Plädoyers gehalten

Spielhallenprozess: Raub oder Versuch, das ist die Frage

Verden/Eystrup - Von Wiebke Bruns. Im Prozess gegen drei wegen eines versuchten Spielhallenüberfalls im November 2014 Angeklagte wurden diese Woche am Landgericht Verden die Plädoyers gehalten. Die Juristen waren unterschiedlicher Meinung, ob es sich um einen fehlgeschlagenen Raubversuch oder einen freiwilligen Rücktritt vom Versuch handelt.

Oberstaatsanwalt Thomas Löding wertet die Tat als versuchten schweren Raub. Die 59 Jahre alte Spielhallenaufsicht sollte von zwei maskierten Räubern genötigt werden, die Kasse zu öffnen. Ein 26-Jähriger aus Dörverden hat gestanden, die Frau mit einem Messer bedroht zu haben, und ein ebenfalls geständiger 27-Jähriger aus Hassel bedrohte die Frau mit einer Schreckschusswaffe. Ein 23-Jähriger aus Eystrup wartete im Fluchtwagen, wie er bereits bei der Polizei eingeräumt hatte. Weil sich die Frau weigerte, die Kasse zu öffnen, versuchten es die Täter selbst, bekamen diese aber nicht auf. Sie verschwanden ohne Beute.

„Das war ein klassisch fehlgeschlagener Versuch“, sagte der Oberstaatsanwalt. Der 23-Jährige sei zum Tatzeitpunkt Heranwachsender gewesen. Er sei nach Jugendstrafrecht zu verurteilen, aber es sei auf die Schwere der Schuld zu erkennen. Thomas Löding beantragte eine 18-monatige Bewährungsstrafe plus 1 000 Euro Schmerzensgeld für das Opfer.

Die beiden anderen Angeklagten seien unter Einbeziehung anderer Urteile zu zwei Jahren und acht Monaten beziehungsweise drei Jahren und acht Monaten zu verurteilen.

Verteidigung fordert Freispruch 

Verteidigerin Katharina Theuerkaufer brachte mehrere Argumente vor, warum bei ihrem 23 Jahre alten Mandanten eine Geldzahlung an das Opfer ausreichend sei. Verteidigerin Daniela Post und Verteidiger Thomas Becker waren sich einig, dass ihre Mandanten strafbefreiend von dem Raubversuch zurückgetreten sind und stützten sich auf die Aufzeichnung einer Überwachungskamera. Die Männer hätten nicht weiter auf das Opfer eingewirkt, obwohl sie ihre Waffen noch in der Hand hatten.

Während Becker für den 27-Jährigen aus Hassel einen Freispruch beantragte, forderte Post eine Verurteilung zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in besonders schwerem Fall. Das Staunen über die unterschiedlichen Auffassungen der Verteidiger stand Richter Joachim Grebe im Gesicht geschrieben. Aus Sicht der Verteidigerin war das Ruckeln an der Kasse ein Diebstahlversuch.

Die überfallene Mitarbeiterin ist Nebenklägerin im Verfahren. Ihr Anwalt Olaf Pehl machte sein Unverständnis deutlich, dass bei dem 23-Jährigen zu einem früheren Zeitpunkt des Verfahrens nur eine Geldauflage in Betracht gezogen worden sei. „Damit kann man nicht auf einen schweren Raub reagieren“, sagte Pehl. Für die Angeklagten spreche jedoch, dass sie die Waffen nicht weiter eingesetzt haben.

Das Urteil wird am Donnerstag, 2. November, verkündet.

Quelle: kreiszeitung.de

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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