Prozessauftakt in Verden

Baby zu Tode geschüttelt: Mutter schweigt vor Gericht 

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Vor Gericht ist die Angeklagte mit einer Kaputze über dem Kopf erschienen.

Verden/Raddestorf - Eine 25 Jahre alte Frau aus der Gemeinde Raddestorf muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Verden wegen Totschlags verantworten. Sie soll am 5. Oktober 2018 ihren knapp vier Monate alten Sohn durch Schütteln so schwere Verletzungen zugefügt haben, dass der Junge wenige Stunden später in einer Klinik gestorben ist.

Die Hände, mit denen sie das Baby geschüttelt und damit seinen Tod verursacht haben soll, steckten in Handschellen als die 25 Jahre alte Angeklagte am Donnerstagmorgen kurz vor 9 Uhr in den Gerichtssaal geführt wurde. Nur die Fragen zu ihren Personalien beantwortet die in Untersuchungshaft sitzende Frau. Ansonsten sprach sie gestern in der Sitzung kein Wort. Als Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt mit Verlesen der Anklageschrift den Tatablauf und die Verletzungen beschreibt, schien die 25-Jährige kurz davor zu sein, in Tränen auszubrechen. Zu beobachten war bei ihr ein schmerzverzerrtes Gesicht.

Mittags zwischen 12 Uhr und 13.52 Uhr soll der Junge etwa zehn Minuten lang geschrieben haben. „Sie empfand das Geschrei als lästig und störend“, verlies Marquardt. Als das Baby sich nicht beruhigen ließ, soll die Mutter es drei bis vier Mal geschüttelt haben. „So dass der Kopf vor- und zurückschleuderte.“

Als Altenpflegerin habe sie um die Gefahr gewusst, wirft ihr die Staatsanwaltschaft vor. Ein hochgradiges Hirnödem und massive subdurale Einblutungen“ werden als Verletzungen benannt. Der Junge habe „noch wenige Male nach Luft geschnappt“, so Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt. Er kam in die Klinik nach Minden. Einige Stunden später war er tot.

Angeklagte schweigt

„Meine Mandantin wird auf meinen Rat hin vom Schweigerecht Gebrauch machen“ erklärte Verteidiger Bernd Brüntrup. Bei der Polizei, bei der Staatsanwaltschaft und gegenüber dem psychiatrischen Sachverständigen Professor Dr. med. Norbert Leygraf soll die junge Frau jedoch Angaben gemacht haben. Von drei Vernehmungen war die Rede, die nun über die Befragung von Polizeibeamten, der Staatsanwältin und dem Sachverständigen in den Prozess eingeführt werden sollen. Der Sachverständige wird die Schuldfähigkeit der Angeklagten zu beurteilen haben.

Als einer der ersten Zeugen ist der Ehemann geladen. Ob er aussagen oder vom Schweigerecht Gebrauch machen wird, bleibt abzuwarten. Zwölf weitere Verhandlungstage bis zum 28. Juni hat die 1. Große Strafkammer als Schwurgericht für den Prozess derzeit vorgesehen.

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