Kirchenkreistag zur Zukunft der Kirche

Pastoren werden Mangelware

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Lothar Dreyer (Vorsitzender des Kirchenkreistags, r.) und Superintendent Jörn-Michael Schröder begrüßen die Regionalbischöfin Birgit Klostermeier als Referentin.

Hoya - Welches Image hat die evangelische Kirche aktuell in unserer Gesellschaft? Um das herauszufinden, hatte das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Jahreswechsel eine Umfrage in Auftrag gegeben.

Das Ergebnis: Die Werte für Sympathie, Sozial- und Sinnhaftigkeit sind super, bei Coolness und Style hat die Organisation Nachholbedarf. Beim Kirchenkreistag jetzt in Hoya befassten sich die Delegierten mit dem Thema, wie Miriam Unger, Pressesprecherin des Kirchenkreises jetzt mitteilt.

Die Kirche punkte der Umfrage zufolge mit großem Abstand in Kategorien wie „verlässlich“, „sozial“, „aktiv, engagiert“, „tolerant, offen“ und „glaubwürdig, authentisch“. Bei „cool, modisch, modern“ sacke die Zustimmung. „Grundsätzlich ein guter Ruf, aber eher traditionell als trendy“, fasste Jörn-Michael Schröder, Superintendent des Kirchenkreises Syke-Hoya, die Ergebnisse vor dem Kirchenkreistag in Hoya zusammen. 

Knapp 100 Delegierte des Kirchenkreis-Parlaments und Gäste aus den 28 Gemeinden der Region waren laut Unger in Hoya zusammengekommen, um sich mit den Themen „Kirchenvorstandswahlen 2018“ und „Perspektiven für die Gemeindeleitung im Jahr 2024“ zu beschäftigen.

Kirche im ständigen Wandel

Landessuperintendentin Birgit Klostermeier aus Osnabrück eröffnete den Kirchenkreistag mit einem Impulsreferat zur Kirchenvorstandswahl 2018. „Wir stehen vor Umbrüchen. Auf uns kommen in den nächsten Jahren große Herausforderungen zu. Das Bild von Kirche wandelt sich, und wir müssen uns mitverändern. 

Nicht nur, weil wir weniger Mitglieder haben werden, sondern auch eine sich immer schneller, stärker wandelnde Welt. Wir haben einiges zu tun, um weiter relevant zu bleiben“, so die Regionalbischöfin. „Es gilt, mutig zu sein, aber auch realistisch. Dafür sind wir mehr denn je auf engagierte Kirchenvorstände angewiesen.“ Ein Kirchenvorstand sei dann richtig gut, wenn er vielfältig besetzt sei.

Dass die Aufgaben von Kirchenvorständen immer anspruchsvoller würden, betonte Superintendent Dr. Jörn-Michael Schröder im Anschluss. Die Entscheidungen und Aufgaben seien komplexer und zeitintensiver geworden, sodass es immer schwieriger werde, sie nebenberuflich bewältigen zu können. „Wir müssen uns neue Wege überlegen, die Arbeit in Kirchenvorständen so zu strukturieren, dass sie für Ehrenamtliche noch machbar ist“, so Schröder. „Und wir müssen auch über finanzielle Ausgleiche nachdenken.“

Zumal sich in den kommenden Jahren die Zahl der Hauptamtlichen im Pfarramt verändern wird. „Geld wird nicht unser Hauptproblem in den nächsten Jahren sein, sondern Stellen, die wir nicht besetzen können“, sagte Schröder. 

In den Jahren 2020 bis 2030 gehe ein großer Block von Pastoren in den Ruhestand – deutschlandweit knapp die Hälfte der bisherigen Belegschaft. Nachwuchs gebe es zwar, aber nicht in ausreichender Menge. „Es wird eine Unterversorgung geben, die unser Kirchenkreis deutlicher zu spüren bekommen wird als etwa die Stadtkirchen“, so Schröder. „Wir müssen uns auf Schwierigkeiten bei der Neubesetzung von Pfarrstellen und auf Vakanzzeiten einstellen.“

Mitgliederzahlen sinken weiter

Aber auch inhaltlich werden an vielen Orten neue Wege gesucht. Denn nicht nur die Mitgliederzahlen sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen, von 2,856 Millionen im Jahr 2011 auf 2,691 Millionen 2015. Laut Schröder sind „alle Gemeinden im Kirchenkreis bis auf Twistringen“ betroffen. Die Menschen nähmen Trauungen und Taufen nicht mehr selbstverständlich in Anspruch. „Wir müssen schauen, inwieweit wir die Liturgien ändern und übernehmen können, was in anderen Gottesdiensten funktioniert“, sagte er.

Schröder blicke optimistisch in die Zukunft: „In kleineren Kirchen kann eine neue Freiheit liegen und mehr Gestaltungsmöglichkeit.“ Dass es ausreichend solcher Wege gebe, zeigten die Angebote im Reformationsjubiläumsjahr. Einen Höhepunkt soll laut Pressesprecherin das Kirchenkreisfest am 19. August in Vilsen bilden, bei dem eine Gruppe aus knapp 20 Pastoren und Mitarbeitenden ein modernes Lutherstück aufführt.

Quelle: kreiszeitung.de

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