19-Jähriger von der Elfenbeinküste will Kfz-Mechatroniker werden

Pendeln für den Berufswunsch: THW hilft Faman Diaketé

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In der Werkstatt der THW-Bundesschule in Hoya zeigt Meister Alexander Kramer dem 19-jährigen Faman Diaketé von der Elfenbeinküste technische Grundlagen. Dazu gehört auch das Reparieren von Motoren.

Hoya - Von Vivian Krause. Der Geruch von Benzin dringt in die Nase. Mitten im Raum steht ein Aufsitzrasenmäher. Daneben liegt der ausgebaute Motor. An der Werkbank stehen zwei Männer in Arbeitskleidung. „Was ist das?“, fragt Alexander Kramer, hält einen Gegenstand hoch und blickt in die fragenden Augen von Faman Diaketé.

„Ein Propeller“, erklärt Kramer. Dann wiederholt er seine Frage „Was ist das?“. Diaketé sagt „Propeller“ und lächelt stolz. Auf dem Gelände der Bundesschule des Technischen Hilfswerks (THW) in Hoya lernt Faman Diaketé technische Grundlagen. Denn er möchte am 1. August eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker beginnen. Dafür durchläuft er derzeit eine von der Arbeitsagentur geförderte Qualifizierungsmaßnahme – drei Tage die Woche in der Werkstatt der THW-Bundesschule, zwei Tage in der Berufsschule in Verden. „Faman fängt von Null an“, erklärt Meister Alexander Kramer. Reparieren, Bohren, Flexen – das alles steht auf dem Plan des jungen Manns.

Der 19-Jährige von der Elfenbeinküste ist seit etwa eineinhalb Jahren in Deutschland. Er lebt in einer Wohngemeinschaft in Hülsen. „Dort sprechen sie nur Französich“, bedauert Anke Cordes, verantwortlich für den Personalbereich und die Ausbildung bei der THW-Bundesschule. Und weiter: „Für ihn wäre es ein großer Schritt, in eine Familie zu kommen.“ Es gehe vor allem darum, die Deutschkenntnisse weiter zu verbessern. Daher suchen die Betreuer eine kleine Wohnung, eine Einliegerwohnung oder ein Zimmer in Dörverden oder Barme.

Mit Bus und Fahrrad fährt der 19-Jährige täglich von Hülsen nach Hoya. „Ich fahre zwischen 5.45 und 6 Uhr los“, sagt Diaketé. Seine Arbeit beginnt um 7.30 Uhr. Unpünktlichkeit ist laut Meister Alexander Kramer kein Thema. Zehn Minuten vor Arbeitsbeginn ist Diaketé da. „Er ist pünktlich, zuverlässig und freundlich“, sagt Kramer.

Kennengelernt haben die beiden sich auf dem Wasserübungsplatz des THW in Barme. Dort unterstützte Diaketé seit Januar 2016 den Platz- und Gerätewart Wolfgang Warneke. „Wir haben uns sofort verstanden“, erinnert sich Kramer. Der 19-Jährige arbeitet nun seit Februar in der Qualifizierungsmaßnahme an der Seite des Meisters. Das Ziel: Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker.

Neben dem Flexen, Bohren und Reparieren gehört auch der Umgang mit moderner Technik zu den Aufgaben von Faman Diaketé.

Faman Diaketé zeigt großes Interesse an der Technik, benötigt aber eine besondere Betreuung. „Das wäre in der freien Wirtschaft gar nicht möglich“, sagt Alexander Kramer mit Blick auf die Arbeit mit dem jungen Mann von der Elfenbeinküste. „Hier haben wir die Zeit und die Möglichkeiten, alles in Ruhe zu erklären“, fügt er hinzu. Es ginge nicht nur um Schnelligkeit.

Seine Defizite sind dem 19-Jährigen bewusst: „Ich muss viel Mathematik und Deutsch lernen“, sagt er und holt sein Mobiltelefon aus der Hosentasche. Er hat etliche Apps auf dem Gerät. Damit lerne er in seiner Freizeit weiter. „Das nächste halbe Jahr wird hart“, fasst Alexander Kramer zusammen, betont aber auch das Engagement des 19-Jährigen: „In den Pausen holt er Zettel und Stift heraus und notiert sich schwierige Wörter.“

Während der Arbeit müsse dem 19-Jährigen über die Schulter geschaut werden. „Faman kann keine Bedienungsanleitung lesen, er kann gefährliche Betriebsstoffe nicht unterscheiden“, nennt Wolfgang Warneke nur zwei Beispiele. Durchs Zeigen, „zur Not mit Händen und Füßen“ und vor allem mit viel Geduld bringen die Meister Alexander Kramer und Nikolai Kraft den 19-Jährigen seinem Berufswunsch näher.

„Wir hoffen, dass Faman in Deutschland bleiben kann“, sagt Bernd Witthuhn, Verwaltungsleiter an der THW-Bundesschule mit Blick auf die Situation des 19-Jährigen. „Willige Leute sollte man fördern.“

Wohnungsangebote in Dörverden oder Barme an Anke Cordes unter Telefon 04251/829102.

Quelle: kreiszeitung.de

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