Staatsanwältin: „Empathiefreie und emotionslose Bezeichnungen“

Totgeschütteltes Baby: Erschreckende Details

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Der Prozess vor dem Landgericht Verden soll am 6. Mai fortgesetzt werden.

Verden - von Wiebke Bruns. Immer neue Details kommen in dem Verdener Landgerichtsprozess gegen eine junge Mutter aus der Gemeinde Raddestorf ans Licht.

Der wegen Totschlags angeklagten 25-Jährigen wird vorgeworfen, ihrem knapp vier Monate alten Sohn ein tödliches Schütteltrauma zugefügt zu haben. In einer früheren Vernehmung soll sie gegenüber der Staatsanwältin ihr totes Baby als Wunschkind bezeichnet haben. Whatsapp-Nachrichten sprechen eine andere Sprache. Zwei Monate vor der Tat soll sie ihrem Mann geschrieben haben: „Tyler muss weg“.

Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt hielt der Angeklagten das Zitat in der gestrigen Sitzung vor. Es stamme vom 3. August 2018. Am 5. Oktober 2018 soll die 25-Jährige ihren zweitgeborenen Sohn so stark geschüttelt haben, dass es zum Hirntod kam. Wiederholt sei das Baby in den Nachrichten als „Penner“ bezeichnet worden. „Empathiefreie und emotionslose Bezeichnungen“, so Marquardt.

Um die Auswertung des Handys der Angeklagen ging es auch bei der Befragung eines Polizeibeamten aus Nienburg. Dieser berichtete von nur sieben Chats, die er bei Whatsapp festgestellt habe. Gespeichert gewesen seien der Ehemann, die Schwiegereltern, ein Schwager, der Vermieter, eine Nachmieterin und eine Freundin.

Tatrelevantes habe sich nur aus den Nachrichten mit dem Ehemann ergeben. Oft hätten sie sich darin „abfällig und negativ“ über den jüngsten Sohn geäußert. „Es wurde im August darüber gesprochen, dass es nur eine Lösung gegeben kann“, so der Zeuge. Bevor er zitieren konnte, wurde er von dem Vorsitzenden Richter Volker Stronczyk unterbrochen. Diesem ging es gestern nicht um die Inhalte. Der Polizeibeamte berichtete aber noch von Sucheinträgen auf dem Handy mit Begriffen wie „Baby weggeben“ oder „Babyklappe“. Zeitlich konkretisieren konnte er die Suche nicht.

Die Angeklagte zeigte gestern Reaktionen lediglich bei der Aussage einer Notärztin. Diese schaute sie häufiger an, was durchaus mit der patzigen Art der Zeugin bei der Beantwortung der Fragen zu erklären wäre. Der Verteidiger hielt der Notärztin ihre damaligen Aussagen bei der Polizei vor. Als „weinend, hysterisch, fast psychotisch“ will die Medizinerin die Angeklagte damals erlebt haben. „Das war ganz extrem“, so die Zeugin gestern.

Vehement dementiert wurden von der Notärztin andere bei der Polizei protokollierte Aussagen. Über den Ehemann soll sie wenige Tage nach der Tat gesagt haben: „Ich fand, er war sehr kalt. Ich meine als wir ihn bei der Reanimationsmaßnahme abgelöst haben. Das war recht gefühllos.“ Er habe seinen Sohn „wie ein Stück Holz behandelt“. „Das habe ich nie gesagt“, betonte die Zeugin gestern.

Der Mann der Angeklagten soll bis zum Eintreffen der Ärztin um das Leben seines Sohnes gekämpft haben. Es wurde ein zwölfminütiger Notruf abgespielt. Der Vater soll diesen getätigt und dann nach Anleitung der Leitstelle Reanimationsmaßnahmen durchgeführt haben. Ihm wurden erklärte, wie er die Mund zu Mund Beatmung durchführen und die Finger auf die kleinen Rippchen legen soll. Was er offenbar auch alles tat. Gerettet werden konnte das Baby dennoch nicht.

Der Prozess soll am 6. Mai fortgesetzt werden.

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