Initiatoren schöpfen dennoch Mut

Petition gegen Stromtrasse hat kaum eine Chance

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Im Beisein von Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer (links) nahm Stefano Panebianco (Mitte) die Petition entgegen. Initiatoren waren (von links) Jürgen Stegmann, Frank Mahlstedt, Kristoph Stegmann, Manfred Bielefeld und Tim Stegemann.

Hilgermissen - Von Michael Wendt. „Kein Ausbau von Stromtrasse und Umspannwerk – Energietransport auf neue Füße stellen“: Das hatten fünf Einwohner der Gemeinde Hilgermissen gefordert und für ihre Petition insgesamt 649 Unterstützer gefunden. Vor Kurzem übergaben sie die Unterzeichnerliste an Stefano Panebianco vom Amt für regionale Landesentwicklung in Lüneburg (ArL). 

Es bearbeitet das Raumordnungsprogramm für die geplanten Baumaßnahmen des Netzbetreibers Tennet. Anhand der „Landesplanerischen Feststellung“ des ArL wird sich in einigen Monaten zeigen, wo die Stromtrasse höchstwahrscheinlich laufen und wo ein neues Umspannwerk entstehen wird. Denn eins scheint klar: Auch die Petition kann den Bau nicht verhindern. Dennoch glauben die fünf Initiatoren, etwas bewirkt zu haben – und sie wollen Weiteres bewirken.

Bürger, die bezüglich des Stromtrassenbaus einmal Kontakt mit Stefano Panebianco hatten, sprechen allesamt mit Hochachtung über ihn. Sie loben seine sachliche Art und sein immenses Wissen über die Situation vor Ort und die technischen Hintergründe der Maßnahmen. 

Panebianco offen für Kritik

Panebianco hätte die ihm nun im Hoyaer Rathaus übergebene Petition rundweg ablehnen können. Formal war das ArL der falsche Ansprechpartner. Bundesregierung und Bundesnetzagentur entscheiden, wo neue Leitungen gebaut werden. Und beide haben – ebenso wie Tennet – keinen Zweifel am Bedarf für die neue Leitung.

Aber Stefano Panebianco ist keiner, der Bürger abkanzelt. Er beeindruckte auch die Initiatoren der Petition: Jürgen Stegmann und seinen Sohn Kristoph aus Ubbendorf, Frank Mahlstedt aus Ubbendorf, Tim Stegemann aus Mehringen und Manfred Bielefeld aus Magelsen.

Was die Initiatoren wollen

Panebianco hatte sich eingehend mit ihren Ideen beschäftigt, die Inhalt der Petition waren: Die Energieversorgung auf neue Füße zu stellen, mit überschüssigem Strom Wasserstoff zu erzeugen und möglichst vor Ort zu verbrauchen statt neue Leitungen zu bauen und Energie als Strom quer durch die Republik zu transportieren. „Power to Gas“ nennt sich das Verfahren, also „Strom zu Gas“.

Die fünf Hilgermisser sind von dem Verfahren überzeugt. Auch die Bundesnetzagentur kennt es. Sie veröffentlicht alle zwei Jahre drei verschiedene Szenarien, wie Energieerzeugung, -nutzung und -transport in 10 bis 15 Jahren aussehen könnten. „Die „Power to Gas“-Technologie kommt jedoch in den aktuellen Szenarien nicht über einen Einfluss von zwei Prozent im Jahr 2030 hinaus“, sagt Kristoph Stegmann – zu wenig, glauben die Initiatoren der Petition.

Was mit der Petition geschieht

Stefano Panebianco hat die Inhalte der Petition an die Bundesnetzagentur, das niedersächsische Umweltministerium und den Netzbetreiber Tennet weitergeleitet und alle drei um eine Stellungnahme gebeten. Sobald diese eintrifft, will er die Initiatoren darüber informieren. „Ich empfinde das als große Unterstützung“, lobt Jürgen Stegmann. Sein Sohn sagt allerdings: „Die Chancen auf eine Verhinderung des Leitungsbaus wurden von Herrn Panebianco als gering bewertet.“ Gleichzeitig hat der ArL-Mitarbeiter den Unterzeichnern Mut gemacht: „Veränderung kommt von unten“, sagte er.

„Wir fühlen uns in unseren Ideen gestärkt“, freut sich Manfred Bielefeld. Somit sei die Unterzeichnung der Petition nicht unnütz gewesen.

Was die Initiatoren weiter planen

Die fünf Hilgermisser verfolgen weiterhin ihr Ziel, die Energieerzeugung auf neue Füße zu stellen – zumindest im Kleinen, vor Ort in der Samtgemeinde, in einzelnen Haushalten oder Betrieben.

„Die Bundesnetzagentur geht bei ihrem Szenario von einer späteren Rückverstromung des Wasserstoffs aus“, erklärt Manfred Bielefeld, der als selbstständiger Energieberater in Wechold arbeitet. Bei der Verstromung geht aber Energie verloren, was das Ganze weniger wirtschaftlich macht. „Wasserstoff ist zudem viel zu wertvoll, um ihn wieder zu verstromen“, sagt Bielefeld. Bereits bei zwei Infoabenden informierten er und seine Mitstreiter interessierte Bürger darüber,

– dass Wasserstoff zum Beispiel in Bussen und Bahnen als Treibstoff dienen kann,

– dass Wasserstoff bis zu einem gewissen Teil ins Gasnetz eingespeist, durch das Netz transportiert und zur Wärmeerzeugung genutzt werden kann und

– dass Wasserstoff in großen Mengen in der Lebensmittelindustrie benötigt wird.

„Es gibt bundesweit aktuell 26 noch recht junge Projekte, die sich mit alternativer Energiespeicherung und -nutzung befassen. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs“, sagt Manfred Bielefeld.

Gespräche über den Einsatz von Wasserstoff 

Jürgen Stegmann hat bereits mit mehreren Firmen aus der Region gesprochen, ob sie sich den Einsatz von Wasserstoff vorstellen könnten. Sie sollen sich alle gemeinsam demnächst an einen „grünen Tisch“ setzen und Ideen austauschen.

Erzeugt werden könnte der Wasserstoff von Windrädern, für deren Strom es in wenigen Jahren keine feste Einspeisevergütung ins öffentliche Netz mehr geben wird. Die Technik zur Wasserstoffgewinnung passt mittlerweile in einen Überseecontainer.

Im Frühjahr will Jürgen Stegmann die Ideen der Gruppe bei einer Veranstaltung in der Reihe „Geschichten von hinter dem Horizont“ in der Bücker Kleinkunstdiele vorstellen. Den genauen Termin gibt die Kreiszeitung rechtzeitig bekannt.

Quelle: kreiszeitung.de

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