Großes Kino vor der Leinwand

Overbeck-Darsteller Roland Jankowsky liest Krimis im Filmhof Hoya

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Trotz Mord und Totschlag gibt es für das Publikum viel zu lachen: Schauspieler Roland Jankowsky liest im Filmhof Hoya schräge Kurzgeschichten aus verschiedenen Heimatkrimis.

Hoya - Von Elena Zelle. Volles Haus im Filmhof Hoya – und trotzdem bleibt der rote Vorhang vor der großen Leinwand im Kino 1 am Donnerstagabend geschlossen.

Stattdessen eilt Roland Jankowsky, der Darsteller des Kommissars Lars Overbeck in der ZDF-Krimireihe „Wilsberg“, durch den Saal, wünscht im Vorbeigehen höflich einen guten Abend, nimmt auf der Bühne an einem Tisch vor dem Vorhang Platz und hängt seine braune Lederjacke über den Stuhl. Ein Mikrofon, eine Leselampe, ein Glas stilles Wasser und schräg-kriminelle Kurzgeschichten, vorgelesen von Jankowsky: Das war großes Kino vor der Leinwand.

Jankowsky liest die Geschichte nicht nur, er spielt sie

Roland Jankowsky

Denn „vorgelesen“ ist eigentlich ein bisschen untertrieben: Jankowsky flüstert, wird laut, gibt manchen Charakteren eine hohe, durchdringende Stimme, anderen eine tiefe, leise. Manchen der Figuren verpasst er einen Dialekt, er ballt die Fäuste, kratzt sich am Kinn, legt die Stirn in Falten – kurzum: Jankowsky liest die Geschichten nicht nur, er spielt sie.

Und auch wenn an dem Abend in den Kurzgeschichten aus verschiedenen Heimatkrimis viel Blut fließt, gibt es ordentlich was zu lachen. Zum Beispiel bei „Dumm gelaufen in Damme“ von Ralf Kramp: Dem pragmatischen Auftragskiller aus Damme, der „die beseitigt, die wegmüssen“, vermasselt ein sächsischer Kollege mit Pudelmütze um ein Haar das Beseitigen – und bringt den 19-fachen Mörder so nicht nur wegen seines Dialekts fast zum Heulen.

Auch beim Publikum kullert während der Geschichte und dem herrlichen Sächsisch von Jankowsky die ein oder andere Träne – aber vor Lachen.

Heimatkrimis aus ganz Deutschland

Auch einen Krimi aus Süddeutschland gibt er in Hoya zum Besten. Zur Freude des hiesigen Publikums werden darin bayerische Weißwürste aber nicht als kulinarische Köstlichkeit gefeiert, sondern als „widerliche Labberwürste“ tituliert.

Roland Jankowsky

Bei der Geschichte „Publikumsverkehr“ von Brigitte Glaser über die städtische Angestellte Susi, der in der Meldehalle von Köln-Nippes rassistische Vorurteile und ihr Erziehungsauftrag der Kollegin Sägemüller zum Verhängnis werden, lässt Jankowsky in feinstem Rheinisch Köpfe rollen, oder besser gesagt: einen Kopf. Wer die Geschichte nachlesen will und des Rheinischen nicht mächtig ist, muss sich aber keine Sorgen machen: „Publikumsverkehr“ ist auf Hochdeutsch geschrieben, und der Dialekt sei lediglich sein „schauspielerisches Dazutun“, beruhigt Jankowsky.

Kommissar Overbeck ist zu einem Teil seiner Persönlichkeit geworden

Roland Jankowsky

Das Rheinische ist ihm am vertrautesten: Jankowsky wurde 1968 in Leverkusen geboren und stand Ende der 80er- bis Beginn der 90er-Jahre in verschiedenen Kölner und Leverkusener Theatern auf der Bühne. Seit Mitte der 90er ist er vor allem auf dem Bildschirm zu sehen. Zum Beispiel spielte er neun Jahre in der Krankenhaus-Sitcom „Nikola“ mit. Den Kommissar Overbeck an der Seite von Hauptkommissarin Anna Springer (Rita Russek) und im ständigen Klinsch mit dem klammen Antiquar und Privatdetektiv Georg Wilsberg (Leonard Lansink) spielt er seit 1997.

Die Rolle scheint ihm ein Stück weit in Fleisch und Blut übergegangen zu sein: Als er während der Lesung in Hoya in der Pause der langen Schlange an Zuschauern und Zuhörern Autogramme gibt, unterschreibt er zwar mit seinem Namen – aber auch mit „Ovi“ und einem zwinkernden Smiley dahinter.

Quelle: kreiszeitung.de

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