Schwerkranker wirbt deutschlandweit für guten Zweck

Das Radfahren gibt ihm Halt

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Bürgermeisterin Anne Wasner, selbst häufig mit dem Rad anzutreffen, empfing Oliver Trelenberg am Rathaus – bei dem für eine Radtour denkbar schlechtesten Wetter. Trelenberg aber sagt: Mir macht der Regen nichts aus.

Hoya - Von Michael Wendt. Oli hat in seinem Leben viel Scheiße erlebt: Sein Vater war ein Säufer, er selbst wurde Alkoholiker, hatte Depressionen und bekam Kehlkopfkrebs. Oli, das ist Oliver Trelenberg, 51 Jahre alt, Frührentner, 800 Euro Einkommen im Monat. Er lebt in ständiger Gefahr, wieder Alkoholiker oder depressiv zu werden. Aber er macht das Beste aus seiner Situation: steigt aufs Fahrrad und fährt durch ganz Deutschland, um bettelarmen Krebspatienten einen Urlaub zu ermöglichen. Freitag und Samstag machte er Station in Hoya.

Oliver Trelenberg lebt in Hagen in Westfalen. Derzeit ist er im Endspurt einer Deutschlandtour von Dresden die Elbe runter bis Cuxhaven, von dort die Weser rauf bis Bad Karlshafen, dann an der Diemel und durchs Ruhrtal zurück nach Hagen. In Hoya empfing ihn Bürgermeisterin Anne Wasner am Rathaus, und der 51-Jährige konnte das machen, wofür er unterwegs ist: Werbung für den Verein „Engel mit Herz“, der bundesweit mittellosen Krebspatienten eine Woche Urlaub in Ostfriesland finanziert.

„Zwei bis drei Gespräche führe ich durchschnittlich am Tag“, sagt Oliver Trelenberg. Danach drückt er seinen Gesprächspartnern einen Flyer über sein aktuelles Projekt „4-Flüsse-Radtour“ in die Hand und hofft, dass sie für „Engel mit Herz“ spenden.

Im Gespräch mit Anne Wasner erzählt er überaus offen aus seinem Leben, davon, dass er sich als „Trockener“ beim Thema Alkohol selbst nicht über den Weg traut. Er erzählt auch von seiner Depression und fordert andere Betroffene auf, ebenso offen damit umzugehen. „Wen ich so eine Krankheit habe und keinem davon erzähle, darf ich mich nicht wundern, wenn Depression stigmatisiert wird“, sagt Oliver Trelenberg.

„Ich lass mir die Lebensfreude nicht nehmen“

Er selbst tut alles, um das Beste aus seiner gesundheitlichen und finanziellen Situation zu machen. „Ein Tag draußen ist schöner als ein Tag auf der Couch“, sagt der 51-jährige, obwohl er gerade zwei Tage lang durch den Regen gefahren ist. „Ich lass mir die Lebensfreude nicht nehmen und verbinde meine Liebe zum Radfahren mit dem Wunsch, anderen zu helfen.“ Wenn er sehe, dass zum Beispiel eine krebskranke Frau, die zuvor nie aus ihrem Heimatort Moers herausgekommen war, dank der von ihm eingeworbenen Spenden einen Urlaub machen konnte, dann sei das „schon sehr bewegend“, sagt Oliver Trelenberg.

Sponsoren unterstützen ihn auf seiner Tour. Sie bezahlen ihm die Ausrüstung.

Die Etappen auf dem Rad sind genau geplant. Meistens fährt Trelenberg 50 bis 70 Kilometer am Tag, je nach Streckenprofil. „Aber 70 müssen es nicht unbedingt sein“, sagt er. Seit seiner Krebs-Operation fehlt ihm für sportliche Höchstleistungen die Kraft und vor allem die Luft. Bevor sein Kehlkopf zum wiederholten Mal wegen Überanstrengung verkrampft und er zu ersticken droht, steigt er lieber ab und schiebt sein Rad eine Steigung hoch.

Hoya Bürgermeisterin beeindruckt

Hoya Bürgermeisterin Anne Wasner ist beeindruckt von Oliver Trelenbergs Tatkraft. „Das ist schon eine große Leistung, wenn man es so schafft, einen anderen Weg im Leben einzuschlagen“, sagt sie.

Seine nächste Etappe führte Trelenbergs nach Stolzenau. Heute befindet er sich bereits in Bad Oeynhausen.

Wer die Deutschlandtour von Oliver Trelenberg verfolgen möchte, findet auf www.oli-radelt.de ein Internet-Tagebuch. Wer für „Engel mit Herz“ spenden möchte, kann dies per Überweisung tun:

Engel mit Herz e. V. Steinfurt, IBAN DE81 4035 1060 0073 7373 14

Kennwort: Oli radelt

Wer im Verwendungszweck seine Anschrift angibt, erhält eine Spendenquittung.

Quelle: kreiszeitung.de

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