Verhandlung im Landgericht Verden vor Plädoyers 

Raubüberfall auf Nienburgerin: Opfer schockiert über Bilder

Verden/Nienburg -Von Wiebke Bruns - In dem Verdener Landgerichtsprozess um den Raubüberfall auf eine 79 Jahre alte Nienburgerin soll kommenden Donnerstag, 1. März, plädiert werden. Möglicherweise wird auch noch am selben Tag das Urteil gegen die drei 23, 31 und 41 Jahre alten Angeklagten verkündet.

In dieser Woche wurden noch einmal ein psychiatrischer Sachverständiger und ein Polizist gehört. Bei dem Beamten ging es erneut um die Auswertung von Handys. Sichergestellt wurden zahlreiche Geräte im Zuge der Festnahme der Angeklagten im April vergangenen Jahres unter Beteiligung des SEK.

Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklageschrift davon aus, dass alle drei Angeklagten vor einem Jahr in das Haus des Opfers eingebrochen sind, während die Frau im Theater war. Die 23 und 31 Jahre alten Angeklagten sollen in dem Haus auf die Rückkehr der Frau gewartet haben, sie dann überfallen und Schmuck im Wert von rund 41 000 Euro aus ihrem Tresor geraubt haben. Den 31-Jährigen belasten seine DNA-Spuren, die an einer Rolle Klebeband gefunden worden sind. Damit war die Frau an einen Stuhl gefesselt worden. Der 31-Jährige will damit aber lediglich während des Einbruchs einen Rucksack geklebt haben.

Telefonat belastet 

Belastend für den 23-Jährigen ist ein Telefonat, das er mit seiner Lebensgefährtin geführt haben soll, während sich die Angeklagten bereits im Haus des Opfers befanden. Wegen Ermittlungen in einem anderen Strafverfahren wurde der Anschluss seiner Lebensgefährtin von der Polizei überwacht und das Telefonat mitgeschnitten. Der 23-Jährige soll jedoch nicht mit seinem Handy telefoniert haben, sondern mit einem Mobiltelefon, das eine Polizeibeamtin in ihrer Zeugenaussage dem 41-Jährigen zugeordnet hat. Zum Zeitpunkt des Einbruchs war dieses in einer Funkzelle eingeloggt, in der das Haus des Opfers liegt.

Zum Zeitpunkt des anschließenden Raubüberfalls war jedoch in einer Funkzelle in Langendamm eingeloggt. Dort wurde der 41-Jährige auch von einem Polizeibeamten gesehen. Somit hat er für den Raub ein Alibi.

Die Ermittler sind bei den Handys allerdings auf einen Chat gestoßen, den sie den 31 und 41 Jahre alten Angeklagten zuordnen. Wenige Stunden nach dem Raub, so der Polizeibeamte, soll sich der 41-Jährige erkundigt haben, wie es gelaufen sei. „Sehr gut“ und drei Smileys lautet die verlesene Antwort. „Echt?“, so die Nachfrage. „Ja, aber sag keinem was. Ist sehr wichtig.“ „Jackpot“, hieß es später noch und am Ende: „Alles wird gut.“

Männer weiterhin in U-Haft

Das Trio sitzt seit der Festnahme in Untersuchungshaft. Im Fall einer Verurteilung vielleicht noch einige Jahre. Nun wurde von dem Vorsitzenden Richter Markus Tittel der rechtliche Hinweis erteilt, dass eine Verurteilung wegen schweren Raubes unter schwerer körperlicher Misshandlung einer Person in Betracht kommt. Die Mindeststrafe liegt dabei bei fünf Jahren. Zwar muss sich der 41-Jährige nicht wegen des Raubes, sondern nur wegen des Einbruchs verantworten, doch er bringt zweieinhalb Jahre Haft aus einem anderen Urteil mit.

Wie er jetzt erklärte, ist dies seit rund einem Monat rechtskräftig und diese Strafe verbüße er nun. Rechtsanwalt Max Reimers regte an, sich gemeinsam die kurz nach der Tat aufgenommenen Bilder von den Verletzungen seiner Mandantin anzusehen. Der 31 Jahre alte Angeklagte will dafür nicht verantwortlich sein und der 23-Jährige schweigt dazu. Als Angeklagte hätten sie auch an den Richtertisch treten dürfen, um sich die Bilder anzusehen. Doch sie blieben sitzen und unterhielten sich lieber untereinander und mit ihren Angehörigen im Zuschauerraum.

Die 80 Jahre alte Nebenklägerin dagegen hat sich die Bilder angesehen. Erstmalig, wie sie später in einer Pause sagte und sie war geschockt: „Überall hatte ich schwarze Flecken. Ich habe mich selbst nicht erkannt.“

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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