in seiner „Notaufnahme“ auch liebevoll. Einige Exemplare seiner Sammlung sind noch bis zum 4. Februar immer sonntags von 15 bis 18 Uhr im Hoyaer Heimatmuseum (Im Park 1) zu sehen. Eine Führung durch die Sonderausstellung „Zwerge und Engel aus dem Erzgebirge“ bietet Bokisch zudem am 21. Januar um 15 Uhr an.

Angefangen hat alles mit ein paar kleinen Figuren, geschickt von der Verwandtschaft aus der damaligen DDR. „Kleine Zwerge auf Zapfen, ganz fein gearbeitet“, erinnert sich Bockisch an die aus Schnitz- und Drechselkunst entstandenen Figuren. 

Irgendwann fing er an, die Erzgebirgsfiguren samt dazugehöriger Kataloge und Literatur zu sammeln. Dabei stieß er auch auf beschädigte Exemplare – und die begann der gelernte Fernmeldehandwerker dann schließlich selbst zu reparieren. Zunächst nur für sich. Doch schnell sprach sich in Sammlerkreisen herum, dass es in Nienburg jemanden gibt, dessen Herz für die Reparatur der kleinen Figuren schlägt.

Pakete für kranke Engel, Nussknacker und Co.

Und nun treffen regelmäßig Pakete in der „Notaufnahme für kranke Engel, Nussknacker, Räucherfiguren und Ähnliches“ ein, wie eines aus Braunschweig: „Ich lege Ihnen meine kleine Wassermühle aus den 50er-Jahren ans Herz“, schreibt die Besitzerin einer Erzgebirgsspieluhr. Der Paketinhalt gleicht einem Puzzle: Das Spielwerk defekt, die Tanne gebrochen, der Zwerg beinamputiert, die Feder des Laufwerks liegt bloß. Eine echte Herausforderung, aber der Rentner meistert sie.

Henry Bokisch weiß meist auf den ersten Blick, aus welcher Produktionsstätte die Patienten stammen. Und was er nicht im Kopf hat, schlägt er in seinen Büchern nach. Wenn Engel ohne musikalisches Zubehör oder Flügel eintreffen, kann er anhand seiner Kataloge schnell feststellen, wie das Original auszusehen hat.

Reisen ins Erzgebirge

Regelmäßig reist der Erichshagener ins Erzgebirge, um auf dem Laufenden zu bleiben. So weiß er, wo er Ersatzteile beschaffen kann. Fehlende Arme und Beinchen dreht er selbst auf einer Drechselbank. Mit Präzision verwandelt er ein einfaches Holzstäbchen – beispielsweise einen Eisstiel – in ein winziges Engelsärmchen. „Auch Holzjalousien vom Sperrmüll benutze ich als Material für Reparaturen“, sagt er.

Jetzt kommt er nach Hoya – um durch die Sonderausstellung zu führen und seine „Notaufnahme“ vorzustellen. Besitzer von verletzten Figuren können diese mitbringen: Im Gespräch wird sich vielleicht eine Idee finden, wie den Figuren zu helfen ist.

Quelle: kreiszeitung.de

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