Flüchtlingshelferin Renate Paul sieht Integration als neue Herausforderung

„Die Organisation der Sprachkurse bewältigt“

Kümmern sich um Flüchtlinge: Renate Paul (Mitte) vom Arbeitskreis „Brot und Salz“ sowie Mareen Witthöft (links) und Ann-Kathrin Feddeler von der Verwaltung. - Foto: Horst Friedrichs

Hoya - Von Horst Friedrichs. „Wir haben unser Miteinander gut erarbeitet“, bewertet Renate Paul vom Arbeitskreis „Brot und Salz“ die Flüchtlingssituation in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya. „Die Anfangsprobleme sind gelöst. Jetzt wird es schwierig.“ Die Arbeitskreis-Vorsitzende bezog sich damit auf die anstehenden Maßnahmen zur weiteren Integration der Asylbewerber.

303 Flüchtlinge, verteilt auf 50 Wohnungen, sind es derzeit im Samtgemeindegebiet. Während eines Pressetermins im Hoyaer Rathaus schilderten Renate Paul, Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer sowie Mareen Witthöft und Ann-Kathrin Feddeler von der Verwaltung die aktuelle Situation der Flüchtlinge in Hoya und den übrigen Mitgliedsgemeinden der Grafschaft.

Nach dem Abebben der Flüchtlingswelle konzentrieren sich die Betreuer nun auf ihre anwesenden Schützlinge. Deren Zahl hatte in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres den Höchststand von 312 erreicht. Der Rückgang auf 303 erscheint gering im Vergleich zu vielen größeren Städten, in denen neu gebaute und eingerichtete Flüchtlingsunterkünfte leerstehen und hohe Kosten verursachen. „Ein solches Problem haben wir nicht“, erklärt Detlef Meyer. „Wir haben die uns zugewiesenen Flüchtlinge in unseren eigenen Gebäuden untergebracht und zusätzlich Wohnungen angemietet. Neu gebaut haben wir nicht, und die abgeschlossenen Verträge gelten über einen zeitlich angemessenen Rahmen.“

Ein stadteigenes Gebäude in Hoya, in dem zurzeit zwei Flüchtlingsfamilien untergebracht sind, ist das Haus Nummer 89 an der Deichstraße. Es soll renoviert werden und künftig vier Wohneinheiten enthalten – für Obdachlose und Flüchtlinge. Meyer: „Uns liegt sehr daran, den sozialen Frieden zu bewahren. Niemandem wird etwas weggenommen. Alle Chancen, die die Flüchtlinge haben, haben auch Deutsche.“ Beider Gemeinschaftsgefühl soll auch in diesem Jahr eine Freizeit stärken: Im April geht es nach Langeoog, und die Musik wird als gemeinsame „Sprache“ dienen.

Nach dem Stand der Planungen, so Mareen Witthöft, müsse die Samtgemeinde in diesem Jahr noch 89 weitere Flüchtlinge unterbringen. Ob es zu der Zahl kommen werde, sei aber noch nicht abzusehen. Witthöft und Feddeler, so betont Samtgemeindebürgermeister Meyer, seien seit zwei Jahren komplett für die Arbeit in der Flüchtlingshilfe abgestellt. In der Eystruper Verwaltung ist Uta Frehse für diese Aufgabe zuständig. „Wir sind an einem Punkt angelangt“, fügt Meyer hinzu, mit Blick auf die Integration „an dem es wieder mehr Hauptamtlichkeit braucht. Das Ehrenamt ist jetzt manchmal überfordert.“

Renate Paul schilderte Aktuelles aus dem Arbeitskreis „Brot und Salz“. Insgesamt seien es 57 Paten, die die 303 Flüchtlinge im Samtgemeindegebiet betreuen. Zuletzt sei vor Weihnachten eine Familie aus Syrien eingetroffen.

„Flüchtlinge und wir respektieren uns“

„Mit Flüchtlingen und Paten klappt bei uns alles gut“, erklärt Renate Paul. „Unser gemeinsames Ziel ist die Integration der ersteren und die Begleitung auf dem Weg dorthin.“ Flüchtlinge, die in der Samtgemeinde aufgenommen werden, kommen aus dem Leistungsbereich des Landkreises Nienburg. Für die ehrenamtlichen und die hauptamtlichen Betreuer, so Renate Paul weiter, sei es schwierig, den Wissensstand der einzelnen Personen zu ergründen, zumal viele der Neuankömmlinge Analphabeten seien. „Wichtig ist, dass die Flüchtlinge und wir uns gegenseitig respektieren“, betont die Arbeitskreis-Vorsitzende.

„Die Mitglieder unseres Arbeitskreises treffen sich alle vier Wochen“, berichtet Renate Paul. „Es gibt viel zu besprechen, denn nicht immer klappt alles auf Anhieb.“ In Sachen Alphabetisierung sei in der Samtgemeinde bereits eine wichtige Aufgabe gelöst: „Wir sind die einzige Samtgemeinde im Kreis Nienburg, die die Organisation der Sprachkurse bewältigt hat. In dem Bereich sind bei uns ausnahmslos Pädagogen tätig“, sagt Paul. Die Sprachkurse für erwachsene Migranten werden von der Volkshochschule durchgeführt, während die Kinder in den Schulen deutsch lernen.

„Wir haben eine supergute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Landkreises“, unterstreicht die „Brot und Salz“-Vorsitzende. „Und hier bei uns in der Samtgemeinde leisten Vereine, Feuerwehren und andere Institutionen ihren Beitrag bei der Bewältigung einer Fülle von Einzelaufgaben. Da kommt schließlich eine Menge auf die Flüchtlinge zu, wenn sie unsere Regeln des Zusammenlebens lernen.“ Als Sprachmittler springen bei Verständigungsproblemen viele Migranten ein, die schon lange hier wohnen. Die dezentrale Unterbringung im Samtgemeindegebiet, so Detlef Meyer und Renate Paul, habe bei allen Vorteilen nur in den kleinen Mitgliedsgemeinden Nachteile, wo es an Mobilität mangele und etwa jede Fahrt zum Einkaufen ein Problem werde.

Quelle: kreiszeitung.de

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