Robert Stark gibt „Einblicke in jüdische Lebenswelten“

Referent ermöglicht ganz neues Verständnis des Judentums

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Robert Stark präsentierte sich als fachkundiger Referent.

Hoya - Von Jana Wohlers. Eine Religion, viele Auffassungen und noch mehr unterschiedliche Ausprägungen – trotz der gleichen Glaubensangehörigkeit kann das eigene Ausleben der Religion von Familie zu Familie, aber auch von Person zu Person vollkommen verschieden sein.

Das zeigte am Samstag ein Vortrag im Rahmen der Ausstellung „Kindheit und Glaube“ im Heimatmuseum in Hoya. „Kindheit und Glaube – Einblicke in jüdische Lebenswelten“ lautete der Titel. Dutzende Zuhörer lauschten gespannt Referent Robert Stark.

Seit einigen Monaten gibt es sie schon zu sehen, die aktuelle Ausstellung in den Räumen des Heimatmuseums. Trotzdem ist ihr Ausstellungsrepertoire in ständiger Bewegung und nicht mehr, wie anfangs, nur durch rein christliche Bräuche geprägt: „Die Ausstellung öffnet sich vermehrt Aspekten aus anderen Religionen und Lebenswelten“, erklärte Museumsleiterin Ulrike Taenzer. Da kam der Vortrag von Robert Stark genau zum richtigen Zeitpunkt.

Einblicke in Kindheiten

Stark, der in Berlin ein Judaistik-Studium absolviert hat, bot nicht nur einen umfangreichen und interessanten Einblick in Ausprägungen jüdischer Kindheiten, sondern zeigte auch Entwicklungen der verschiedenen Glaubensauffassungen des Judentums auf. Denn: „Auch der jüdische Glaube lebt und verändert sich durch kulturelle und religiöse Kontakte“, weiß Stark.

Was eint die meisten jüdischen Kindheiten? Was unterscheidet sich in den Biografien? Und was eint das Judentum in Deutschland mit der christlichen Umgebung?

Ein jüdisches Fest ist das Lichterfest mit dem Namen „Chanukka“. Es wird jährlich im Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem gefeiert und dauert acht Tage. Am ehesten vergleichbar ist es mit dem Weihnachtsfest in Deutschland.

Von Beschneidungen zu Gebeten

Neben dem „Chanukka“ gibt es das „Purim“ (ein Fest zur Erinnerung an die Rettung der persischen Juden) und die „Bar Mitzwa“ (für Jungen) beziehungsweise die „Bat Mitzwa“ (für Mädchen), dies ist der Eintritt in die religiöse Mündigkeit, vergleichbar mit Konfirmation und Firmung.

Die Beschneidung („Zirkumzision“), das Lernen der jüdischen Lebensformen und ihrer Ge- und Verbote sowie die Erinnerungskultur zählen zu den Bestandteilen der meisten jüdischen Kindheiten.

Auch gilt im Judentum die „Matrilinearität“, die „Mutterfolge“. Sie besagt, dass jedes Kind, dessen Mutter jüdischer Religion ist, Jude ist – unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit des Vaters.

Wie im Christentum, gibt es in den Ausprägungen des Glaubens auch in jüdischen Familien große Unterschiede. „Von ultra-orthodoxen bis traditionell-konservativen Auslegungen der Tora herrscht eine große Vielfalt“, sagte Stark. Jüdische Kindheiten und Jugenden unterscheiden sich insbesondere in den vermittelten Essgewohnheiten, der Kleidung, dem Bezug zur eigenen Gemeinde, den religiösen Kenntnissen, dem Ausleben der Feiertage und den eigenen Beziehungen, etwa im Freundeskreis und in Beziehungen.

Anpassung an die protestantische Gesellschaft

„Das Judentum hat sich der protestantischen Umgebung in Deutschland zum Teil angeglichen“, erklärte Stark. Zu sehen sei diese Entwicklung beispielsweise im Einsatz von Orgeln und bei der kirchenähnlichen Synagogenarchitektur. Auch traditionelle Feste beider Religionen verschmelzen manchmal: So gibt es in vielen Familien ein „Weihnukka“, eine Mischung aus dem jüdischen Lichterfest „Chanukka“ und dem christlichen Weihnachten.

Robert Stark gestaltete seinen Vortrag interaktiv, reichte verschiedene typisch jüdische Gegenstände herum und begab sich mit dem Publikum in eine offene Fragerunde. Zahlreiche Besucher zeigten großes Interesse und hatten sich vorab Fragen notiert. Der Referent wusste auch kompliziertere Bräuche und Gebote des jüdischen Glaubens verständlich zu erklären, sodass sich manch ein Gast mit einem ganz neuen Verständnis des Judentums auf den Heimweg machte.

Quelle: kreiszeitung.de

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