Neue Anlage der Polizeiakademie präsentiert 

Realitätsnahes Schießtraining in Nienburg 

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Nienburg - Von Hartmut Grulke. Seit dem 15. Januar wird scharf geschossen – in der neuen Raumschießanlage der Polizeiakademie Nienburg, an der Rohrsener Straße.

Die moderne Anlage wird für die Ausbildung der rund 650 Studierenden der Akademie am Nienburger Hauptsitz wie auch für das Stammpersonal genutzt. Wenn im April noch einmal bis zu 300 Studierende hinzukommen, wird die Schießanlage sehr gut ausgelastet sein. Auch die Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg ist Nutznießer der Anlage.

Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, sagte im Dezember 2017 bei der Einweihung der Raumschießanlage: „Eine zeitgemäße und vor allem professionelle Aus- und Fortbildung ist nicht nur zum Schutz der Polizeibeamtinnen und -beamten unverzichtbar, sondern auch ein ganz entscheidender Baustein für eine wirksame Kriminalitätsbekämpfung.“ Und so sehen es auch die rund 30 Schießtrainer der Polizeiakademie Niedersachsen in Nienburg.

Sekundenschnelle Entscheidungen 

Einer von ihnen, Polizeihauptkommissar Thomas Hoppmann, verschaffte anlässlich eines Pressetermins Nienburger Medienvertretern einen Überblick über die moderne Schießausbildung der Polizeistudenten. Rede und Antwort standen auch Jörg Henne als Leiter des Studiengebietes 5 (Polizeitraining) und der Direktor der Akademie Carsten Rose. Die Umstellung vom Schießtraining „open air“ zum High-Tech-Training im „Schießkino“ verlief problemlos, so Hoppmann, wobei die Schießanlage in Langendamm auch weiterhin für das Schießtraining auf lange Distanzen genutzt werde. Der zeitliche Aufwand des Trainings an der Waffe hat sich gegenüber früheren Zeiten kaum verändert. Was sich geändert hat, ist jedoch die Art des Trainings. Situative Trainings, in denen der Schütze lernt, sich in Sekundenschnelle zu entscheiden, schieße ich oder nicht, sind primäres Ziel der Ausbildung.

Vom Regieraum aus werden den Polizeistudenten wechselnde Szenarien vorgegeben, auf die sie situationsgerecht reagieren müssen.

Ausgerüstet mit der hochmodernen Pistole SFP 9 der Oberndorfer Waffenschmiede Heckler und Koch beginnen die Polizeistudenten bereits im ersten Studiensemester sich mit der Waffe vertraut zu machen. Individuell angepasst auf die anatomischen Gegebenheiten des Waffenträgers führt der angehende Polizeibeamte diese erste Waffe während seine gesamten Dienstzeit.

Selbstverständlich ist dem ersten Schießtraining ein intensives Studium der Waffentechnik sowie der rechtlichen Gegebenheiten vorweg gegangen. Während im Grundlagentraining erste praktische Schießübungen – wie das Schießen hinter der hohen Deckung – trainiert werden, ist das „situative Training“ sehr realitätsnah angelegt.

So werden die Polizeistudenten in computergestützten Filmsequenzen mit wechselnden Situationen konfrontiert, die im täglichen Einzeldienst immer wieder vorkommen können. Will der bei einem Einbruch ertappte Täter nur seinen Ausweis hervorholen oder zieht er eine Waffe? Obwohl es nur eine Übung ist, befinden sich die 18-jährige Alina Kathmann und Manuel Scharnbeck (26 Jahre) in höchster Anspannung. Der Puls steigt merklich an und nach erfolgter Schussabgabe zittern die Hände leicht, sagt Polizeikommissars-Anwärter Scharnbeck. Das ist gewollt, erklärt Trainer Hoppmann.

Stress durch Mathematik (großes Bild): Zwischen den Schussabgaben müssen die Studenten Rechenaufgaben lösen und richtig reagieren.

 

Um den Stressfaktor noch einmal zu erhöhen, gibt es auch Schießübungen, in denen die jungen Beamten während der Schussabgaben mathematische Aufgaben lösen müssen, ohne sich vom Einsatzziel ablenken zu lassen. Ein Unterschied in der Problemlösungs-Kompetenz zwischen männlichen und weiblichen Polizeistudenten ist im Schießtraining nicht erkennbar, sagt Jörg Henne als Chef der Polizeitrainings. Für beide gelten gleiche Bedingungen im Training sowie später im Einsatz.

In späteren Semestern folgen noch Trainings mit der FX-Waffe. Hier können die Studenten mit Farbpatronen, ähnlich dem Paintballschießen realitätsnahe Stresssituationen trainieren.

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