Die Polyacryl-Plaudertasche nimmt kein Blatt vor den Mund

Werner Momsen kann’s auch auf Platt: 200 Besucher in Warpe bestens unterhalten

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Werner Momsen plappert im Scheinwerferlicht munter drauf los. Sein „Gebieter“, der ganz in Schwarz gehüllte Puppenspieler Detlef Wutschik aus Hamburg, ist vor dem dunklen Bühnenhintergrund kaum zu erkennen.

Warpe - Von Christel Niemann. Er wird älter und mit jedem Lebensjahr noch einen Tick besser: Werner Momsen, das hanseatische Klappmaul. Am Mittwochabend drehte er auf Einladung des Dorfkulturkreises Wietzen in Warpe mächtig auf und unterhielt das Publikum im bis auf den letzten Platz besetzten Saal des Gasthauses Okelmann brillant – immer flankiert von seinem „Herrn und Gebieter“, dem Hamburger Puppenspieler Detlef Wutschik.

Bei „Werner Momsen ihm seine Soloshow up platt“ mussten sich rund 200 Zuschauer mit dem Niederdeutschen oder eben Nicht-Niederdeutschen locker zwei Stunden arrangieren, wobei sich das akustische Leiden in rundum vergnüglichen Grenzen hielt.

Attraktiv sieht sicher anders aus: Werner Momsen besteht als Puppe außen aus Polyacryl und im Inneren nur aus Schaumstoff. Er ist also quasi Sondermüll und dazu auch noch fremdbestimmt, weil Momsens in Schwarz gehüllter Begleiter immer hinter ihm steht und in ihm drin steckt. Doch dafür darf der Werner Dinge tun und sagen, die dem Detlef schon seine Erziehung verbietet.

Kontakt zum Publikum

Detlef Wutschik hält sich zurück, verschmilzt aber mit der Figur des Werner Momsen, sodass die Blicke ausschließlich auf ihr ruhen. Und so schwadroniert diese kauzige, bemannte Puppe da vorne auf der nur mit einem retro-charmanten Sessel bestückten Bühne über allerlei Alltägliches, wirft unentwegt mit Halbwahrheiten um sich und ergießt sich in laienphilosophischen Betrachtungen. Das ist zwar nicht wirklich neu, aber von hohem Wiedererkennungswert, und außerdem hat das zuvor noch keiner so umwerfend komisch erzählt wie dieser hanseatische Klappmaulkomiker.

Dabei sucht Werner Momsen immer wieder den Kontakt zum Publikum und blickt es um Zustimmung heischend an, wenn er sich lang und breit über das Wesen der norddeutschen Spezies, über Kreuzfahrten, moderne Technik, Mülltrennung, Energiesparlampen, Sport, Sex, Erektionsstörungen oder Alterswehwehchen auslässt. „Ist hier jemand von weiter weg?“, fragt er und lästert: „Ach, Sie kommen aus Cuxhaven und nicht aus Hannover oder Hamburg, den Städten des Frohsinns.“

Oder er bittet um Ratschläge, was zu tun ist, wenn ein Mann wie er mit dem ganzen neumodischen Technikkram heillos überfordert ist, sodass die vielen Fotos von seinem Ohr bereits sämtliche Speicherkapazitäten des Handys belegen.

Auch Lieder im Repertoire

Dann folgt das Thema „Sex & Crime“, und die textile Plaudertasche nimmt kein Blatt vor den Mund. Denn was ihr in den Kopf kommt, muss vorne zum Mund wieder hinaus, weil der Wutschik den Momsen halt alles menschlich-mögliche einfach so rausplappern lässt. Ein roter Faden ist dabei nicht zu erkennen – wird aber auch nicht gebraucht.

Gerade noch erzählt Momsen von seinem Waschbrettbauch, der inzwischen so wirkt, als hinge kiloweise Wäsche davor. Dann spielt er auf das aktuelle Fernsehprogramm mit Bachelorgetöse und Geißen-Manie an, für das sich heutzutage scheinbar keiner mehr schämt. Aber wer braucht überhaupt noch Taktgefühl? Fürs Singen mit vollem Körpereinsatz reicht Momsens Taktgefühl allemal. Denn Lieder mit Witz gibt er ja auch noch zum Besten, was gar nicht mal so übel klingt.

Petrus leidet unter Burn-out

So jagt ein Gag den nächsten, und selbst die himmlischen Heerscharen bekommen ihr Fett weg. Etwa wenn Momsen übers Wetter monologisiert und dabei ganz treffend feststellt, dass Petrus zurzeit unter einem Burn-out leiden muss.

Wutschik und sein Alter Ego agieren auf Platt in einer Spontanität, dass man glaubt, der Zufall würde die Pointen zusammenführen. Und tatsächlich: Längst nicht alles ist verbindlich einstudiert. Das Programm lebt von Detlef Wutschiks Wortgewandtheit. Und egal, in welche Nesseln er seine Puppe auch setzt – er stellt damit nie jemanden bloß.

Am Ende des Abends hat sich das Warper Publikum die Hände wund geklatscht und spendet dem bebrillten Klappmaul und seinem schwarz gewandten „Gebieter“ den letzten Applaus im Stehen.

Quelle: kreiszeitung.de

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